21.01.13

Zweite Liga

Lasogga, Wagner, Ramos - im Hertha-Sturm herrscht Gedränge

Der lange verletzte Lasogga will in die Startelf, Wagner auch. Im Interview analysieren sie den Konkurrenten und eine taktische Variante.

Von Jörn Meyn
Foto: picture alliance / CITYPRESS 24

Lasogga, Wagner oder beide zusammen: Pierre-Michel Lasogga (l.) und Sandro Wagner wollen ihren Platz im Hertha-Sturm
Lasogga, Wagner oder beide zusammen: Pierre-Michel Lasogga (l.) und Sandro Wagner wollen ihren Platz im Hertha-Sturm

Als Pierre-Michel Lasogga einen Ball mit voller Wucht an die Latte köpft, geht ein Raunen durch die Zuschauermenge am Trainingsplatz von Hertha BSC. In Belek schauen sich rund 40 mitgereiste Fans bei frühlingshaften Temperaturen die erste von zwei Übungseinheiten am Montagmorgen an.

Der Stürmer fehlte acht Monate lang wegen eines Kreuzbandrisses. Nun ist er zurück und will sich in der Türkei, wo sich Hertha auf die in knapp zwei Wochen mit einem Spiel in Regensburg beginnende zweite Saisonhälfte vorbereitet, wieder für die Startelf empfehlen.

Doch besonders im Sturm herrscht ein sehr dichtes Gedränge bei den Blau-Weißen. Nicht nur Lasogga (21), auch Sandro Wagner (25) kämpft um seinen Platz. Vorerst aber müssen sie sich mit der Rolle als Ersatzspieler hinter dem gesetzten Adrian Ramos arrangieren.

Berliner Morgenpost:

Herr Wagner, Herr Lasogga, mal ehrlich: Fährt man als Spieler eigentlich gern ins Trainingslager?

Sandro Wagner:

Ich nicht so gern. Ich habe eine kleine Familie, da bin ich lieber zu Hause. Aber Trainingslager gehören dazu.

Pierre-Michel Lasogga:

Stimmt, für dich ist das doof. Ich bin Single, da ist das für mich natürlich einfacher. Ich freue mich, dass wir hier gutes Wetter haben. Da macht das Fußball spielen natürlich mehr Spaß als im kalten Berlin.

Hat das auch Vorteile, wenn man als Mannschaft so eng zusammen ist?

Lasogga:

Wir sind die meiste Zeit zusammen und sehen uns fast jeden Tag. Der Trainer hat ja schon mal gesagt, dass Teambuilding-Maßnahmen nicht so sein Ding sind. Wir verstehen uns alle super. Dafür hätte es das Trainingslager nicht gebraucht.

In zwei Wochen beginnt für Sie die Rückrunde in Regensburg. Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen, Herr Wagner?

Wagner:

Die ist natürlich sehr groß, weil man lieber spielt, als nur zu trainieren. Außerdem haben wir ja noch viel vor. Es sind noch 15 Spiele und wir haben uns einen guten Vorsprung erarbeitet. Den wollen wir uns nicht mehr nehmen lassen. Regensburg ist erst der Anfang.

Herr Lasogga, Sie waren sehr lange verletzt. Nun sind Sie zurück. Was haben Sie sich für die Rückrunde vorgenommen?

Lasogga:

Wichtig war, dass ich wieder zur Mannschaft aufschließen konnte. Das ist mir ganz gut gelungen. Jeder Spieler will natürlich so viele Spiele machen wie möglich. Aber, und Sandro wird mir da zustimmen, am Ende entscheidet der Trainer, wer spielt. Ich kann mich im Training nur anbieten.

Sie haben angekündigt, dass Sie am liebsten schon wieder in Regensburg auf dem Platz stehen wollen. Der Trainer hat gesagt, dass er beim ersten Spiel noch nicht mit den Rückkehrern plant. Fühlen Sie sich ein bisschen ausgebremst?

Lasogga:

Nein. Für mich geht es erst einmal darum, mich in die Mannschaft zurückzuspielen. Wir haben noch zwei Wochen, und da kann viel passieren. Wir wissen nicht, was in Regensburg sein wird.

Ihr Ziel bleibt aber weiterhin, schon in Regensburg wieder aufzulaufen?

Lasogga:

Klar ist es mein Ziel, in der Startelf zu stehen. Das geht jedem so. Aber wenn ich eingewechselt werden sollte, wäre das ja auch schon viel. Es sind noch zwei Wochen bis dahin. Manchmal muss man auch abwarten.

