18.02.13

Team-Kapitän

Wie Hertha BSC aufsteigt, ist Niemeyer total egal

Hertha eilt von Rekord zu Rekord, aber nach dem knappen Sieg in Aalen wird Kritik laut. Kapitän Peter Niemeyer wischt sie beiseite.

Von Uwe Bremer und Sebastian Schlichting
Foto: picture alliance / Annegret Hils

Hertha-Kapitän Peter Niemeyer lässt sich durch nichts davon abbringen, dass seine Mannschaft wieder in die Bundesliga zurückkehrt
Hertha-Kapitän Peter Niemeyer lässt sich durch nichts davon abbringen, dass seine Mannschaft wieder in die Bundesliga zurückkehrt

Der Trainer lag flach. Jos Luhukay war schon bei der Partie in Aalen grippegeschwächt. Am Sonntag setzte ihn die fiebrige Erkältung dann aber außer Gefecht. So war es am Kapitän, vor den Medienvertretern zu erklären, wie das schwer erkämpfte 1:0 von Hertha BSC beim Aalener Verein für Rasenspiele einzuorden war.

Peter Niemeyer redete nicht drum herum. Die Journalisten-Frage nach dem mäßigen Spiel in Aalen verbesserte Niemeyer in "das schwache Spiel". Der defensive Mittelfeldspieler wusste, dass der Aufstiegsfavorit sich über weite Strecken schwer getan hatte vor 8119 Zuschauern in der Scholz-Arena.

"Der Platz war ein Handicap", sagte Niemeyer. Um fortzufahren: "Eigentlich haben wir es nicht nötig, nach Ausreden zu suchen." Bei den Verhältnissen im Spätwinter "sind Resultate wichtig. Es ist besser, effektiv zu punkten, als in Schönspielerei zu sterben."

Reicht das für die Bundesliga?

Wie schon in den ersten beiden Partien des Jahres war auch auf der Ostalb spielerisch wenig zu sehen gewesen von Hertha. Das direkte Spiel, das Trainer Luhukay seit Sommer wieder und wieder im Training üben lässt, findet derzeit bei Pflichtspielen selten statt.

Gegen Regensburg (5:1) fielen die ersten drei Tore nach Standardsituationen, gegen Union (2:2) sogar beide Treffer. In Aalen brachte Hertha über 90 Minuten nur einen gescheiten Spielzug zustande. Der brachte das umjubelte Siegtor, das Marcel Ndjeng auf Vorarbeit von Adrian Ramos erzielte (76.). Im Umfeld, bei den Fans, im Internet setzt es derzeit heftige Kritik an der mäßigem Spielqualität.

Bei immerhertha.de, dem Blog der Morgenpost, schrieb etwa Nutzer "Bolly": "Hat sich ja nix verändert zu den letzten zwei Spielen: null Torchancen, kein System, keine Mentalität. Mir wird echt bange vor der ersten Liga – falls die Jungs es schaffen."

Sieben Punkte von neun möglichen

Niemeyer weiß, dass Hertha besser spielen kann. Doch die Kritik lässt er nicht gelten. Mit Blick auf die Ausbeute – von neun möglichen Punkten in diesem Jahr hat Hertha sieben geholt – sagte der Kapitän: "In dieser Phase musst du Schritt halten mit der Konkurrenz. Und ehrlich: Wie wir aufsteigen, ist mir scheißegal."

Manager Michael Preetz war "hochzufrieden mit dem Ausgang". Er verwies auf den "sehr unangenehm zu spielenden Gegner". Der VfR hat mit einem 1:0 gegen Kaiserslautern und einem 1:1 bei Spitzenreiter Braunschweig die anderen Topteams der Liga geärgert. "Da können wir uns mit den sechs Punkten, die wir gegen Aalen geholt haben, absolut sehen lassen."

Bei der Diskussion um die wenig herzerwärmenden fußballerischen Vortrag muss Preetz schmunzeln. "Ich glaube, die halbe Liga hätte gern unsere Probleme. Im Februar einer Saison gilt es zu punkten. Das tun wir." Der Manager geht noch einen Schritt weiter: "Es ist eine Qualität, aus wenig viel zu machen."

Sechs Auswärtssiege in Folge

Zumal die Mannschaft ungeachtet der nasskalten Witterung und der aktuell holprigen Spielweise gute Gründe geltend machen kann, warum sie ungefährdet auf einem Aufstiegsplatz steht. In Aalen gewann Hertha das sechste Auswärtsspiel in Folge – Vereinsrekord.

Mit 49 Punkten nach 21 Runden spielt Hertha die beste Zweitliga-Saison der Klubhistorie. Die Berliner sind seit 20 Spielen ungeschlagen, Vereinsrekord. Mit Blick auf die Statistik waren seit Einführung der eingleisigen Zweiten Liga 1981 nur zwei Klubs besser (1. FC Köln, Waldhof Mannheim). Damit nicht genug, der Hertha-Jahrgang 2013 kann weitere Bestmarken setzen. Sowohl der eigene Rekord aus dem Aufstiegsjahr 2011 kann übertroffen werden (74 Punkte), dazu der von Hannover 96 vor elf Jahren aufgestellte Zweitliga-Rekord (75 Punkte).

Das Wissen um die eigene Stärke verändert das Auftreten. Das spürt auch Herthas jüngste Stammkraft John Brooks (20). Der spielt seine erste Zweitliga-Saison als Profi und überzeugte in Aalen an der Seite des überragenden Abwehrchefs Fabian Lustenberger. Wieder und wieder baute das Duo das Spiel von hinten auf. Das sieht zunächst nach einfachen Pässen aus, erfordert aber eine hohe Konzentration.

Brooks spielt ohne Angst vor Fehlern

Weil Aalen früh attackierte – ein Hertha-Fehlpass in dieser kritischen Zone führt meist prompt zu einer hochkarätigen Chance. Doch von Nervosität ist bei Brooks (18 Profi-Einsätze), nichts zu spüren: "Nein, wir denken nicht daran: Hoffentlich bekommen wir kein Gegentor. Ich habe die ganze Zeit gewusst, dass wir noch unser Tor machen."

Niemeyer, einer der wenigen Profis, der bereits in der Aufstiegssaison 2010/11 dabei war, sieht die Geschlossenheit als einen Trumpf im Kampf um die Bundesliga-Rückkehr. "So weit wie diesmal waren wir vor zwei Jahren nicht. Unser Auftreten ist auch keine Arroganz. Das beruht auf einem Selbstbewusstsein, dass wir uns erarbeitet haben mit dieser langen Serie."

Am Sonntagnachmittag hat sich Ausgangsposition noch mal verbessert, da Kaiserslautern beim 0:0 in Duisburg zwei Punkte liegen ließ. Damit reist der Verfolger aus der Pfalz mit einem Rückstand von zehn Punkten zum Topspiel am kommenden Montag nach Berlin. Schlusswort Niemeyer: "Für Lautern ist das ein Finale. Für uns ist es ein wichtiges Spiel gegen einen Mitbewerber."

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