06.02.2013, 07:54

Prestigeduell Hertha ist auf der Suche nach seinem Herzstück


Herthas Marcel Ndjeng half zuletzt als Veteidiger aus

Foto: Soeren Stache / picture alliance / dpa

Herthas Marcel Ndjeng half zuletzt als Veteidiger aus Foto: Soeren Stache / picture alliance / dpa

Von Uwe Bremer

Nach dem Ausfall von Kluge bewerben sich mehrere Spieler um die Besetzung der Doppel-Sechs. Vor dem Derby geht es gegen die eigene U23.

Länderspiele, Europacupspiele, Ligaspiele, Pokalspiele, Freundschaftsspiele – der Rangordnung eines Fußball-Profis stehen interne Testspiele am unteren Ende der Wichtigkeitsskala. Doch wenn am Mittwochnachmittag Hertha BSC unter Ausschluss der Öffentlichkeit gegen die eigene U23 antritt, ist der Einsatz hoch.

Für Trainer Jos Luhukay geht es in der Woche vor dem Prestigeduell gegen den 1. FC Union darum (Montag, 20.15 Uhr), eine starke Aufstellung zu finden. Die Partie am 21. Spieltag der Zweiten Liga ist ein absoluter Höhepunkt. Das Olympiastadion wird mit 74.244 Besuchern ausverkauft sein.

Dazu überträgt das Fernsehen live – Fußball-Deutschland schaut nach Berlin. Da passt es gar nicht, dass Hertha zum Derby die Besatzung auf der Doppel-Sechs sucht, also dem Herzstück der Mannschaft. Peer Kluge (32) wird wegen eines Bänderanrisses am Knöchel mutmaßlich ausfallen.

Die Lösung liegt bei Peter Pekarik

Dazu quält sich Peter Niemeyer (29) zwei Wochen nach seiner Zehenprellung, die er sich im Trainingslager in der Türkei zugezogen hat. Beim 5:1 in Regensburg musste der Kapitän bereits passen. Niemeyer läuft viel und intensiv, aber der Schritt vom Jogging- in den Fußballschuh verursacht noch Schmerzen. Niemeyer sagt: "Es wird nur langsam besser."

Luhukay muss sich mit allen Szenarien befassen. Wie sieht eine Aufstellung ohne Niemeyer und Kluge aus? Einer der Schlüssel zur Lösung liegt, auch wenn es sich etwas kurios anhört, bei Rechtsverteidiger Peter Pekarik. Was der Trainer heute sehen will: Ist Pekarik einsatzfähig? Nach drei Monaten Pause wegen einer Schulteroperation wirkt Pekarik körperlich fit. Aber was ist mit Spielrhythmus, Ballgefühl oder dem Timing im Zweikampf?

Im Idealfall fordert Luhukay, dass seine Profis nach einer Verletzung sechs Wochen am Trainingsbetrieb teilnehmen. Pekarik kann aber erst seit 16 Tagen mit dem Team trainieren. Angenommen, Pekarik wäre dennoch soweit, gewinnt Hertha damit die Option Marcel Ndjeng. Der hat als rechter Verteidiger auf der Pekarik-Position ausgeholfen. Ndjeng ist ein vielseitiger Profi.

Nicht zufällig arbeitet Luhukay derzeit beim vierten Verein mit ihm zusammen. Ndjengs Stammposition ist die Außenbahn im rechten Mittelfeld. Er bringt aber auch die Übersicht und Technik mit, um Kluge im Zentrum zu ersetzen. Luhukay hat Ndjeng auf dieser Position bereits gegen Ingolstadt (0:0) eingesetzt.

Kandidat für das Herzstück ist auch Levan Kobiashvili

Roman Hubnik hat sich, auch wenn der Trainer nach der Regensburg-Partie lobende Worte für den Tschechen fand, nicht als Vertreter von Niemeyer empfohlen. Der Einsatz bei Hubnik hat gestimmt, aber fußballerische Defizite für diese anspruchsvolle Position waren selbst gegen den Liga-Letzten beim gelernten Innenverteidiger nicht zu übersehen.

Ein weiterer Kandidat für das Herzstück auf der Doppelsechs ist Levan Kobiashvili. Auch der Georgier wird sich heute gegen die U23 vehement bemühen, einen guten Eindruck zu machen. Aber bei ihm stellt sich die gleiche Frage wie bei Pekarik: Wie ist es bei dem 100maligen Nationalspieler um Dynamik und Spielfähigkeit bestellt? In der Vorwoche gegen Regensburg hatte Luhukay diese Frage so beantwortet, dass er Kobiashvili nach achtmonatiger Pause wegen einer Sperre des Deutschen Fußball-Bundes seinen Routinier nicht mal für das 18er-Aufgebot nominierte.

Weitere Kandidaten für die Doppel-Sechs sind Marvin Knoll (22) und Hany Mukhtar (17). Allerdings haben beide Spieler diese Position noch nicht in einem Wettkampfspiel bekleidet. Außerdem wollen sich heute für die Derby-Teilnahme empfehlen die Rückkehrer Pierre-Michel Lasogga, Änis Ben-Hatira sowie Maik Franz. Und Niemeyer? Der Rekonvaleszent schaut von Tag zu Tag. Ob er beim Test dabei sein kann, "entscheiden wir nach dem Training am Vormittag."

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