Nirgendwo im Kader ist die Konkurrenzsituation so groß wie auf Ihren Positionen im Sturm. Wie gehen Sie damit um?

Wagner:

Ich sehe das sportlich. Ich kann mich nicht ausruhen, muss mich in jedem Training beweisen, und das macht mich besser. Außerdem muss man es ja auch mal so sehen: Wir sind keine Ich-AG, wir sind eine Mannschaft. Alle sind glücklich, dass wir vier Erstligastürmer im Kader haben. Das ist schon Wahnsinn und sehr außergewöhnlich für die Zweite Liga.

Lasogga:

Man sagt ja immer: Konkurrenz belebt das Geschäft, und irgendwie ist da ja auch etwas Wahres dran. Man muss nur aufpassen, dass die Lockerheit dabei nicht verloren geht. Dann verkrampft man zu sehr.

Kann zu große Konkurrenz auch lähmen?

Lasogga:

Ja, absolut. Aber mit Konkurrenz muss man umgehen können.

Auch wenn Sie das Mannschaftsgefüge betonen, sind Stürmer doch besondere Individualisten oder nicht?

Wagner:

Das stimmt zwar, aber das muss im Einklang sein. Wenn Pierre und ich in der Rückrunde jeder 15 Tore schießen und wir trotzdem nicht aufsteigen, haben wir persönlich doch gar nichts davon. Dann spielen wir nächstes Jahr wieder gegen Sandhausen und Aue. Für den Trainer ist das eine super Situation: Er kann reinwerfen, wen er will. Da gibt es keinen großen Qualitätsverlust.

Dennoch hat jeder persönlich seine Ansprüche. Besteht die Gefahr, dass der Teamgeist unter der verschärften Konkurrenzsituation leidet?

Wagner:

Das wird sich zeigen. Der Trainer hat das bisher immer sehr fair gehandhabt, hat immer alle gleich behandelt. Wenn das so bleibt und auch wir Spieler unsere Egos zurückstellen, wird es keine Probleme geben. Aber natürlich wird es auch enttäuschte Spieler geben.

Lasogga:

Ich kenne den Trainer noch nicht so lange, aber auch ich habe den Eindruck, dass er nach Leistung entscheidet.

Luhukay scheint das System mit einem Stürmer zu bevorzugen.

Wagner:

Das kann man zwei Wochen vor dem ersten Spiel gar nicht sagen. Im Fußball geht es so schnell, plötzlich steht es 0:2, dann wird das bevorzugte System über den Haufen geworfen, und man spielt mit zwei Spitzen. Deswegen brauche ich mir darüber jetzt keine Gedanken zu machen.

Mögen Sie es lieber, noch einen Stürmer neben sich zu haben?

Lasogga:

Sandro und ich haben den Vorteil, dass wir flexibel sind, allein und zu zweit spielen können. Im Training lässt uns der Trainer oft zusammen spielen, ich habe das Gefühl, dass das gut funktioniert. Andere Mannschaften würden sich freuen, wenn sie zwei so Riesen vorn im Sturmzentrum hätten.

Ist es ein Problem, dass Sie beide ähnliche Stürmertypen sind?

Lasogga:

Ähnlich würde ich nicht sagen. Jeder hat seine Qualitäten und etwas an sich, was der andere nicht hat.

Zum Beispiel? Was unterscheidet Sie von ihm?

Lasogga:

Sandro ist eher ein mitspielender Stürmer, der sich oft Bälle holt, wohingegen ich eher der Typ bin, der im Strafraum lauert und seine Chancen sucht. Das ist schon ein Unterschied.

Gibt es etwas, dass Ihnen an Pierre imponiert, Herr Wagner? Sie haben ja in der vergangenen Saison noch nicht mit ihm zusammen gespielt.

Wagner:

Ich bin echt beeindruckt, wie schnell er nach seinem Kreuzbandriss wieder auf einem hohen Level ist. Ich zum Beispiel habe nach meinem Kreuzbandriss länger gebraucht. Außerdem mag ich Spieler, die mit Leidenschaft und Einsatz spielen und nicht nur auf ihr Image gucken. Pierre ist so ein Typ, der sich immer reinhaut. Das imponiert mir.

Lasogga:

Ich glaube jedenfalls, dass das mit uns beiden zusammen auch gut funktioniert. Man muss das nehmen, wie es kommt, und das können wir.

Wann sehen wir bei Hertha das Sturmduo Wagner/Lasogga?

Lasogga:

Wir können uns nur in jedem Training anbieten.

Aber denkbar wäre diese Kombination aus Ihrer Sicht?

Wagner:

Auf jeden Fall.

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