17.02.13

Sieg gegen Aalen

Herthaner Ndjeng belohnt ein hartes Stück Fußballarbeit

Die Berliner haben sich zum 1:0-Sieg gegen Aalen gezittert. Aber der sechste Auswärtssieg in Folge markiert einen weiteren Klubrekord.

Von Sebastian Schlichting
Foto: dpa

Herthas Marcel Ndjeng bejubelt sein Tor zum 0:1
Herthas Marcel Ndjeng bejubelt sein Tor zum 0:1

Die spielentscheidende Szene kam nur zustande, weil sich Adrian Ramos vertan hatte. "Eigentlich wollte ich selbst aufs Tor schießen", erzählte der kolumbianische Stürmer, "habe mir aber den Ball zu weit vorgelegt."

Die gute Nachricht für Hertha BSC: Trotz dieses technischen Fehlers auf dem Holperrasen in Aalen hob Ramos noch mal den Kopf. "Da habe ich ein rotes Trikot heranlaufen sehen und zurück gespielt."

Gemeint war Marcel Ndjeng, der den Querpass aus fünf Metern ins leere Tor schob. Es war die einzig echte Chance, die sich die Berliner in 90 mühsamen Minuten beim Aufsteiger erarbeiteten. Aber Ndjeng konnte zurecht sagen: "Der Abschluss war für mich nicht mehr schwer. Und wer solche Spiele gewinnt, steigt normalerweise auf."

Beste Zweitliga-Saison der Vereinshistorie

Mit dem 14. Saisonsieg ist Hertha BSC dem erklärten Ziel, der Bundesliga-Rückkehr, einen weiteren Schritt näher gekommen. Doch derzeit überdecken beim Krösus der Zweiten Liga eindrucksvolle Zahlen eine wenig eindrucksvolle Realität. Die Statistik lügt nicht: Hertha spielt die beste Zweitliga-Saison der Vereinshistorie. Seit nunmehr 20 Partien ist die Mannschaft ungeschlagen. Und der sechste Auswärtssieg in Folge markiert einen weiteren Klubrekord.

Vor der übersichtlichen Kulisse von 8119 Zuschauern in der eisigen Scholz-Arena, darunter rund 1000 Berliner Fans, blieb der Hauptstadt-Klub jedoch auch im dritten Aufritt des neuen Jahres den Nachweis seiner spielerischen Klasse schuldig.

Jos Luhukay hatte seine Elf nach dem Derby (2:2 gegen den 1. FC Union) auf drei Positionen verändert. Der Trainer bot mit Fabian Holland, Marvin Knoll und Alfredo Morales (alle 22 Jahre) drei Hertha-Eigengewächse auf. Dazu stand mit John Brooks (20) ein weiterer Youngster auf dem Platz.

Torwarte konnten sich kaum auszeichnen

Die Gastgeber, die in der Vorwoche ein 1:1 bei Spitzenreiter Braunschweig geholt hatten, spulten ihre bekannte Taktik ab: Kaum eigenen Ballbesitz anstreben, dafür dem Gegner aber permanent auf den Füßen zu stehen. In einer zähen Begegnung wurde fast ausschließlich Fußball gearbeitet.

Hunderte Zweikämpfe im Mittelfeld, viele Freistöße, viele Einwürfe hatten die Zuschauer zu ertragen. Aber auf beiden Seiten gab es nur wenig zusammenhängende Kombinationen, von einem gepflegten Passspiel war gar nichts zu sehen. Die Torwarte konnten sich kaum einmal auszeichnen.

Hertha-Schlussmann Thomas Kraft klärte einmal per Fußabwehr vor VfR-Stürmer Robert Lechleitner (20.). Und den einzig konstruktiven Spielzug der Gäste, einen Konter über den ansonsten unauffälligen Ronny, säbelte Ramos gleich diverse Meter am Aalener Tor vorbei (41.).

Überragender Mann war Lustenberger

Stark war der Einsatz bei Hertha. Durch die Bank nahm jeder die körperbetonte Spielweise des Außenseiters an. Überragender Mann auf dem Platz war Abwehrchef Fabian Lustenberger.

Und der Favorit trat mit dem Selbstbewusstsein seiner langen Serie auf. "Diese Spiele sind big points", sagte Kapitän Peter Niemeyer. "Wir haben immer an uns geglaubt. Nach so vielen ungeschlagenen Spielen wissen wir, dass wir immer zuschlagen können." Wieder einmal hob sich Hertha den entscheidenden Schlag für die Schlussviertelstunde auf. Um diese Qualität wissen alle Gegner.

In der 76. Minute gewann Ndjeng nach einem weiten Ball von Torwart Kraft an der Mittellinie das Kopfball-Duell, verlängerte den Ball auf den losspurtenden Ramos. Der rannte, von einem Verteidiger verfolgt, auf die Grundlinie zu, und legte den Ball im allerletzten Moment vorbei an VfR-Torwart Jasmin Fejzic zurück in die Mitte des Aalener Strafraums.

Ronny hatte einen schwachen Tag

Dort war Ndjeng gedankenschnell mitgelaufen und schob das Spielgerät ins Netz, 1:0 (76.). Ein gelungener Spielzug reichte dem Aufstiegsaspiranten für den Erfolg. "Wir haben gut gespielt", haderte Aalens Stürmer Lechleitner, "aber in solchen Situationen zeigt sich die Qualität von Hertha."

Aber noch war die Partie nicht entschieden. Aalen machte Druck und belagerte den Berliner Strafraum. Weder der eingewechselte Änis Ben-Hatira noch Sandro Wagner vermochten bei den Gästen für Entlastung zu sorgen.

Trainer Luhukay machte sich Sorgen und entschied sich beim letzten Wechsel für die defensive Variante, um den wertvollen Vorsprung über die Zeit zu bringen. Ronny runter, der Spielmacher hatte einen schwachen Tag erwischt, Defensivkraft Roman Hubnik rein (87.). Der VfR setzte alles auf eine Karte.

Die letzte Gelegenheit in der Nachspielzeit hatte der stürmende Torwart Fejzic, der am Hertha-Strafraum freigespielt wurde, aber keinen gefährlichen Schuss mehr hinbekam. Beim Schlusspfiff des sicher leitenden Schiedsrichters Christian Dingert rissen die Herthaner erleichtert die Arme hoch.

Hertha knapp hinter Braunschweig

Trainer Luhukay sagte: "Wir freuen uns sehr über den Sieg. Die Mannschaft musste mit viel Einsatz spielen. Fußballerisch war es schwer auf diesem Platz. Es war ein Geduldsspiel für uns." Ndjeng, der seinen vierten Saisontreffer erzielte, wusste das Geschehen auf der Ostalb einzuordnen: "Das war mehr Kampf als Glanz."

Ungeachtet der aktuellen spielerischen Defizite marschiert der Hauptstadt-Klub mit nun 49 Punkten im Gleichschritt mit Tabellenführer Eintracht Braunschweig (51). Beide Teams holten aus den drei Begegnungen dieses Jahres sieben Zähler. Verfolger 1. FC Kaiserslautern (38) tritt heute beim MSV Duisburg an.

Und gastiert am Montag dann in einer Woche zum Topspiel des 22. Spieltages bei Hertha im Olympiastadion.

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