So etwas nennt man wohl ein Schützenfest. Hertha BSC hat den 1. FC Lübars besiegt. Mit 23:0. Der Bezirksligist machte es den Fußball-Profis einfach. Seinen neuen Superverteidiger, Nemanja Pejcinovic, hatte Hertha allerdings geschont. Er hatte am Nachmittag eine extra Trainingseinheit erhalten.
Foto: AP
Das ist Herthas Mannschaft für die Saison 2009/10. Dazu gehören:
Foto: dpa
Levan Kobiashvili (Trikotnummer 21) kam mit Jahresbeginn 2010 von Schalke 04. Der 32 Jahre alte Georgier erhielt einen Vertrag bis zum Saisonende, der sich im Fall des Klassenverbleibs um zwei Jahre verlängert. Der Linksverteidiger bestritt für den Tabellen-Zweiten Schalke 04 und den SC Freiburg insgesamt 289 Bundesliga-Spiele.
Foto: ddp
Ebenfalls zu Jahresbeginn kam der frühere Bundesliga-Torschützenkönig Theofanis Gekas. Der griechische Fußball-Nationalstürmer wird von Tabellenführer Bayer Leverkusen bis zum Saisonende ausgeliehen. Sollte Liga-Schlusslicht Hertha den Klassenerhalt schaffen, besitzt der Hauptstadtklub eine Kaufoption für einen Zweijahresvertrag mit dem 29-Jährigen mit der Nummer 17.
Foto: ddp
Dritter Zugang für die Rückrunde: der tschechische Nationalspieler Roman Hubnik. Der Innenverteidiger wird bis zum Saisonende ausgeliehen. Der 25-Jährige spielte zuletzt für Sparta Prag, wohin er von FK Moskau ausgeliehen war. Hertha sicherte sich zudem eine Kaufoption für den 1,92 Meter großen Hubnik. Er trägt bei Hertha die Nummer 16.
Foto: AP
Torhüter Timo Ochs (27) erhielt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2010. Ochs, der bis Ende der Saison 2008/2009 beim österreichischen Meister Red Bull Salzburg arbeitete, war zuletzt vereinslos und konnte daher außerhalb der Transferfrist verpflichtet werden. Der Keeper spielte in der 2. Bundesliga auch beim VfL Osnabrück und bei 1860 München.
Foto: Sergej Glanze
Am letzten Tag der Wechselfrist verpflichtete Hertha BSC drei neue Spieler: Adrian Ramos (23) ist einer von ihnen. Der Stürmer, geboren in Santander de Quilichao, ist der erste Kolumbianer im Hertha-Trikot. Ramos hat einen Vier-Jahres-Vertrag. Der Angreifer kommt von América de Cali (136 Partien in der Copa Mustang/49 Tore). Ramos (1,85 Meter, 74 Kilo) hat fünf Länderspiele für Kolumbien absolviert. Hertha hat mit der Ablöse von zwei Millionen Dollar (1,4 Mio. Euro) 80 Prozent der Anteile erworben. Sollte Ramos weitertransferiert werden, muss Hertha jenen Teil der Summe, der über 1,4 Millionen Euro liegt, im Verhältnis 80:20 mit América de Cali teilen.
Foto: Sergej Glanze
Florian Kringe (27) kommt von Borussia Dortmund. Schon 2008 hatte sich Hertha um den Mittelfeldspieler bemüht. Doch der hat damals seinen Vertrag bei Dortmund bis Juni 2012 verlängert. 150 seiner insgesamt 179 Bundesliga-Spiele hat Kringe für den BVB absolviert (18 Tore). Nur zu Beginn seiner Profikarriere war er von 2002 bis 2004 an den 1. FC Köln ausgeliehen. Hertha BSC hat Kringe (1,87 Meter, 83 Kilo) bis Juni 2010 für eine Summe von rund 200.000 Euro ausgeliehen.
Foto: pa/Pressefoto UL
Rasmus Bengtsson kam von Trelleborgs FF. Der 23 Jahre alte Innenverteidiger aus Schweden unterschrieb einen Vertrag bis zum 30. Juni 2012. Bengtsson, der in Malmö geboren wurde, erhält im Kader von Hertha BSC die Rückennummer 22. Über die Modalitäten des Transfers vereinbarten die Beteiligten Stillschweigen, die Ablösesumme dürfte unter 500.000 Euro liegen.
Foto: dpa
Abwehrspieler Christoph Janker (24) spielte zuvor für die TSG 1899 Hoffenheim. Er wechselte im Sommer 2009 ablösefrei nach Berlin und gilt als Allrounder.
