24.01.13

Hertha BSC

Hertha-Torwart Thomas Kraft kann einfach nicht verlieren

Torhüter Kraft ärgert sich über jedes Gegentor. Seine Willensstärke hat ihn zum aktuell besten Torhüter der Zweiten Liga gemacht.

Von Jörn Meyn
Foto: PA/INSIDE-PICTUR

Sicherer Rückhalt: Mit nur acht Gegentoren in 15 Einsätzen ist der Berliner Thomas Kraft derzeit der beste Torwart der Zweiten Liga
Sicherer Rückhalt: Mit nur acht Gegentoren in 15 Einsätzen ist der Berliner Thomas Kraft derzeit der beste Torwart der Zweiten Liga

Torhüter sind die Ehrgeizlinge unter den Fußballprofis, sagt man. Und bei Herthas Stammtorwart Thomas Kraft ist das kaum anders. Der 24-Jährige, der bei Bayern München ausgebildet wurde und 2011 ablösefrei nach Berlin gewechselt war, gilt als einer der Antreiber im Team der Blau-Weißen. Mit nur acht Gegentoren in 15 Einsätzen ist Kraft, der die ersten vier Partien wegen einer Sperre verpasst hatte, derzeit bester Torwart der Zweiten Liga. Die Berliner Morgenpost sprach mit Kraft im Trainingslager in Belek (Türkei).

Berliner Morgenpost: Herr Kraft, im Training hört man Sie des Öfteren lautstark fluchen, wenn ein Ball an Ihnen vorbei ins Tor geht. Sind Sie zu ehrgeizig?

Thomas Kraft: Ich habe mittlerweile gelernt, meinen Ehrgeiz so in Maßen zu halten, dass er mich stetig besser macht und mir nicht im Weg steht. Oft sind das ja Bälle, die ich fast schon gehabt hätte. Das ärgert mich dann eben, auch im Training.

Es heißt, Sie verlieren nicht besonders gern.

Ich kann nicht nur im Fußball nicht verlieren, sondern in keinem Spiel, zum Beispiel bei Gesellschaftsspielen mit Freunden. Wenn ich da verliere, merkt man mir das schon an. Aber im Privaten bin ich dann nicht so unangenehm, wie auf dem Platz.

Warum hat man den Eindruck, dass besonders Torhüter schlechte Verlierer sind?

Als Torhüter steht man eben ein bisschen mehr im Mittelpunkt. Hinter mir ist keiner mehr, der meine Fehler ausbügeln kann. Deswegen ist man als Torhüter vielleicht auch etwas mehr noch Einzelkämpfer. Das heißt aber dennoch, dass ich Niederlagen akzeptieren kann.

Muss man als Torwart ein bisschen verrückt sein?

Sich von Beginn ins Tor zu stellen, war für mich nie etwas Verrücktes. Du stehst als Torwart immer im Blickpunkt. Das tut sich ja nicht jeder an.

Wie wichtig ist Willensstärke für Sie?

Für mich ist das extrem wichtig. Nur das macht mich letztlich besser. Aber es ist auch nur eine Komponente von vielen.

Kann man Willensstärke trainieren?

Man kann daran arbeiten, aber ich glaube, dass man das irgendwie auch in sich haben muss. Ich würde von mir sagen, dass ich immer schon sehr willensstark war.

Wie entspannen Sie sich? Sie sollen ja ein großer Hundefreund sein.

Mit den Hunden spazieren zu gehen, ist für mich eine gute Gelegenheit, den Kopf vom Fußball frei zu kriegen. Eigentlich kann ich das ziemlich gut, wenn ich zu Hause bei meiner Frau oder bei meinen Freunden bin. Den Fußball ordne ich meiner Familie immer unter. Ich versuche, möglichst wenig von dem, was auf dem Platz passiert, mit nach Hause zu nehmen.

Das gelingt Ihnen?

Ja. Gerade aus der Zeit, in der ich nicht auf dem Platz stehe, ziehe ich neue Energie. Es ist auch wichtig, sich mit dem normalen Dingen des Lebens zu beschäftigen.

Am Freitag steht das letzte Testspiel gegen Sturm Graz an. Können Sie diesen Tests etwas abgewinnen?

Testspiele gehören dazu, man benötigt sie, um in die richtige Verfassung zu kommen. Aber letztlich bin ich ein Wettkampftyp, irgendwie brauche ich auch den Druck eines Pflichtspiels.

Welcher Torwart hat Sie in Ihrer Jugend am meisten beeindruckt?

Eigentlich habe ich kein Vorbild. In meiner Jugend fand ich Oliver Kahn einen sehr interessanten Torwart. Bis heute versuche ich, bei allen guten Torwarten zu beobachten, wie sie zum Beispiel bestimmte Situationen auflösen.

Kahn war ja der Prototyp des willensstarken und ehrgeizigen Torhüters, der sich immer unter Druck setzt.

Ich habe mit ihm ja noch drei Jahre zusammen bei Bayern gespielt. Es war extrem beeindruckend, was er für eine Willensstärke und Mentalität hatte. Der wollte jedes Spiel gewinnen. Selbst am Ende seiner Karriere war bei ihm immer das Streben nach Perfektion zu sehen. Olli wollte selbst bei der kleinsten Übung im Training immer das Perfekte rausholen.

Für einen Torwart sind Sie sehr jung. Dennoch wirken Sie erwachsener, als Ihr Alter vermuten lassen würde. Woher kommt das?

Ich denke, dass kommt daher, dass ich schon mit 15 Jahren von zu Hause weggegangen bin und später in einem neuen Umfeld bei Bayern München mein eigenes Leben in den Griff kriegen musste. Vielleicht bin ich deshalb etwas reifer.

Ihr Kollege Peer Kluge hat einmal gesagt, dass er zu Beginn seiner Zeit in Berlin Schwierigkeiten damit hatte, wie selbstbewusst die jungen Spieler bei Hertha auftreten. Ging Ihnen das ähnlich?

Schon, aber das ist ja nicht nur hier so. Junge Spieler fühlen sich heute schon viel früher dazugehörig. Das hat sich im Fußball sehr verändert. Bei Bayern damals war das anders. Ich habe fast zwei Jahre gebraucht, bis ich mir dort Akzeptanz erspielen konnte. Das ging nur über Leistung.

Wahrscheinlich gibt es kaum schwerere Wege, als bei Bayern München als junger Torwart neben Oliver Kahn Profi zu werden.

Das ist auch deswegen ein schwieriger Weg, weil man bei Bayern schon in der Jugend unter einem enorm hohen Druck steht. Da muss man stetig versuchen, sich immer weiter zu verbessern, sonst schafft man das nicht. Da brauchst du den Willen, das Talent und auch das Glück.

Hatten Sie manchmal auch Selbstzweifel?

Ja, natürlich. Ich kenne keinen, der durchs Leben läuft und sagt: 'Ich bin super.' Wenn, dann ist das aufgesetzt. Wichtig ist nur, dass man grundsätzlich Vertrauen in sich selbst hat. Wenn man immer zufrieden ist, lässt man nach.

Bei Hertha gibt es zurzeit ja die Situation, dass man sehr zufrieden mit dem Verlauf der bisherigen Saison sein kann. Machen Sie sich Sorgen, dass Sie den Vorsprung noch verspielen könnten?

Ich denke zumindest darüber nach. Wir sollten uns jetzt auf keinen Fall zurücklehnen. Gerade jetzt brauchen wir die Willensstärke, weiter hart an uns zu arbeiten, um unser Ziel so schnell wie möglich zu erreichen. Aber ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass wir nachlassen werden.

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