20.02.13

Interview

Ex-Hertha-Profi Axel Kruse hofft auf Trainer Luhukay

Axel Kruse über ein legendäres Spiel der Berliner gegen den 1. FC Kaiserslautern und die Zukunft seines Ex-Vereins.

Foto: picture-alliance / dpa

Torgarant: Axel Kruse spielte mit Hertha 1997 trotz Zweiter Liga vor 75.000 Fans im Olympiastadion – und traf beim 2:0 sogar selbst zum Führungstreffer
Torgarant: Axel Kruse spielte mit Hertha 1997 trotz Zweiter Liga vor 75.000 Fans im Olympiastadion – und traf beim 2:0 sogar selbst zum Führungstreffer

Am Mittwoch ist Axel Kruse (45) zu Gast in der Sendung "Markus Lanz" im ZDF (23.45 Uhr). Dort wird es dann vor allem um die Champions League und die vorangegangene Partie des FC Schalke bei Galatasaray Istanbul gehen. Morgenpost-Redakteur Uwe Bremer sprach mit Kruse lieber über ein legendäres Spiel von Hertha BSC: dem 2:0 gegen den 1. FC Kaiserslautern im April 1997. Kruse erzielte damals das Führungstor der Berliner gegen den Gegner, der am kommenden Montag erneut im Olympiastadion gastiert – und zwar im Aufstiegsduell des Tabellenzweiten gegen den Zweitligadritten. Heute arbeitet Kruse, zu seiner aktiven Zeit war der Stürmer bei Hertha der Publikumsliebling, als Geschäftsführer der Film- und Fernsehproduktionsfirma "farbfilm media".

Berliner Morgenpost: In der Zweitliga-Saison 1996/97 spielte Hertha zunächst vor 10.000 bis maximal 12.000 Zuschauern. Welche Erinnerungen haben Sie an den Stadioneinlauf beim Lautern-Spiel?

Axel Kruse: Die Mannschaft hatte mitbekommen, dass ein paar mehr Zuschauer als sonst erwartet wurden. Ich hatte heimlich auf 50.000 gehofft. Beim Einlaufen habe ich geschaut: Das Stadion war gut gefüllt, nur die Blöcke am Marathontor waren komplett frei. Da habe ich mich gefreut: Endlich mal wieder Fußball vor einer ordentlichen Kulisse. Als dann zehn Minuten gespielt waren, habe ich noch mal geschaut. Da war alles voll. Ausverkauft. Da habe ich gedacht: Wahnsinn. Das gab einen Extraschub.

Berliner Morgenpost: Hertha war damals Zweiter, Lautern mit Trainer Otto Rehhagel Erster. Bei ihrem Führungstor umkurvten sie Torwart Ehrmann und schoben den Ball aus 30 Metern ins leere Tor. Aber lange war nicht klar, ob der langsam rollende Ball überhaupt die Linie erreichen würde.

Axel Kruse: Für die Dramaturgie war das super. Das ganze Stadion ist aufgesprungen, alle haben mitgefiebert. Ich könnte jetzt auch etwas vom Pferd erzählen, das immer nur so hoch springt, wie die Latte liegt. Aber ehrlich: Ich habe den Ball gechippt, weil ich die Befürchtung hatte, dass der Verteidiger hinter mir, mich abgrätschen würde, wenn ich normal schieße. Dann hat es halt einen Moment länger gedauert, bis er drin war.

Berliner Morgenpost: Dieser Sieg galt damals als Aufbruchsignal für den Verein, der im Jahr darauf dann sogar in der Bundesliga brillierte.

Axel Kruse: Bei Hertha wurde in den Jahren zuvor immer viel versprochen– aber kaum etwas gehalten. Deshalb wurde unser Projekt damals kritisch beäugt. Die Ufa war eingestiegen (als Vermarkter – d. Red.). Zunächst hatten wir auch nicht so viele Fans im Stadion. Wir haben uns dann gesteigert. Das Lautern-Spiel war die Umarmung des Vereins mit den Zuschauern. Nun war abzusehen: Berlin hat die neue Hertha akzeptiert.

Berliner Morgenpost: Am kommenden Montag empfängt Hertha wieder Kaiserslautern. Wieder im Topspiel der Zweiten Liga, der Zweite tritt diesmal gegen den Dritten an, der fast schon um seine letzte Chance kämpft. Aber das Publikum lässt sich bitten. Bisher wurden lediglich 25.000 Karten abgesetzt. Woran liegt das?