Foto: AP
Nemanja Pejcinovic (21, r.) ist von FK Rad Belgrad bis zum 30. Juni 2010 ausgeliehen. Hertha BSC sicherte sich darüber hinaus eine Kaufoption für weitere drei Jahre. Pejcinovic trägt die Rückennummer 5 und soll in der Abwehr Joe Simunic ersetzen.
Foto: dpa
Wieder zurück bei Hertha BSC: Nach vier Toren in 44 Spielen trennten sich die Berliner im Januar 2006 von Artur Wichniarek (32). Nun holten sie den Polen überraschend aus Bielefeld zurück. der Stürmer hat in Berlin einen Zweijahres-Vertrag unterzeichnet, er soll rund 700.000 Euro gekostet haben.
Foto: dpa
Torwart Jaroslav Drobny ist seit 2007 bei Hertha BSC. Der Tscheche wurde am 18. Oktober 1979 in Pacátky geboren. Drobny spielte vorher unter anderem für den VfL Bochum.
Foto: picture-alliance
Herthas Torhüter Christian Fiedler hat seinen Vertrag bei Hertha bis 2012 verlängert. Fiedler ist seit Juni 2009 Torwarttrainer bei Hertha und hat seine Karriere nach der Saison 2008/2009 beendet. Der Berliner wurde am 27. März 1975 geboren und ist bereits seit 1990 Hertha-Mitglied. Vor Hertha gab es nur einen anderen Verein: Den Lichtenrader BC.
Foto: DDP
Der Awehrspieler Steve von Bergen wurde am 16. August 1983 in Neuchatel in der Schweiz geboren. Bevor Herthas Nummer 4 im Jahr 2007 an die Spree zog, spielte er unter anderem für den FC Zürich.
Foto: DPA
Herthas Abwehrspieler Arne Friedrich (links) kam 2002 zu dem Berliner Bundesliga-Club. Friedrich ist Nationalspieler und wird aller Voraussicht nach an der WM 2010 in Südafrika teilnehmen. Er wurde am 29. Mai 1979 in Bad Oeynhausen geboren. Zuvor spielte er unter anderem für Arminia Bielefeld.
Foto: AP
Der 23 Jahre alte Cicero kam von Fluminense Rio de Janeiro. Der Mittelfeldspieler ist für eine Gebühr von etwa 800.000 Euro für zwei Jahre mit einer Kaufoption für weitere vier Spielzeiten ausgeliehen. In 73 Erstliga-Einsätzen für Fluminense, Figueirense und Bahia schoss er 20 Treffer, zuletzt traf er in der Copa Libertadores in 14 Einsätzen dreimal.
Foto: REUTERS
Der Brasilianer Raffael kam im Januar 2008 zu Hertha BSC. Der Stürmer, der 1985 in Fortaleza geboren wurde, spielte zuvor unter anderem für den FC Zürich und Juventus Turin.
Foto: dpa-Zentralbild
Wurde ablösefrei von Hansa Rostock geholt: Marc Stein. Der 22-jährige Verteidiger erhielt einen Vertrag bis 2011.
Foto: dpa
Maximilian Nicu kam vom SV Wehen und unterschrieb bis 2011. Der 25-jährige Mittelfeldspieler (31 Zweitliga-Spiele, sechs Tore, zehn Assists) kostete rund 300.000 Euro Ablöse. Er trägt die 25.
Foto: AP
Herthas Mittelfeldspieler Gojko Kacar (r.) kam zu Beginn des Jahres 2008 nach Berlin. Der Mittelfeldspieler mit der 44 wurde am 26. Januar 1987 in Novi Sad in Serbien geboren.
Foto: DPA
Patrick Ebert (in Blau) begann seine Karriere in Schleswig Holstein. Geboren ist der Blondschopf jedoch in Potsdam. Sein Weg führte ihn vom TUS Gaardens zu Hertha BSC, wo ihm der Sprung ins Bundesligateam gelang.
Foto: AP
Lukasz Piszczek (ganz links) spielt seit 2005 im Angriff und in der Verteidigung von Hertha BSC. Der Pole wurde am 3. Juni 1985 in Czechowice-Dziedzice geboren. Bevor er zu Hertha kam, war er unter anderem für Zaglebie Lubin im Einsatz.
Foto: dpa-Zentralbild
Fabian Lustenberger kam aus der Schweiz und ist am 2. Mai 1988 geboren. Der Mittelfeldspieler spielte, bevor er an die Spree wechselte, zum FC Luzern.
