19.02.13

Olympiastadion

Warum Hertha trotz starker Saison um Zuschauer buhlt

Für das Top-Spiel der Berliner am Montag gegen Lautern sind erst 24.000 Tickets verkauft. Kulturmanager Siebenhaar erklärt das Phänomen.

Von Uwe Bremer
Foto: dpa

Weniger Resonanz: Bisher liegt der Zuschauerschnitt bei 37.698. In Herthas Aufstiegssaison 2010/11 waren es am Ende 45.500
Weniger Resonanz: Bisher liegt der Zuschauerschnitt bei 37.698. In Herthas Aufstiegssaison 2010/11 waren es am Ende 45.500

Stell' Dir vor, Hertha wird Meister und keiner geht hin. Nein, ganz so wild wird es nicht kommen. Aber die Verantwortlichen bei Aufstiegsaspiranten sind beunruhigt über die geringe Resonanz für den Zweitliga-Hit von Hertha BSC gegen den 1. FC Kaiserslautern am Montag im Olympiastadion (20.15 Uhr). Begonnen hat der Vorverkauf am 7. Januar.

Bis Montag, 12 Uhr, wurden im Einzelverkauf lediglich 7662 Tickets abgesetzt. Dazu kommen 16.500 Besitzer einer Dauerkarte. Mit anderen Worten: Bei 24.162 besetzten Plätzen gibt es mehr als 50.000 freie Sitze.

Hertha ist im Olympiastadion noch ungeschlagen

Vor dem Hintergrund der laufenden Saison ist das eine niederschmetternde Zwischenbilanz. Die Gastgeber spielen gerade das beste Jahr ihrer Zweitliga-Historie. Seit 20 Spielen ist das Team von Trainer Jos Luhukay ungeschlagen, im Olympiastadion wurde noch keine Niederlage kassiert (sechs Siege, vier Unentschieden).

In der Partie gegen Lautern geht es um die Vorentscheidung für den Bundesliga-Aufstieg. Der Zweite empfängt den Dritten. Hertha hat sich bereits starke zehn Punkte Vorsprung auf die Pfälzer erarbeitet. Bei einem Sieg am Montag sollte der Rückkehr in die Eliteklasse eigentlich nichts mehr im Wege stehen.

Sechstes Montagsspiel in dieser Saison

"Aber natürlich braucht die Mannschaft die Unterstützung der Fans", sagte Manager Michael Preetz. Er weiß, dass der Montagabend der bei den Anhängern unbeliebteste Wochentag für Fußball ist.

Doch Hertha muss sich bei dem Termin dem Wunsch des übertragenden TV-Senders Sport1 fügen. Bis zu achtmal darf ein Klub am Montag angesetzt werden. Die Berliner treten gegen Lautern zum sechsten Mal zum Wochenanfang an.

Kulturexperte Siebenhaar: "Berliner Publikum ist extrem launisch"

Die Morgenpost hat einen Berlin-Versteher gefragt. Klaus Siebenhaar (60) lebt seit über 40 Jahren in der Stadt. Er ist Professor für Kulturmanagement und seit 2007 Leiter des Zentrums für Audience Development an der FU Berlin.

Angesprochen auf die Hertha-Sorgen sagt Siebenhaar: "Das Publikum in Berlin ist extrem launisch und schwer kalkulierbar. Das ist nicht nur im Sport so, sondern auch in der Kultur. Leute aus anderen Städten sind regelrecht geschockt, wenn ich erzähle, dass manche Konzerte der Symphoniker in Berlin nicht ausverkauft sind."

Durchschnittlich fast 8000 Zuschauer weniger als 2010/11

Die Überraschung bei Hertha über die geringe Resonanz rührt auch daher, dass das Montagsspiel vor einer Woche gegen Union (2:2) ausverkauft war. "Das war ein Derby und auch Union spielt eine gute Saison, da sind 75.000 eine starke Kulisse", sagt Siebenhaar.

Dank des Prestigeduells hat Hertha nach zehn Heimspielen seinen Zuschauerschnitt in der laufenden Saison auf 37.698 erhöht. Kalkuliert wird mit 38.000. Allerdings liegt der Zuspruch deutlich unter jenem in der Aufstiegssaison 2010/11 (45.500).

Zu diesem Publikumsschwund hat der Kulturmanager eine klare Meinung. Und die hat nichts zu tun mit kalten Februarabenden oder dem nicht immer attraktiven Fußball von Hertha. Siebenhaar sagt: "Bei vielen Anhängern sitzt die Enttäuschung noch tief mit dem, was vorher war. Die beiden Abstiege haben Vertrauen gekostet. Im Moment warten viele noch ab, wie es weitergeht."

Gegengeraden-Karten gegen Lautern elf Euro preiswerter

Auf dem langen Weg, Vertrauen zurück zu erobern, sieht er Hertha in einer Schlüsselpersonalie gut aufgestellt. "Der Trainer ist endlich der richtige", sagt Siebenhaar. "Berlin will nicht nur Glamour, auch solide, harte Arbeiter wie Jos Luhukay kommen hier gut an." Für Kaiserslautern lockt der Gastgeber die Fans mit einem Schnäppchen-Angebot. Karten auf der Gegengeraden, die sonst 26 Euro kosten, werden für elf Euro abgesetzt.

Siebenhaar betont die Chancen des Wankelmuts. Die hiesige Kundschaft sei nicht nur anders als die in Hamburg oder München. "Die Berliner sind das schwierigste Publikum in Europa", sagt der Kulturmanager und ergänzt: "Um da als Veranstalter zu bestehen, braucht man Nerven wie Drahtseile."

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