27.02.13

Zweite Liga

Für Trainer Jos Luhukay ist Hertha reif für die Bundesliga

Die Berliner eroberten die Tabellenspitze der Zweiten Liga. Zu verdanken haben sie dies einer Eigenschaft ihres Trainers: Mut.

Von Jörn Meyn
Foto: dpa

Mut als Prinzip: Seit Beginn seiner Amtszeit bei Hertha BSC hat Trainer Jos Luhukay immer wieder mutige Entscheidungen getroffen. Gegen den FCKverzichtete er auf „Königstransfer“ Sami Allagui und brachte den jungen Nico Schulz
Mut als Prinzip: Seit Beginn seiner Amtszeit bei Hertha BSC hat Trainer Jos Luhukay immer wieder mutige Entscheidungen getroffen. Gegen den FCKverzichtete er auf "Königstransfer" Sami Allagui und brachte den jungen Nico Schulz

Die Faust verlieh den Worten Ausdruck, als Herthas Cheftrainer am Dienstagmorgen über den 1:0-Erfolg seiner Mannschaft gegen den direkten Aufstiegskonkurrenten 1. FC Kaiserslautern am Vorabend sprach.

Immer wieder schlug Jos Luhukay schwungvoll in seine rechte Hand, dass es klatschte, "Wir hatten die Bereitschaft und den Willen. Das hat Lautern von Beginn an beeindruckt." Klatsch. "In keiner Phase des Spiels hat sich meine Mannschaft zufrieden gegeben." Klatsch. "Wenn wir weiterhin so besessen bleiben, kann uns kein Gegner mehr aufhalten." Klatsch.

Wechsel als Zeichen ans Team

Es war dieselbe Durchschlagskraft, die Jos Luhukay schon am Abend zuvor unter Beweis gestellt hatte, als er in Überzahl und beim Stande von 0:0 zur zweiten Halbzeit mit Pierre-Michel Lasogga zunächst einen zweiten Stürmer für einen Verteidiger (Peter Pekarik) einwechselte und nur wenig später mit Sandro Wagner sogar den dritten Angreifer aufs Spielfeld schickte, dafür wiederum einen Verteidiger opferte.

"Wir wollten voll auf Sieg spielen", erklärte der 49-Jährige seine Entscheidung. "Natürlich war das auch ein Risiko, aber das war mir völlig Wurst. Ich wollte unbedingt gewinnen und die Brechstange rausholen."

Eben jene Unerschrockenheit ihres Trainers verdankt Hertha den "Big Point" im Aufstiegsrennen und den in dieser Saison erstmaligen Sprung an die Tabellenspitze. Gerade weil Luhukay keine Angst vor der eigenen Courage hatte, konnten die Berliner gegen die nach der Roten Karte für Alexander Baumjohann dezimierten und immer tiefer stehenden Pfälzer gewinnen und den eigenen Vorsprung auf den Relegationsplatz drei auf nunmehr beruhigende 13 Punkte ausbauen.

Denn Luhukays Mut färbte auf seine Spieler ab. "Das war ein überragendes Zeichen vom Trainer, das wir Spieler und alle im Stadion verstanden haben", sagte Kapitän Peter Niemeyer.

Kluge: "Luhukay hat das Feeling für die richtige Entscheidung"

Die riskante Rochade gegen den FCK aber war nur ein neuerlicher Ausdruck eines Prinzips, dass Luhukay seit beginnt seiner Amtszeit in Berlin verfolgt: Wer wagt, gewinnt. Nicht nur, dass der Niederländer wesentlich stärker noch als Herthas Übungsleiter in den Jahren zuvor auf den eigenen Nachwuchs setzt und sich nicht scheut, junge Spieler wie John Anthony Brooks oder Fabian Holland auch in schwächeren Phasen im Team zu belassen.

Luhukay schreckt darüber hinaus nicht davor zurück, sobald des die sportliche Situation verlangt, auch prominente Akteure aus dem Kader zu streichen. So verzichtete er gegen den FCK auf den grippegeschwächten Änis Ben-Hatira, vor allem aber auch auf Sami Allagui, den teuersten Zugang. Für ihn spielte der erst 20 Jahre alte Nico Schulz im linken Mittelfeld, der drei Monate wegen einer Sprunggelenksverletzung ausgefallen war und seine Sache am Montag hervorragend machte.

"Der Trainer hat einfach das Feeling für die richtigen Entscheidungen", kommentierte Kluge die mutigen Personalwechsel gegen die Pfälzer. "Er hat die Erfahrung und weiß, was man braucht, um aufzusteigen."

Nachlassen ist nicht erlaubt

Was es für Herthas großes Ziel braucht, zählte Luhukay am Dienstag noch einmal auf: Mentalität, Qualität und die Bereitschaft, alles zu geben. "Auf Basis dieser Eigenschaften werden wir aufsteigen", sagte Luhukay. Zwar habe sein Team auch gegen den FCK fußballerisch noch nicht voll überzeugen können, "aber wenn es nicht mit spielerischem Glanz geht, dann muss man sich zerreißen".

Was die Mentalität seiner Mannschaft angeht, "kann im Moment kein anderes Team mithalten".

Und darum glaubt Luhukay auch, dass Hertha den Platz an der Tabellenspitze nicht mehr hergeben wird: "Endlich haben wir den ersten Platz eingenommen, und den wollen wir natürlich auch halten." Solange der Aufstieg noch nicht definitiv ist, "will ich jedes Spiel gewinnen".

Eine verfrühte Genügsamkeit wird er bei seinen Spielern ohnehin nicht dulden: "Wenn wir nachlassen und fahrlässig werden, sind wir selber unser ärgster Gegner", sagte Luhukay. Kluge ergänzte: "Je mehr wir uns einbilden, dass wir schon durch sind, umso mehr kommt der Schlendrian. Der Trainer hat bewiesen, dass er in solchen Momenten dazwischen hauen kann."

Herthas Blick geht Richtung Bundesliga

Doch auch wenn bei Hertha nur wenige von einer Vorentscheidung im Aufstiegsrennen sprechen, geht der Blick dennoch Richtung Bundesliga. "Natürlich schauen wir über den Tellerrand", sagte Luhukay. Der Fokus richtet sich auf ablösefrei Spieler in der ersten und zweiten Liga sowie im Ausland. Einen massiven Umbruch wird es jedoch auch in Liga eins nicht geben.

"Wir wollen uns nur punktuell verstärken", so Luhukay, der sich sicher ist, dass seine aktuelle Mannschaft auch in der Bundesliga bestehen könnte. "Momentan gibt es dort sieben Mannschaften, gegen die wir konkurrenzfähig wären", sagte der Trainer. Seine Faust war da schon in der Hosentasche verschwunden.

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