10.02.13

Derby

Silvio und Ronny sind nur auf dem Platz Konkurrenten

Privat sind der Hertha- und der Union-Spieler eng befreundet. Ihr Geheimnis liegt darin, das Thema "Fußball" zu meiden.

Von Michael Färber
Foto: picture alliance / dpa

Silvio vom 1. FC Union ist nach einer Verletzung am Sprunggelenk rechtzeitig für das Derby gegen Hertha wieder fit
Silvio vom 1. FC Union ist nach einer Verletzung am Sprunggelenk rechtzeitig für das Derby gegen Hertha wieder fit

Ein Pokertisch in einem Haus in Eichwalde am Stadtrand von Berlin. Die Karten sind verteilt, man wartet auf die Einsätze. All-in oder doch eher passen? Unter dem Strich eine Entscheidung, die offenbar nicht wirklich etwas zum Spielausgang beiträgt, weder für Ronny noch für Silvio. "Es gewinnt ohnehin immer ein anderer Freund", sagt Silvio, "er hat uns schon alles weggenommen." Er lacht, als er davon erzählt. Für ihn ist es bereits stets ein Gewinn, wenn er mit seinen Landsleuten Zeit verbringen kann.

Silvio Carlos de Oliveira (28) und Ronny Heberson Furtado de Araújo (26) – beide Brasilianer, beide Fußballprofis, der eine beim 1. FC Union, der andere bei Hertha BSC. Und Freunde, seit sie sich vor rund eineinhalb Jahren erstmals in der deutschen Hauptstadt getroffen haben. Eine Freundschaft, die am Montagabend (20.15 Uhr, Sport1) zumindest 90 Minuten lang ruhen wird, wenn Silvios Unioner im Olympiastadion Ronnys Herthaner zur Stadtmeisterschaft herausfordern. Und wie es sich für Freunde gehört, werden sie sich bei aller sportlichen Rivalität "ganz normal begrüßen", wenn sie sich in der Arena begegnen, sagt Silvio.

Bei privaten Treffen ist das Thema "Fußball" tabu

Profi hin oder her, Brasilien ist rund 9700 Kilometer von Berlin entfernt. Da wird man sich doch wohl mal etwas nach dem von der Sonne verwöhnten Südamerika sehnen, erst recht, wenn es wie in diesen Tagen Minusgrade und Schneefall hat. Silvio legt die Karten auf den Tisch: "Wenn wir Poker spielen, vergisst man auch ein wenig, dass man in Deutschland ist und dass man Fußball spielt. Das tut dem Kopf schon gut", erzählt Silvio. Beide Profis sind verheiratet, haben jeweils zwei Kinder, da sind solche Treffen immer auch ein Stück Heimat. "Ab und zu vermisse ich Brasilien schon, genau wie meine Familie", erzählt Silvio: "Wenn wir zusammen sind, sprechen wir auch nicht nur über Fußball. Wir versuchen immer, Spaß zu haben."

Das gelingt offenbar gut, denn "Ronny ist ein total lustiger Typ", sagt Silvio. Herthas Brasilianer ist im Nordosten Brasiliens, in Fortaleza, geboren. "Die Menschen dort sind schon ein wenig lockerer, das ist eine andere Mentalität", erklärt Silvio. Er selbst erblickte im Süden des Landes, in Mandaguari, das Licht der Welt. "Er ist ein ruhiger Mensch", berichtet Ronny: "Er liebt es, viel Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Er hat sich in Deutschland sehr gut angepasst und spricht schon hervorragend Deutsch." Auch für Ronny sind die Treffen mit seinem Freund jene kleinen Oasen, in denen man auftanken kann: "Es ist toll, dass man sich weit weg von der Heimat mit Landsleuten treffen und unterhalten kann." Silvio selbst sei ein "toller Mensch".

Ronny soll Hertha wieder in die erste Liga führen

Erstmals aufeinander aufmerksam wurden die beiden bereits vor gut sieben Jahren. Silvio kickte damals für den Pelé-Klub FC Santos, Ronny für Cotinthians Sao Paulo. Klar, dass Gegnerbeobachtung da zur Tagesordnung zählte. Wobei Silvio bereits seit 2003 von Ronny wusste: "Ich habe ihn im Fernsehen gesehen, als er mit der brasilianischen U17 Weltmeister geworden ist." Es überrascht ihn auch keineswegs, dass Herthas Brasilianer eine überragende Saison beim Aufstiegsfavoriten spielt.

Mit elf Toren und neun Vorlagen führt Ronny die Scorerwertung der Zweiten Liga an. Immer wieder hört man von seinem Trainer Jos Luhukay den Satz: "Ronny hat heute den Unterschied ausgemacht." Keine Frage, der Mittelfeldspieler ist der Garant für die Rückkehr in die deutsche Eliteklasse. "Ich bin nicht überrascht, dass Ronny so eine gute Saison spielt", sagt Silvio. Es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, und "Trainer Luhukay hat ihm auch die nötigen Freiheiten gegeben", so Silvio. Es ist kein Geheimnis, dass Ronny richtig aufgeblüht ist, seitdem sein Bruder Raffael Hertha BSC im vergangenen Sommer verlassen hat.

Eine "hart umkämpfte Begegnung"

Ganz so erfolgreich verlief die Saison für Silvio (ein Tor, zwei Assists) bislang nicht. Immer wieder pendelte er zwischen Ersatzbank und Startelf, musste Simon Terodde und Adam Nemec im Angriff an sich vorbeiziehen lassen. Und als er in der Wintervorbereitung auf bestem Weg war, sich seinen Platz zurück zu erobern, setzte ihn eine Verletzung des Sprunggelenks außer Gefecht. Immerhin meldete er sich rechtzeitig für das Derby gegen Hertha fit. Union-Trainer Uwe Neuhaus stärkte ihm den Rücken: "Wenn er fit ist, werden wir schon Verwendung für ihn haben."

Dass Silvio nicht mehr Einsatzzeit bekommt, verwundert seinen Freund hingegen. "Er hat große Qualitäten, ist technisch und spielerisch stark und kann dank seiner körperlichen Robustheit den Ball sehr gut halten", sagt Ronny, dessen Freistoßqualitäten hinlänglich bekannt sind.

Wie der Montagabend verlaufen soll, weiß er auch nur zu genau. "Ich will mit Hertha als Sieger den Platz verlassen", sagt Ronny ohne Umschweife. Gewettet, wie die Partie im Olympiastadion enden wird, haben beide allerdings nicht. Ronny jedenfalls erwartet eine "hart umkämpfte Begegnung. Beide Teams befinden sich in einer sehr guten Verfassung."

Es dürfte klar sein, dass der Ausgang der Partie dennoch irgendwie Thema beim nächsten Treffen zwischen Silvio, Ronny und ihren Familien sein wird. Vermutlich in Silvios Haus in Eichwalde, bei einem Pokerspiel.

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