06.02.13

Test gegen U23

Hertha verpatzt die Generalprobe für das Derby

Erst verpasst der Trainer das Training, dann ärgert er sich, dass die Profis gegen den Nachwuchs verlieren. Nur zwei Spielern glänzen.

Von Uwe Bremer
Foto: picture alliance / dpa

Die Berliner Sandro Wagner (r.) und Alfredo Morales hatten wenig Grund zum Jubeln
Die Berliner Sandro Wagner (r.) und Alfredo Morales hatten wenig Grund zum Jubeln

Der Mittwoch hatte nicht gut begonnen für Jos Luhukay. Und mit dem Ende war er erst recht nicht zufrieden. "Ich bin enttäuscht", schüttelte der Trainer von Hertha BSC den Kopf. "da hat eine ganze Mannschaft die Chance, es besser zu machen als in der ersten Hälfte in Regensburg. Und es war wieder genau das gleiche."

Mit 0:2 (0:1) unterlag die B-Auswahl der Profis gegen die eigene U23. Die Tore für das Nachwuchsteams erzielten bei dem internen Testspiel Shervin Radjabali-Fardi (18.) und Omid Saberdest (83.).

Nicht nur das Resultat war für die Profis eine Schmach. Eigentlich wollten eine Reihe von ihnen Bewerbungsargumente liefern, dass sie fit genug seien, um am Montag beim Derby gegen den 1.FC Union zumindest im Kader zu stehen (20.15 Uhr, Olympiastadion). Zumal Peer Kluge (Bänderanriss) mutmaßlich ausfällt und Peter Niemeyer beim Vormittagstraining zeigte, dass der Kapitän nach einer Zehenprellung nach wie vor nicht rund läuft.

Luhukay mit defensivem Ansatz

Luhukay sucht also ein defensives Mittelfeld für das Prestigeduell. Erstaunlich, wie wenig bei dem Test von Marvin Knoll und Levan Kobiashvili zu sehen war, die im Profi-Team auf der sogenannten Doppel-Sechs spielten. Auch Hany Mukhtar war nicht recht im Spiel.

Auf der linken Abwehrseite offenbarte Felix Bastians mehrfache Probleme im Rückwärtsgang. Dennoch wird er gegen Union zum Einsatz kommen, Stammverteidiger Fabian Holland ist am kommenden Montag nach seiner fünften Gelben Karte gesperrt.

In der Innenverteidigung der Rückkehrer zeigte sich nach langer Pause Christoph Janker präsenter als Maik Franz, dem es nach viermonatiger Verletzungsunterbrechung nach wie vor an Timing für das Spielgeschehen fehlt. "Wir sind in der ersten Hälfte regelrecht überrannt worden", monierte Trainer Luhukay.

Pekarik meldet sich zurück

Es gab allerdings auch Lichtblicke. Peter Pekarik hatte es mit dem antrittsschnellen Nico Schulz zu tun. Doch der Slowake präsentierte sich in seiner ersten Partie nach dreimonatiger Verletzungspause so, wie er auch aufgehört hatte: Auf seiner Seite gab es kein Durchkommen. Und im Vorwärtsgang bediente Pekarik mehrfach Pierre-Michel Lasogga, der zu seinem großen Ärger aber jedes Mal an Torwart Sascha Burchert scheiterte.

Die Nachricht für Luhukay ist eine wichtige: Pekarik ist wieder da. Gut möglich, dass er am Montag im Ernstfall im Einsatz ist. Auch Lasogga und Sandro Wagner zeigten Ehrgeiz. Wagner zirkelte einen Freistoß an die Latte (39.), Änis Ben-Hatira traf den Pfosten (58.).

Für Herthas Problem auf der Doppel-Sechs zeichnet sich eine gänzlich unerwartete Lösung ab. Nach einem dreiwöchigen Lehrgang bei US-Nationaltrainer Jürgen Klinsmann (samt A-Länderspiel-Debüt gegen Kanada) wirkte erstmals in diesem Jahr Alfredo Morales (22) bei der U23 mit. Der Allrounder war bei den Profis eigentlich abgeschrieben, in der Hinrunde kam er auf exakt null Zweitliga-Minuten – doch die Dienstreise in die Vereinigten Staaten scheint ihm gut getan zu haben.

Morales bester Mann auf dem Platz

Am Mittwoch glänzte Morales nach Belieben. Mit sauberer Technik, sachlichen Pässen, Antrittsschnelligkeit und einer beinahe fehlerlosen Partie lenkte er das Spiel. "Alfredo war der beste Mann auf dem Platz", sagte Luhukay.

Der Trainer hat schon mehrfach in dieser Saison den Mut zu unkonventionellen Lösungen bewiesen, etwa mit dem regelmäßigen Einsatzes des 17-Jährigen Hany Mukhtar. Ein Morales in dieser Verfassung ist eine erste Alternative, sollte Kluge, der im Derby unbedingt spielen will, ausfallen.

Luhukay war dennoch genervt, auch wegen des Vormittages. Da hatte die derzeitige A-Elf trainiert – und es war zugegangen wie bei einem Treffen der Kesselflicker.

Viel Härte im Training

Im Zwei-Minuten-Takt wälzten sich Spieler am Boden, weil sie von Kollegen hart angegangen worden waren: Roman Hubnik trat Ronny um, Peter Niemeyer grätschte Ben Sahar ab, Fabian Lustenberger keilte gegen Hubnik aus, Holland schoss Torwart Thomas Kraft den Ball aus Nahdistanz auf den Kehlkopf – Physiotherapeut Jörg Blüthmann war der am meisten beschäftigte Mann auf dem Schenkendorffplatz.

Und der Trainer war nicht dabei. Denn Jos Luhukay verbrachte den Morgen nach einem Kurzbesuch bei der Familie in Venlo auf dem Rollfeld des Düsseldorfer Flughafens. Doch im Schneechaos des Westens gab es keine Starterlaubnis, der Flieger rollte ans Gate zurück.

Luhukay, ein ausgewiesener Anhänger von Disziplin und Pünktlichkeit, vertraute sich Herthas Hauptsponsor an, der Deutschen Bahn. Allerdings traf erst gegen 13 Uhr in der Hauptstadt ein.

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