Axel Kruse: Mit einem ausverkauften Stadion hatte ich eh' nicht gerechnet, weil die 75.000 von damals bis heute Zweitliga-Rekord sind (grinst).

Berliner Morgenpost: Das müssen wir Sie korrigieren, das stimmt inzwischen nicht mehr. Die Partie von Hertha gegen den FC Augsburg im Mai 2011 haben 77.116 Fans gesehen.

Axel Kruse: Oha. In jedem Fall sind die Voraussetzungen anders. 1997 war Kaiserslautern mit Trainer Otto Rehhagel der Topfavorit auf den Aufstieg. Am Montag ist Hertha Favorit. Der Vorsprung auf Kaiserslautern ist mit zehn Punkten beträchtlich.

Berliner Morgenpost: Hertha spielt die beste Zweitliga-Saison der Vereinshistorie, ist seit 20 Spielen ungeschlagen. Trotzdem fehlt Euphorie, wie sie den Aufstieg vor zwei Jahren begleitet hat.

Axel Kruse: Nach dem letzten Abstieg habe ich Monate gebraucht, um mich Hertha wieder emotional zu nähern. Die Relegation, die Vorkommnisse rundherum – das hat mich echt geschafft.. Da war Wut dabei, Enttäuschung und Verzweiflung. Bei der Klage gegen die Wertung des Skandalspiels von Düsseldorf, die Hertha eingereicht hat, war mir klar, dass der DFB irgendeine Konstruktion finden würden, um das Spiel nicht wiederholen zu müssen. Trotzdem habe ich an dem Tag, als das in Frankfurt verhandelt wurde, acht Stunden vor dem Liveticker bei Immerhertha.de gesessen und gehofft, dass Hertha das irgendwie noch schafft. Und das ging vielen so. Als auch diese Hoffnung zerstört war, habe ich den ganzen Sommer gebraucht, um mich der Sache wieder zu nähern.

Berliner Morgenpost: Hertha hat ein Modell, das bei vielen Vereinen als Voraussetzung für Erfolg gilt: In der Führung setzt der Verein auf Kontinuität. Die Kritiker um Hertha herum argumentieren, dass eben genau diese Kontinuität mit Präsident Gegenbauer sowie den Geschäftsführer Preetz und Schiller den Erfolg von Hertha verhindere.

Axel Kruse: Der Präsident hätte es sich doch einfach machen können. Alle Oberschlauen haben im Sommer gefordert: Preetz hängen, der ist an allem schuld. Gegenbauer hat sich mit seinem Präsidium hingesetzt und nüchtern überlegt: Mit wem bewerkstellige ich den Aufstieg? Und hat dann entschieden Wir behalten die Führung mit Preetz und Schiller bei. Ich habe absolut Respekt vor Leuten, die auch mal gegen den Strom schwimmen. Und der Saisonverlauf gibt dem Präsidenten recht.

Berliner Morgenpost: Skeptiker wenden ein: Das ist kein Kunststück. Mit dem teuren Kader steigt auch der Pförtner vom Schenckendorff-Platz auf.

Axel Kruse: Das stimmt nicht. Es gibt viele Beispiele, wo Vereine trotz hoher Ausgaben keinen Erfolg haben, siehe Hoffenheim.

Berliner Morgenpost: Viele Anhänger haben die Befürchtung, dass Hertha zu einer Fahrstuhlmannschaft werden könnte.

Axel Kruse: Die Befürchtung der Fans kann ich absolut nachvollziehen. Das belegen die Fakten der letzten drei Jahre. Nur glaube ich nicht, dass das passieren wird. Bei Hertha herrscht seit Monaten Ruhe. Wann gab's das mal? Wir haben mit Jos Luhukay einen hochkompetenten Trainer. Der gibt eine klare Linie vor. Er stellt nicht nach Namen auf, sondern nach Leistung. Der Zusammenarbeit mit dem Manager scheint gut zu funktionieren. Ich hoffe, dass es auf der Trainer-Position Kontinuität gibt. Das ist meine Hoffnung.

Berliner Morgenpost: Sind Sie Montag gegen Kaiserslautern im Olympiastadion?

Axel Kruse: Ja. Und ich hoffe, dass mir 50.000 Gesellschaft leisten.

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