Foto: EPA
Valeri Domovchiyski (l.), die Nummer 23, kam aus Bulgarien und wurde am 5. Oktober 1986 geboren. Er spielt für die bulgarische Nationalmannschaft. Seit Januar 2008 ist er Vereinsmitglieg von Hertha BSC. Zuvor spielte der Bulgare unter anderem für FC Levski Sofia.
Foto: AP
Pal Dardai (rechts) wurde am 16. März 1976 in Ungarn geboren. Seit 1997 ist er Hertha-Mitglied. Pal Dardai ist schon in mehr als 240 Bundesligaspiele angetreten. Dardai spielte vorher für BVCSC Budapest und MSC Pecs.
Hertha sucht den Superverteidiger. Dafür geht der Fußball-Bundesligist
unorthodoxe Wege. Wer etwa vermutete, Nemanja Pejcinovic (21), den gerade
für 350.000 Euro von FK Rad Belgrad ausgeliehenen Manndecker, Dienstagabend
beim Test gegen den 1. FC Lübars zu sehen, der wurde enttäuscht. So gewann
der haushohe Favorit beim Bezirksligisten mit 23:0 (13:0). Doch an der
Nachfolge Josip Simunics, der zur TSG Hoffenheim abgewandert ist, wurde
unter Ausschluss der Öffentlichkeit gearbeitet. Pejcinovic hatte am
Nachmittag mit den neuen Kollegen auf dem Trainingsgelände geackert. Trainer
Lucien Favre ließ die etatmäßige Verteidigung mit Kapitän Arne Friedrich,
Pejcinovic, Lukasz Piszczek und Marc Stein gegen die Offensive arbeiten.
„Zwei Stunden, da ging’s richtig zur Sache“, sagte Co-Trainer Harald
Gämperle, „das bringt für die Abstimmung mehr als dieses Testspiel.“
In der Tat machte es Herthas Kooperationspartner Lübars vor rund 3000
Zuschauern im Stadion an der Finsterwalder Straße den Gästen sehr einfach.
Patrick Ebert, der die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führen durfte, traf
allein in der ersten Hälfte drei Mal, Valeri Domovchiyski sogar vier Mal. Am
Ende standen für den Bulgaren ebenso fünf Treffer auf dem Konto wie für
Stürmer Amine Chermiti. „Das war ein sehr sympathischer Abend“, bilanzierte
Hertha-Trainer Favre, „das Spiel kann man aber nicht so richtig werten, das
war ein Spaziergang. Es ging nur darum, neunzig Minuten zu laufen.“ Bei der
Frage, warum Herthas neuer Innenverteidiger Pejcinovic nicht hatte mitwirken
dürfen, verwies Favre ebenfalls auf den Nachmittag: „Die wichtigere Einheit
fand heute auf dem Trainingsplatz statt.“
Auf der Simunic-Position in der
Innenverteidigung griff Favre auf den Nachwuchs zurück. Aus der A-Jugend
durfte Sebastian Neumann auflaufen. Ob das Resultat zu Null allerdings
Aussagekraft über die Fähigkeiten von Neumann hat, darf bezweifelt werden.
Unterschiedlich präsentierten sich die beiden Testspieler, die Hertha mit
einer Gastspiel-Genehmigung in Lübars einsetzte. Ivan Perisic (20) vom
französischen Erstligisten FC Sochaux geriet die Partie phasenweise zum
Albtraum. Freigespielt vor dem Tor fabrizierte der Kroate ein klassisches
Luftloch, der Ball holperte an ihm vorbei. Während sein direkter Konkurrent,
der Ghanaer André Ayew (19) von Olympique Marseille, einen dynamischen
Eindruck machte, das Spiel beschleunigte und zwei schöne Tore beisteuern
konnte. Dennoch wird die Entscheidung, ob einer der beiden einen Vertrag
erhält, sicher nicht von dieser Partie abhängen.
Trotz der letzten Freundschaftspartie ist das Casting vor allem in der Abwehr
von Hertha BSC noch immer nicht abgeschlossen. Ungeachtet der Verpflichtung
von Pejcinovic suchen die Berliner nach einem weiteren kopfballstarken
Manndecker. Wie die Morgenpost erfuhr, steht auf dem Wunschzettel für diese
Position ganz oben Rasmus Bengtsson (23 Jahre/1,85 Meter) von Trelleborgs
FF, derzeit Tabellenachter in der schwedischen ersten Liga. Der Vertrag des
schwedischen U 21-Nationalspielers läuft im Dezember aus, die Ablöse soll
bei vergleichsweise bescheidenen 460.000 Euro liegen. Herthas Ligakonkurrent
Hamburger SV war an Bengtsson interessiert, entschied sich aber für den
erfahreneren tschechischen Nationalspieler David Rozehnal (29) von Lazio
Rom.