11.02.13

Berliner Derby

Ronny bringt Hertha in letzter Minute den Ausgleich

Hertha BSC hat mit dem 2:2 gegen 1. FC Union den Sprung an die Tabellenspitze verpasst. Die Eisernen konnten sich um einen Platz verbessern.

Von Uwe Bremer, Jörn Meyn und Michael Färber
Foto: dpa

Kampf der Lokalhelden: Menschen strömen in Richtung Olympiastadion zum Derby.

6 Bilder

Ob Spieler oder Trainer: Wenn der erste Weg nach dem Abpfiff die Beteiligten zum Schiedsrichter führt, um ihm zu seiner Leistung zu gratulieren, hat meist niemand gewonnen. So geschah es im Eisschrank Olympiastadion.

Union-Trainer Uwe Neuhaus bedankte sich ebenso bei Spielleiter Florian Meyer wie Hertha-Kapitän Peter Niemeyer. 2:2 (0:1) war das Derby zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union ausgegangen.

Die Kulisse war großartig, 74.244 Zuschauer verfolgten die Partie im ausverkauften Olympiastadion. Das Zweitliga-Topspiel war zwar spannend, aber nicht hochklassig. Hertha verpasste mit dem Remis den Sprung auf Platz eins, ist aber seit mittlerweile 19 Spielen ungeschlagen. Union verpasste eine Sensation, die Köpenicker brachten ihre 2:0-Führung nicht über die Zeit.

Tor in XXL-Größe

Deutschland schaute auf Berlin. Die Fans in der Ostkurve hatten eine aufwendige Choreographie vorbereitet. Aus dem Inhalt von 2500 Sprühdosen war ein Brandenburger Tor in XXL-Größe auf ein Banner gesprüht worden, die Pferde der Quadriga wurden von einem Fahrer in Blau-Weiß gelenkt. Das Gemälde umrahmt von der Hoffnung: "Hertha, du ganz allein sollst der Stolz von Spreeathen sein".

Die Union-Fans fielen zu Beginn unangenehm auf mit dem Einsatz von Pyrotechnik – die fällige Strafe beim DFB wird Hertha BSC als Gastgeber bezahlen müssen. Die Mannschaft von Union präsentierte sich hellwach.

Kraft mit den Fingerspitzen am Ball

Die Gäste fuhren den ersten gefährlichen Angriff. Nach einer Flanke durch Björn Kopplin von rechts bekam Hertha-Torwart Thomas Kraft im letzten Moment die Fingerspitzen an den Ball vor dem einschussbereiten Simon Terodde (5.).

Union setzte nach. Und ging mit dem nächsten Versuch in Führung. Hertha-Verteidiger Peter Pekarik, erstmals nach vier Monaten eingesetzt, leistete sich vor dem Strafraum einen Querschläger. Im Anschluss wurde der Slowene von Torsten Mattuschka ausgetanzt, dessen Schuss parierte Kraft. Den Abpraller wollte Hertha-Verteidiger Felix Bastians wegköpfen, der Ball rutschte ihm aber über den Kopf. Simon Terodde jagte das Spielgerät volley aus vier Metern ins Netz, 0:1 (9.).

Levan Kobiashvili kommt für Felix Bastians

Hertha zeigte Wirkung. Seit fünf Monate hat die Mannschaft nicht mehr verloren. Sie versuchte sich zu beruhigen – bekam aber keinen Zugriff auf das Spiel. Union stand kompakt in der Defensive, ohne sich dabei einzuigeln. Und verlegte sich auf Konter. Den Hausherren blieb nur die Rolle, Breitband-Fußball zu spielen. Von der rechten Seite ging es auf die linke. Und wieder zurück.

Es dauerte bis zur 32. Minute, ehe es mal schnell zuging. Adrian Ramos spurtete auf der rechten Seite herunter, brachte eine präzise Flanke auf Sami Allagui. Doch freistehend aus neun Metern köpfte der Herthaner den Ball Union-Keeper Daniel Haas in die Arme.

Zur Pause wechselte Hertha-Trainer Jos Luhukay, brachte für den schwachen Felix Bastians dann Levan Kobiashvili.

Neuland für den Aufstiegsfavoriten

Der zweite Durchgang indessen begann wie der erste. Hertha rackerte, Union spielte. Im Anschluss an eine Ecke konnte Kapitän Mattuschka unbedrängt von der linken Seite flanken. Die Herthaner Niemeyer, Marcel Ndjeng und Ramos sprangen ins Leere, dafür köpfte Unions Adam Nemec aus sieben Metern unten rechts ein, das 0:2. Kraft trat wütend gegen den Pfosten, die Union-Fans feierten nun überschwänglich (48.).

Das war nun Neuland für den Aufstiegsfavoriten. Mit zwei Toren hatte Hertha in dieser Saison noch nie zurückgelegen. Mit Änis Ben-Hatira (59.) und Sandro Wagner (62.) kamen frische Offensivkräfte ins Spiel.

Vor allem jedoch warfen die Blau-Weißen eine Qualität in die Waagschale, die in dieser Liga noch immer Wirkung gezeigt hatte: ihre enorme Willensstärke. Spielerisch lief nach wie vor wenig zusammen.

Unverständlicher Wechsel

Aber Hertha drückte, die Gäste kamen kaum aus ihrer eigenen Hälfte. Und Hertha verfügt über die Waffe der Standardsituationen. Nach einer Ecke von Ronny köpfte Ramos den Ball wuchtig unter die Querlatte, 1:2 (73.).

Nun drängten die Hausherren vehement auf den Ausgleich. Unverständlich, dass Union-Trainer Uwe Neuhaus mit Terodde und Mattuschka seine Besten vorzeitig vom Feld holte.

So wiederholte sich die Geschichte des Hinspiels: Wie in der Alten Försterei holte Wagner 25 Meter vorm Union-Tor einen Freistoß heraus. Ronny, in Sprechchören vom Publikum angefeuert, behielt die Nerven.

Der Brasilianer zirkelte den Ball exakt über die Mauer, anschließend senkte er sich neben dem rechten Pfosten ins Tor, 2:2 (86.), das zwölfte Saisontor von Herthas Lebensversicherung.

Dabei blieb es. Ronny widmete das Tor seiner Familie: "Ich habe meiner Tochter Izabelly ein Tor versprochen." Stürmer Wagner jedoch war nicht zufrieden. "Die erste Hälfte war total schwach von uns. Union hat das gut gemacht. Trotzdem dürfen wir nicht 0:2 in Rückstand geraten. Am Ende müssen wir mit dem Punkt zufrieden sein."

Immer Hertha - lesen Sie im Blog der Berliner Morgenpost, wie das gesamte Spiel verlaufen ist.

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