11.08.09

Kader-Planung

Über Lucios Zukunft bei Hertha entscheidet das Geld

Herthas Lucio hat seine Kritik an Trainer Favre bekräftigt. Seine Forderung: Man hätte ihm bereits vor seinem Urlaub sagen müssen, dass er - wie auch Mannschaftskollege Amine Chermiti - verliehen werden soll. Nun wird Lucio sich Verstärkung für die Verhandlungen holen. Die Hertha-Führung schweigt nur.

Von Julien Wolff
Foto: picture-alliance/dpa
Lucio wechselte 2007 von Gremio Porto Alegra nach Berlin zu Hertha BSC
Lucio soll Hertha zumindest vorübergehend verlassen

Das Funkgerät des Ordners rauschte, und einen Moment später war eine Männerstimme zu hören. "Wer ist jetzt noch am Platz", fragte sein Kollege per Funk. Der Mann, der auf dem Trainingsgelände von Hertha BSC darauf achtet, dass alles seine Ordnung hat, antwortete: "Nur Lucio." Die Vormittagseinheit war schon längst vorbei, doch der Brasilianer gab noch Autogramme und umarmte einen Fan – Lucio gehört zu den volksnahesten Profis.

Die netten Gespräche taten dem 30-Jährigen gut. Seitdem bekannt ist, dass die sportliche Leitung ihn ausleihen will, ist Lucio verärgert und enttäuscht. Seine Wut richtet sich vor allem gegen Trainer Lucien Favre. "Das ist respektlos", sagte Lucio in der "Bild". Auch nach dem Training am Dienstag regte sich der Mittelfeldspieler darüber auf, dass der Trainer ihm erst jetzt mitgeteilt hat, dass er in dieser Saison nicht mehr mit ihm plant. "Ich bin von Deutschland aus nach Brasilien in den Urlaub geflogen und zum Trainingsauftakt wieder zurück. Von Berlin aus dann ins Trainingslager nach Österreich. Das war nicht in Ordnung." Lucio ist der Meinung, dass der Verein vor seinem Urlaub mit ihm hätte sprechen sollen. Das Argument, er habe nach seiner knapp zweijährigen Verletzungspause noch Angst vor Zweikämpfen, lässt er nicht gelten.

Zur Verstärkung holt er sich nun seinen Bruder Clecio nach Berlin. "Er wird am Montag mit unserem Manager Michael Preetz sprechen", sagte Lucio. Es gebe Anfragen aus Brasilien, auch Spanien sei eine Alternative. "Aber wenn die Angebote nicht gut sind, bleibe ich hier bei Hertha." Lucios Zukunft entscheidet also das Geld, das ihm andere Vereine bieten.

Favre wollte sich zu dem Thema nicht äußern. "Ich habe dazu keinen Kommentar", sagte der Schweizer. Auch über Stürmer Amine Chermiti, der für ein Jahr an den saudi-arabischen Topklub Al-Ittihad ausgeliehen wird, habe er nichts zu sagen. Verwunderlich, denn Favre hatte sich für den Kauf von Chermiti vor einem Jahr für 2,2 Millionen Euro von ES Sahel Sousse stark gemacht und ihn "als Zukunft von Hertha" bezeichnet. Auch Manager Preetz war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Hertha verleiht Spieler, die vor nicht allzu langer Zeit noch Wunschkandidaten waren, stellt die Gründe aber nicht transparent dar. Eine Vorgehensweise, die bei den Fans Fragen aufwerfen dürfte.

"Al-Ittihad ist ein großer Klub, der in der asiatischen Champions League spielt. Für mich ist es besser, ein Jahr dort hinzugehen. Denn dort kann ich Spielpraxis sammeln. Ich werde als noch besserer Spieler in einem Jahr zurück nach Berlin kommen", sagte Chermiti Morgenpost Online. Voraussichtlich wird er Ende der Woche nach Arabien fliegen und "mich dann auf meine neue Aufgabe konzentrieren".

Ebenfalls den Verein verlassen wird wohl Bryan Arguez. Der 20 Jahre alte US-Amerikaner, bei Hertha nur Statist, absolviert ein Probetraining beim belgischen Klub RSC Charleroi. "Sie wollen ihn. Jetzt wird verhandelt", sagte Favre.

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