05.02.13

Zweite Liga

Ronny ist für Hertha BSC zum neuen Raffael geworden

Anfangs wurde Ronny bei Hertha nicht viel zugetraut. Inzwischen ist der Brasilianer größter Hoffnungsträger für den Wiederaufstieg.

Von Jörn Meyn
Foto: picture alliance/Annegret Hils

Der Brasilianer Ronny (M., Nummer 12) ist mit elf Toren und neun Vorlagen an knapp der Hälfte aller Hertha-Treffer der Saison direkt beteiligt
Der Brasilianer Ronny (M., Nummer 12) ist mit elf Toren und neun Vorlagen an knapp der Hälfte aller Hertha-Treffer der Saison direkt beteiligt

Dass Laufen am frühen Morgen nicht gerade zu Ronnys Lieblingsbeschäftigungen gehört, konnte man am Montag auf dem Schenckendorffplatz beobachten. Ein kalter Nieselregen peitschte Herthas Spielmacher ins Gesicht, als dieser mit griesgrämiger Miene und ein wenig lustlos seinen Kollegen hinterher trottete.

Nur einen Tag zuvor hatte der Brasilianer freilich ein ganz anderes Bild abgegeben: Beim 5:1-Auftakterfolg gegen Jahn Regensburg war Ronny vielmehr vorweggegangen, hatte die Berliner nach einer erschreckend schwachen ersten Halbzeit mit zwei Treffern und zwei Vorlagen fast im Alleingang zum Sieg gegen den Tabellenletzten der Zweiten Liga geführt und danach von allen Seiten Lob eingeheimst.

"Ich bin natürlich sehr glücklich. Mir haben viele gratuliert", sagte Ronny, nachdem sein Trainer Jos Luhukay endlich Erbarmen hatte und die erste Elf zum Duschen schickte.

15 Punkte würden fehlen

Auch von seinem älteren Bruder Raffael gab es eine SMS. Dieser spielt mittlerweile bei Schalke 04 in der Bundesliga, und nicht wenige bei Hertha hatten vor Saisonbeginn befürchtet, dass die Lücke, die Raffael mit seinem Abgang nach vier Jahren bei den Blau-Weißen hinterlassen hatte, nicht zu stopfen sei.

Doch allerspätestens durch die Eindrücke vom Sonntag dürfte auch dem Letzten in der Hauptstadt klar geworden sein, dass Ronny der neue Raffael ist. Der 26-Jährige hat sich seit dem Klubwechsel seines Bruders zu Herthas Aufstiegsgarant gemausert. Mit nunmehr elf Toren und neun Vorlagen hat sich Ronny nicht nur an die Spitze der Scorerliste der Zweiten Liga gesetzt. Er ist damit auch an knapp der Hälfte aller Hertha-Treffer (41) in der aktuellen Spielzeit direkt beteiligt.

Ein Luhukay-Zitat, das sich durch die Berichterstattung der Saison zieht, fiel auch in Regensburg wieder einmal: "Ronny hat absolut den Unterschied ausgemacht", sagte der Niederländer. Wie recht er mit dieser Einschätzung hat, belegen folgende Zahlen: Insgesamt zehn Partien hat Ronny, den seine Teamkollegen liebevoll "Amigo" rufen, mit einem entscheidenden Tor beziehungsweise einer Vorlage zum Unentschieden oder Sieg für Hertha gewendet. Zöge man diese spielentscheidenden Aktionen des Kreativakteurs ab, fehlten Hertha ganze 15 Punkte auf dem Konto, und die Berliner stünden lediglich auf Tabellenplatz vier.

Es drohte schon eine Ausleihe nach Brasilien

Ronny ist immer dann Herthas Trumpf, wenn den Berlinern, wie in Regensburg, wenig gelingt. So war es zum Saisonauftakt gegen Paderborn (2:2), als der Spielmacher nach seiner Einwechslung durch ein Tor und einen Assist die Niederlage verhinderte. So war es zuletzt auch gegen den FSV Frankfurt zum Jahresende (2:1), als Ronny wiederum durch eine Vorlage und einen eigenen Treffer binnen zwei Minuten eine fast schon verloren geglaubte Partie für Hertha entschied.

Dass Ronny plötzlich zum prägenden Element im Spiel der Hauptstädter werden würde, hatte wohl kaum jemand bei Hertha erwartet. Im Sommer stand der Brasilianer schon kurz vor einer Ausleihe zu Atlético Mineiro in seine Heimat, weil er in zwei Jahren in Berlin zwar immer als ausgezeichneter Fußballer, aber eben auch als "schlampiges Genie" galt, das keinen der Trainer nachhaltig von sich überzeugen konnte.

Gespräche über Vertragsverlängerung Anfang März

Unter Luhukay hat sich das allerdings geändert. Der 49-Jährige hat für Ronny das geplante 4-4-2-System mit zwei Stürmern in ein 4-2-3-1 mit Ronny als freiem Spielgestalter modifiziert und hält auch weiterhin an dieser Variante fest, obwohl er jetzt über vier Angreifer mit Erstligaformat verfügt. Doch nicht nur beim Trainer, auch in der Mannschaft hat Ronny sich mittlerweile Respekt verschafft: "Er ist unglaublich", lobte Abwehrchef Fabian Lustenberger. "Wir sind froh, dass wir ihn haben. Wenn er weiter solche Leistungen bringt, dann wünsche ich mir, dass er noch lange bei uns bleibt."

Doch genau das ist noch offen: Ronnys Vertrag läuft am Saisonende aus, und man könnte meinen, dass Herthas Manager Michael Preetz aufgrund der starken Auftritte die Konkurrenz im Werben um Ronny fürchten müsste. Dessen Berater Dino Lamberti aber sagt: "Bei Hertha hat Ronny den richtigen Trainer, die Fans lieben ihn, und er ist glücklich. Darüber hinaus stand auch Herr Preetz immer zu ihm. Das haben wir nicht vergessen. Es wäre nicht geschickt, wenn Ronny jetzt weggehen würde." Die Vertragsverhandlungen im Januar musste Lamberti zwar noch krankheitsbedingt absagen, doch Gespräche sind geplant: "Wir wollen das in Ruhe angehen. Voraussichtlich in drei, vier Wochen setzen wir uns zusammen."

Preetz erwartet, dass die Konkurrenz mitbietet

Dass es auch andere Interessenten an Ronny geben wird, davon ist Preetz überzeugt: "Das gehört dazu. Aber wir sind im Austausch, wollen mit ihm verlängern, und ich denke, dass es gute Gründe für ihn gibt, bei uns zu bleiben." Herthas Hauptargument ist Jos Luhukay: "Er ist sicherlich unser Trumpf, denn beide haben eine wunderbare Ebene miteinander gefunden", so der Manager, der darüber hinaus wohl auch eine kräftige Gehaltserhöhung für Ronny anbieten muss.

Dieser hat sich vorgenommen, in den verbleibenden 14 Saisonspielen noch mehr Tore zu erzielen. Die Torjägerkanone sei zwar nicht das Ziel, so Ronny. Aber vielleicht gelingt ihm im Stadtderby gegen den 1. FC Union am Montag ja wieder ein Treffer. So wie im Hinspiel. Auch da war Ronny der entscheidende Unterschied.

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