24.01.13

Trainingslager

Luhukay lässt Hertha für den langen Atem schwitzen

Für den Hertha-Trainer ist die Kondition der Grundstein des bisherigen Erfolgs. Entwarnung gibt es bei Kapitän Peter Niemeyer.

Von Jörn Meyn
Foto: pa/dpa

Richtungsweisend: Trainer Luhukay sagt, wo es langgeht
Richtungsweisend: Trainer Luhukay sagt, wo es langgeht

Jos Luhukay ist eigentlich kein Mann für blumige Bildsprache. Herthas Cheftrainer mag es lieber sachlich. Doch am Mittwochmorgen benutzte der Niederländer ein Bild, dass viel über seine Auffassung von Fußball erklärt und stellvertretend für die Arbeitsweise im Wintertrainingslager der Berliner in der Türkei steht.

Den versammelten Journalisten erklärte er: "Vielleicht kennen Sie das: Wenn man Auto fährt und müde wird, dann muss man anhalten. Im Fußball aber geht das nicht, da kann man nicht anhalten."

Damit seine Mannschaft auf dem Weg zum Wiederaufstieg in die Bundesliga so weiterrollt wie zuletzt und nicht von Müdigkeit ausgebremst wird, hat Jos Luhukay einen intensiven Plan für die Vorbereitung in Belek erstellt.

Am Mittwoch, einen Tag nach dem nicht ganz zufriedenstellenden ersten Testspiel gegen Bayerns Amateure (2:2), schnallten sich die Profis von Hertha BSC Brustgürtel mit Pulsmessern um und zogen ihre Runden um den hoteleigenen Rasenplatz.

In Intervallen wurde das Tempo verschärft und wieder minimiert. Bei 17 Grad und Sonnenschein durchnässte der Schweiß die Trainingsshirts, und aus so manchem Gesicht sprach deutlich die Anstrengung.

60 Prozent der Tore im letzten Spieldrittel

"Wenn ich wollte, könnte ich die Jungs jetzt zwei Tage hintereinander richtig fertig machen", sagte Luhukay und grinste. Doch dem Niederländer geht es nicht darum, sich einen nachhaltigen Namen als "Schleifer" zu erarbeiten. Vielmehr ist Luhukay davon überzeugt, dass es besonders der lange Atem war, der sein Team am Ende der um zwei Partien verlängerten ersten Saisonhälfte so erfolgreich hat aufspielen lassen. "Enge Spiele wie zuletzt gegen Paderborn und Frankfurt haben wir Dank unserer Kondition gewonnen", sagte der 49-Jährige.

Besonders der Vergleich mit den Hessen (2:1) hatte gezeigt, dass die Blau-Weißen auch am Ende einer langen Vorrunde mit einem Kraftakt kurz vor Schluss eine fast schon verloren geglaubte Partie noch drehen können. Knapp 60 Prozent aller Tore erzielte Hertha im letzten Spieldrittel (21 von 36 Treffern). Die Basis dafür war eine gute Grundphysis.

Weil Luhukay an diesem Erfolgsrezept festhalten will, ist die Belastung im Trainingslager besonders hoch. Täglich wird zweimal trainiert. Dazu kommen drei Testspiele innerhalb von nur vier Tagen.

Zusammen mit seinen Assistenten Markus Gellhaus, Rob Reekers und Fitness-Coach Henrik Kuchno analysiert Luhukay die Leistungswerte jedes Spielers. "Für uns muss es darum gehen, nicht nur am ersten Spieltag voll da zu sein, sondern auch am letzten", sagte Luhukay. Seine Spieler würden alle davon profitieren.

Zweiter Test gegen Lugano

Doch Luhukay, der in Belek viele Einzelgespräche führt, ist bewusst, dass zu einer ausgewogenen Trainingslehre eben auch Entspannung gehört. Entscheidend sei das Konzept. Deshalb wird er beim heutigen zweiten Testspiel gegen den FC Lugano (15.30 Uhr Ortszeit) eine andere Mannschaft auflaufen lassen als noch gegen die Bayern-Amateure.

"Ich plane, sechs bis acht Spieler über 90 Minuten zu bringen." Zwei davon werden die Verteidiger Felix Bastians und Roman Hubnik sein, die den ersten Test wegen leichter Blessuren noch verpasst hatten.

Auch Flügelspieler Änis Ben-Hatira, der in Belek nach dreimonatiger Pause wieder versucht, sich an die Mannschaft heran zu kämpfen, wird aller Voraussicht nach spielen dürfen. Zudem hat sich Luhukay vorgenommen, anders als in den vergangenen Probepartien nicht zwei unterschiedliche Teams pro Halbzeit auflaufen zu lassen, um besonders den nach Verletzungen und Sperren zurückgekehrten Profis wie Pierre-Michel Lasogga, Maik Franz und Levan Kobiashvili genügen Spielpraxis zu gewähren.

Gegen den Schweizer Zweitligaklub FC Lugano heute wohl nicht dabei sein wird Peter Niemeyer. Herthas Kapitän hatte sich am Dienstag eine schwer Prellung im rechten großen Zeh zugezogen und musste ausgewechselt werden. Doch so schlimm wie befürchtet ist die Verletzung nicht.

"Zum Glück ist nichts gebrochen. Der Zeh ist aber dick, und Peter kommt noch nicht in den Schuh rein", sagte Luhukay. Niemeyer, der am Mittwoch noch behandelt wurde und deshalb nur Kraftübungen machen konnte, ärgerte sich freilich mehr über sich selbst, als über seinen Gegenspieler, der ihm die Prellung eingebrockt hatte. "Da hätte ich mich einfach intelligenter verhalten müssen. Wegen so einer Aktion ein Spiel zu verpassen, wäre sehr ärgerlich", sagte der 29-Jährige.

Dass Jos Luhukay trotz der hohen Ziele der Berlin auch im Trainingslager einmal Milde walten lassen kann, bewies er am Mittwoch. Den Nachmittag gab er seinen müden Profis nämlich frei.

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