27.01.13

Zwischenbilanz

Hertha-Trainer Luhukay - "Wir fangen wieder bei Null an"

Nach dem harten Trainingslager in der Türkei zieht Hertha-Trainer Jos Luhukay erste Bilanz. Am 3. Februar beginnt die zweite Saisonhälfte.

Von Jörn Meyn
Foto: picture alliance / dpa

Das Training in der Türkei habe vor allem den Zusammenhalt im Team gestärkt, sagt Trainer Jos Luhukay
Das Training in der Türkei habe vor allem den Zusammenhalt im Team gestärkt, sagt Trainer Jos Luhukay

Kurz vor Ende dieses Interviews schaut Jos Luhukay nervös auf die Uhr. Hinter Herthas Cheftrainer gehen bereits die Spieler zum Essen im Mannschaftshotel an der türkischen Riviera und Luhukay will nicht zu spät kommen. Der Niederländer verlangt Disziplin von seinen Profis und will ihnen diese auch unbedingt vorleben. Eine Woche lang war Luhukay von früh bis spät mit seiner Mannschaft zusammen, die sich bei milden 16 Grad in der Türkei auf den Start der zweiten Saisonhälfte gegen Jahn Regensburg am 3. Februar vorbereitet hat.

Berliner Morgenpost: Herr Luhukay, wie fällt Ihr Fazit nach einer Woche Trainingslager aus?

Jos Luhukay: Ich ziehe ein sehr positives Fazit. Als Team haben wir hier eine gute Harmonie und Geschlossenheit gezeigt. Ich glaube, dass uns diese Woche sehr gut getan hat. Im Trainingslager ging es natürlich einerseits um die Trainingsarbeit, aber andererseits auch um den Zusammenhalt, um die Weiterentwicklung der Mannschaft und vor allem ging es auch darum, die verletzten Spieler zu integrieren. Dazu waren die Rahmenbedingungen sensationell. Ich habe das hier auch als Mensch sehr genossen.

Eigentlich sind Sie ja kein Fan von Wintertrainingslagern.

Ja, das stimmt. In den letzten drei Jahren bin ich mit Augsburg immer zu Hause geblieben. Aber bei den Minusgraden in Berlin hätten wir nicht so gut arbeiten können wie hier.

Sie haben den Fokus besonders auf das Angriffsspiel in den letzten 30 Metern vor dem Tor gelegt. Warum?

In der Defensive hatten wir in vergangenen Monaten eine große Stabilität. Der Gewinn in dieser Woche ist, so hoffe ich, dass wir in der Rückrunde in der Hälfte des Gegners noch dominanter werden, dass wir noch mehr Druck ausüben können und uns noch mehr Möglichkeiten kreieren. Die meisten Gegner stehen sehr tief gegen uns, da brauchen wir technische Fähigkeiten auf höchstem Niveau. Da brauchen wir besonders in der Endzone Lösungen. Da streben wir nach Perfektion. Das ist mein Antrieb, auch wenn wir das wahrscheinlich nicht erreichen werden. Der perfekte Fußball ist selbst für Barcelona schwierig. Dennoch wollen wir uns nicht mit dem Erreichten zufrieden geben. Wir wollen noch stärker werden.

Sie haben die Integration der Rückkehrer als ein wichtiges Ziel im Trainingslager angesprochen. Welchen Eindruck haben sie auf Sie gemacht?

Die Jungs waren lange nicht dabei. Sie brauchten und brauchen Zeit, um sich wieder zurück in die Mannschaft hinein zu fühlen und haben hier hart an sich gearbeitet. Das ging in Belek einen Tick schneller als es vielleicht in Berlin gegangen wäre.

Sie haben von den Rückkehrern, die wie Änis Ben-Hatira und Pierre-Michel Lasogga früh schon gesagt haben, schnell wieder in der ersten Elf stehen zu wollen, Geduld gefordert. Sind sie nun geduldig?

Jetzt ist das noch nicht so sehr das Problem. Jetzt sind die Jungs noch nicht in Bestform. Wenn die Rückrunde beginnt, werden wir sehen, inwieweit sie sich gedulden können. Die Spieler wollen, sie sind engagiert und zielstrebig. Aber ich habe nicht nur elf Spieler, sondern einen Kader von 26 Profis. Und man darf nicht vergessen, dass wir in den letzten Monaten sehr erfolgreich waren. Mit den Rückkehrern erhöhen wir die Qualität. Aber jetzt müssen sie sich noch unterordnen.

