29.01.13

Zweite Liga

Kluge ist auch ohne viele Worte Herthas heimlicher Anführer

Peer Kluge hat sich bei den Berlinern zu einem der wichtigsten Spieler entwickelt. Dabei lässt der 32-Jährige am liebsten Taten sprechen.

Von Jörn Meyn
Foto: pa/dpa

Hertha-Trainer Jos Luhukay weiß sehr gut, was er an Peer Kluge (l.) hat
Hertha-Trainer Jos Luhukay weiß sehr gut, was er an Peer Kluge (l.) hat

Ein Wort taucht immer wieder auf, wenn Peer Kluge über Peer Kluge spricht: normal. Als normal würde Herthas Mittelfeldspieler seine Rolle im Team des Berliner Zweitligaklubs beschreiben – "so wie alle anderen Spieler auch".

Normal auch sei das Verhältnis, das er zu Herthas Cheftrainer Jos Luhukay habe, mit dem er 2007 bereits ein halbes Jahr lang bei Borussia Mönchengladbach zusammengearbeitet hatte. Und der ihn im vergangenen Sommer, als Kluge seinen Vertrag mit Schalke 04 auflöste, unbedingt verpflichten wollte. "Ich", sagt Kluge und schaut dabei Halt suchend auf den Boden, "bin ein ganz normaler Spieler – nicht besser oder schlechter als die anderen."

Es ist genau diese Bescheidenheit, die den Menschen Peer Kluge ausmacht, und die gleichermaßen dem gegenübersteht, was den 32-Jährigen auf dem Fußballplatz auszeichnet. Denn der gebürtige Sachse ist keineswegs ein ganz normaler Spieler – nicht für Hertha BSC und schon gar nicht in der Zweiten Bundesliga.

Vielmehr hat sich Kluge seit seiner Verpflichtung vor knapp sieben Monaten zum Schlüsselspieler entwickelt. Gemeinsam mit Kapitän Peter Niemeyer bildet er auf der sogenannten "Doppelsechs" im defensiven Mittelfeld das lauf- und zweikampfstarke Herzstück. Mit seiner Passgenauigkeit und Übersicht sorgt Kluge zudem für den Spielaufbau der Blau-Weißen.

Bei Niederlagen nicht dabei

Mit Kluge auf dem Feld (16 Einsätze) hat Hertha noch kein Spiel verloren – bei den zwei Saison-Niederlagen gegen den FSV Frankfurt und im DFB-Pokal gegen Wormatia Worms fehlte er. Luhukay nennt ihn seinen "Umschaltspieler".

Er ist also derjenige, der bei Ballgewinn aus dem Mittelfeld als Erster nach vorn geht, während Niemeyer nach hinten absichert. Welche Ausnahmerolle Kluge (zwei Tore, vier Vorlagen) in der Zweiten Liga einnimmt, zeigt eine Wahl des "Kicker", der ihn gerade zum besten defensiven Mittelfeldspieler der Hinrunde gekürt hat. "Peer ist eine unserer Neuverpflichtungen, über die wir ganz besonders glücklich sind", sagt daher auch Herthas Manager Michael Preetz, der Kluge vor Beginn der aktuellen Saison trotz anderer Angebote aus der Bundesliga nach Berlin locken konnte. "Er ist mit seiner Erfahrung und Übersicht unglaublich wichtig für die Mannschaft."

Doch so dominant der erfahrene Kluge (218 Erstligaspiele, 86 Zweitligapartien) auch nach innen dem Spiel der Herthaner seinen Stempel aufgedrückt hat, so wenig ist er nach außen Wortführer. Als Luhukay im Sommer seinen Kapitän ernennen wollte, standen Kluge und Niemeyer in der engeren Auswahl, und es hätte kaum jemanden überrascht, wäre die Wahl auf den DFB-Pokalsieger von 2011 gefallen.

Doch wie so oft in der Karriere des Peer Kluge wurde ihm letztlich nur die Ehre des Vizekapitäns zuteil. Es ärgerte ihn keineswegs, im Gegenteil: "Ich habe dem Trainer gesagt, dass ich froh bin, dass er sich für Peter entschieden hat. Ich bin eher ruhiger. Das ist mein Naturell." Kluge genießt es, ein Hinterbänkler zu sein, der seiner Arbeit mit Fleiß und Gewissenhaftigkeit nachgeht, den Platz im Rampenlicht aber lieber anderen überlässt: "Ich bin eher der Zuarbeiter, der nicht an vorderster Front steht."

Erzogen von Hans Meyer

Luhukay sieht in dieser Zurückhaltung keinen Makel: "Peer ist kein Lautsprecher. Aber er ist ein Typ, der Fußball lebt. Er arbeitet unglaublich fleißig und ist ein guter Teamspieler. Er muss seine Qualitäten nicht verleugnen", so der Niederländer, der seit seinem Amtsantritt im Sommer immer wieder die Wichtigkeit des Kollektivs betont hat. Kluge, sagt der 49-Jährige, vermische Komponenten, "die uns sehr gut tun. Das haben wir ja in den vergangenen Monaten deutlich gesehen".

Zwei dieser Komponenten sind Ehrgeiz und Bodenständigkeit. René Adler, Torwart des Hamburger SV und wie Kluge in der DDR geboren, hat diese Eigenschaften gepaart mit Härte gegen sich selbst einmal als "Ostdenken" beschrieben. Auch Kluge sieht darin ein Relikt aus seiner Kindheit. Auf seine Zurückhaltung angesprochen sagt er: "Ich glaube, das kommt aus meiner Erziehung im Osten." Alle seine Trainer und besonders sein langjähriger Förderer Hans Meyer hätten Wert auf Teamgeist und Disziplin gelegt, und das habe bedeutet, dass man sich auch unterordnen können musste. "Das", sagt Kluge "hat mich geprägt, und das versuche ich den anderen auch mitzugeben."

Anfangs Probleme mit den forschen jungen Berlinern

Das ist vielleicht auch der Grund, warum Peer Kluge zu Beginn seiner Zeit in Berlin erst einmal Schwierigkeiten mit dem forschen und selbstbewussten Auftreten der jungen Spieler bei Hertha hatte: "Ich kenne das einfach anders. Ich komme aus einer anderen Fußballergeneration", sagt Kluge, der sich mittlerweile aber "so schnell wie noch nirgendwo zuvor" in der Mannschaft eingelebt habe.

Doch Hertha sei auch deswegen so erfolgreich in dieser Saison, weil die Youngster gelernt haben, "dass sie weiterkommen, wenn sie hart arbeiten und bei der Sache sind", so der Mittelfeldspieler. Zusammen mit individueller Klasse und mannschaftlicher Geschlossenheit sei das der Schlüssel zum Erfolg gewesen.

Doch vor dem Auftakt in die zweite Saisonhälfte gegen Tabellenschlusslicht Jahn Regensburg am Sonntag warnt Kluge vor Überheblichkeit: "Wir müssen uns klar machen, dass wir noch 15 sehr schwere Spiele vor der Brust haben." Noch sei nichts gewonnen und niemand habe Grund, voreilig zufrieden zu sein. "Es ist jetzt wieder eine Frage des Charakters, da weiterzumachen, wo wir aufgehört haben", sagt Peer Kluge. Charakter, damit meint er vor allem harte Arbeit. Und die sei natürlich "ganz normal".

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