25.02.13

Zweite Liga

Auf Hertha BSC wartet gegen Kaiserslautern die Reifeprüfung

Im Spitzenspiel gegen die Pfälzer geht es für die Berliner um den Nachweis ihrer Bundesligatauglichkeit. Zudem winkt Tabellenplatz eins.

Von Jörn Meyn
Foto: picture alliance / ZB

Rudelbildung: Vor jedem Spiel motivieren sich Herthas Profis noch einmal gegenseitig in einem Kreis. Zusammen wollen sie auch gegen Verfolger Kaiserslautern bestehen
Rudelbildung: Vor jedem Spiel motivieren sich Herthas Profis noch einmal gegenseitig in einem Kreis. Zusammen wollen sie auch gegen Verfolger Kaiserslautern bestehen

Jos Luhukay konnte es nicht mehr hören. Zu oft in dieser Woche wurde Herthas Cheftrainer mit dem Wort "Vorentscheidung" konfrontiert. Was insofern nicht überraschend ist, weil die Berliner bei einem Sieg im Spitzenspiel der Zweiten Liga am heutigen Montagabend gegen den Tabellendritten 1. FC Kaiserslautern (20.15 Uhr/Sport1 und im Live-Ticker bei morgenpost.de) ihren schönen Vorsprung auf den FCK und den Relegationsplatz drei auf 13 Punkte ausbauen könnten.

Das wäre bei elf ausstehenden Partien tatsächlich ein ziemlich beruhigendes Polster. Aber von einer vorweggenommenen Entscheidung im Aufstiegsrennen wollte Luhukay nichts wissen: "Es wäre fantastisch, wenn wir gewinnen würden. Aber auch dann sind wir immer noch nicht aufgestiegen", mahnte der Niederländer.

Luhukay: "Wir können zeigen, wie gut wir sind."

Nun könnte man einwenden, dass dies die übliche Rhetorik eines Fußballtrainers ist, der in seiner Funktion eher als Bedenkenträger denn als Träumer auftritt. Doch Luhukay geht es darüber hinaus noch um etwas anderes. Nach zuletzt mäßigen Auftritten soll nicht nur der ärgste Verfolger auf Distanz gehalten, sondern der Nachweis erbracht werden, dass Hertha reif ist für die Bundesliga. "Das Spiel", sagte Luhukay, "ist eine gute Gelegenheit, zu zeigen, wie stark wir sind."

Das war seinem Team nach der Winterpause nur phasenweise gelungen. Zwar holte Hertha aus den drei Partien sieben Punkte, offenbarte aber besonders gegen den 1. FC Union (2:2) und am vergangenen Wochenende beim VfR Aalen (1:0) enorme Probleme, sich gegen tief stehende Gegner Tormöglichkeiten zu kreieren.

Dass mit Kaiserslautern nun eine Mannschaft ins Olympiastadion kommt, die ihrerseits Aufstiegsambitionen hegt und über einen der besten Kader der Liga verfügt, stimmt Herthas Trainer optimistisch: "Für uns ist mehr drin, denn Kaiserslautern wird mehr mitspielen als andere Team, die zu uns kommen. Sie werden mehr für das Spiel tun müssen, und das eröffnet uns automatisch mehr Räume. Das kommt uns zugute", sagte der 49-Jährige.

Lautern kassierte keinen Gegentreffer nach der Winterpause

Doch mit Kaiserslautern wartet auf Hertha nicht nur eine Mannschaft, die es ihrerseits pflegt, das Spiel zu machen. Die Pfälzer sind darüber hinaus auch eines der wenigen Teams in einer ansonsten schwachen zweiten Liga, die das Prädikat "Bundesliga-tauglich" verdient haben.

Nach dem Abstieg aus der ersten Spielklasse im vergangenen Sommer trieb Vorstandsboss Stefan Kuntz den Umbruch voran. 16 Zugänge verpflichtete der FCK, darunter die Bundesliga-erfahrenen Akteure wie Mohamadou Idrissou, Alexander Baumjohann, Albert Bunjaku und Mimoun Azaouagh.

Und weil Kaiserslautern nach einem starken Saisonbeginn zum Ende des Jahres schwächelte (nur ein Punkt aus vier Partien), kamen im Winter noch einmal sechs, zumeist Bundesliga-erprobte Profis. Seitdem haben die Roten Teufel keinen einzigen Gegentreffer mehr hinnehmen müssen und ebenso wie Hertha sieben von neun möglichen Punkten geholt.

Ein Spiel auf Bundesliganiveau

Ob der Stärke der Pfälzer, gegen die sich Hertha schon im Hinspiel (1:1) mit einem Remis zufriedengeben musste, sind sich die Berliner bewusst. "Kaiserslautern hat eine sehr spielstarke Mannschaft. Sie können vorn einen gepflegten Ball spielen und haben eine richtig starke Abwehr", sagte Mittelfeldspieler Marcel Ndjeng.

Da dies auch auf die Blau-Weißen zutrifft (bester Angriff und zweitbeste Abwehr) geht Luhukay von einem Spiel "auf Bundesliganiveau" aus: "Beide Mannschaften haben die Qualität, auch in der Ersten Liga zu bestehen", sagte er.

Ben-Hatira und Allagui stehen nicht im Kader

Um die starke Defensive des FCK zu knacken, hat Luhukay seine Angreifer noch einmal in die Pflicht genommen. "Unsere Offensivspieler müssen sich wieder mehr durchsetzen als zuletzt", forderte Herthas Trainer. Überraschend verzichtet Luhukay jedoch auf Sami Allagui. Der 26-Jährige steht ebenso wie Änis Ben-Hatira, der unter der Woche wegen einer Bronchitis kaum trainieren konnte, nicht im Aufgebot.

Beide wären eine Option für den linken Flügel der Berliner gewesen. Wen Luhukay nun im linken Mittelfeld aufstellen wird, ist offen. Alfredo Morales, der gegen Aalen den gelbgesperrten Peer Kluge ersetzte und seine Sache gut machte, ist eine Alternativ. Und auch die Variante mit Adrian Ramos auf links ist denkbar. Für ihn würde dann wohl Sandro Wagner im Sturmzentrum auflaufen.

Braunschweig patzt gegen 1860 München

Denjenigen, die Luhukay aufstellt, winkt nicht nur die Chance, sich gegen einen Gegner "auf Augenhöhe" zu beweisen, und den Nachweis der eigenen Bundesligatauglichkeit zu erbringen.

Durch die Niederlage des Spitzenreiters Eintracht Braunschweig gegen 1860 München am Sonntag (1:2) könnte Hertha bei einem Sieg gegen Kaiserslautern darüber hinaus auch erstmals in dieser Saison auf den Tabellenplatz eins vorrücken.

"Wir sind in der Lage, dieses Spiel zu gewinnen", sagte Herthas Manager Michael Preetz. "Das wäre dann schon ein bemerkenswerter Vorsprung, und wir wollen die Chance nutzen." Das Wort "Vorentscheidung" mochte auch er nicht verwenden.

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