Mit den Rückkehrern steigt auch der Konkurrenzkampf im Team. Wie moderieren Sie diesen?

Indem ich offen und viel mit meinen Spielern spreche. Wichtig für die Jungs ist es doch jetzt, hart an sich zu arbeiten. Sie müssen gar nicht so viel reden, sie müssen jeden Tag im Training präsent sein, um wieder in Topform zu kommen. Den Zeitpunkt, wann genau die Spieler wieder in den Kader rücken, entscheiden wir sehr behutsam.

Viele von Ihren Profis haben gesagt, dass sie selten so eine gute Stimmung innerhalb der Mannschaft erlebt haben wie derzeit. Wie ist das gelungen?

Das liegt nicht an mir. Das liegt vor allem an der Mannschaft selbst. Wir haben dafür in der Rückrunde eine Basis gelegt, indem wir sehr erfolgreich gespielt haben. Das hebt natürlich die Stimmung. Darüber hinaus glaube ich, dass die Mannschaft sich über gute Leistungen wieder etwas Anerkennung bei den Fans zurückerarbeitet hat. Das geht aber nur über Mentalität. Man muss sehen, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, dann kann jeder einzelne vielleicht auch etwas über sich hinauswachsen. Wir haben mit John Anthony Brooks und Fabian Holland ja auch Beispiele von Profis, die es in die erste Elf geschafft haben, obwohl das vorher nicht abzusehen war.

Ein Spieler, der im Trainingslager überraschend auffällig war, ist Hany Mukhtar. Wie sehen Sie seine Entwicklung?

Hany ist erst 17 Jahre alt und hat daher noch Höhen und Tiefen. Manchmal spielt er schon hervorragend, manchmal aber gibt es auch noch Schatten. Ich war selbst 17, als ich in der Zweiten Liga in den Niederlanden gespielt habe und kann mich daher gut in ihn hinein versetzen. Ich weiß, dass es normal ist, in dem Alter noch nicht konstant zu sein. Aber fest steht, dass er eine hohe Qualität besitzt.

Ihr Team ist im Sommer holprig in die Saison gestartet. Warum passiert Ihnen das jetzt zu Beginn der zweiten Saisonhälfte nicht erneut?

Das kann man natürlich nie wissen. Aber wir haben jetzt nicht mehr die Probleme wie zu Saisonbeginn, als die Spieler erst einmal den Abstieg verarbeiten mussten, und manche uns durch Sperren oder Verletzungen gefehlt haben. Dadurch war die Vorbereitung nicht ideal. Jetzt ist das kein Vergleich mehr.

In der Hinrunde haben Sie zwei Etappenziele genannt: ab Oktober schwer zu schlagen sein zu wollen und Platz eins bis Weihnachten zu erreichen. Welches Zwischenziel geben Sie jetzt aus?

Das behalte ich noch für mich. Jetzt müssen wir erst einmal gut in die Rückrunde starten. Dann, im Laufe der Meisterschaft, kommen bestimmte Situationen, in denen ich einspringen werde. Ich möchte jetzt keine große Sprüche klopfen. Ich möchte, dass die Mannschaft auf dem Platz Taten sprechen lässt. Dann werden wir den Aufstieg auch schaffen.

Würden Sie sagen, dass Sie ein Aufstiegstrainer sind? Es ist Ihnen mit Mönchengladbach und Augsburg ja bereits zweimal gelungen.

Ich habe nichts dagegen, wenn das von mir gesagt wird, denn es ist auch eine Bestätigung der harten Arbeit. Aber wenn es erneut klappen sollte, habe ich es nicht allein geschafft, sondern wir alle gemeinsam.

In Regensburg begann im Sommer Herthas Serie aus 17 Spielen ohne Niederlage. Wie wichtig ist es, diese Serie jetzt auch dort weiterzuführen?

Wir müssen jetzt nicht mehr über die Serie sprechen. Wir kommen aus der Winterpause und fangen wieder bei Null an. Wir setzen uns jetzt neue Herausforderungen. Wir müssen das, was gut war, beibehalten und das, was noch nicht so gut war, verbessern. Wenn wir weiter alles dafür geben, erfolgreich zu sein, habe ich ein ruhiges Gewissen.

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