20.01.13

Zweite Liga

Hertha auf Integrationstour im türkischen Trainingslager

Für Trainer Luhukay geht es im Winterlager darum, den Teamgeist zu stärken und die Rückkehrer einzugliedern. Helfen sollen drei Testspiele.

Von Jörn Meyn
Foto: dpa

Für Herthas Levan Kobiaschvili wird es nach seiner mehrmonatigen Sperre wieder ernst
Für Herthas Levan Kobiaschvili wird es nach seiner mehrmonatigen Sperre wieder ernst

Der Temperaturunterschied war spürbar, als die Delegation von Hertha BSC am Sonnabendnachmittag in Antalya aus dem Flugzeug stieg. 22 Grad wärmer als im klirrend kalten Berlin war es. Gute Argumente also für den Zweiten der Zweiten Liga für das Wintertrainingslager an die türkische Riviera auszuweichen.

Im nahe gelegenen Örtchen Belek bezieht Hertha mit 26 Spielern eine Woche lang das Fünfsternehotel "Cornelia", das neben einer Reihe von Poolanlagen auch über gepflegte Rasenplätze verfügt. Nicht dabei sind Daniel Beichler und Shervin Radjabali-Fardi, die Cheftrainer Jos Luhukay zuvor zu den Amateuren beordert hat.

Beide haben wohl keine Zukunft mehr bei den Blau-Weißen. Mitgereist sind dafür alle zuletzt angeschlagenen Akteure – Änis Ben-Hatira, Peter Pekarik, Nico Schulz und auch der Kolumbianer Adrian Ramos, der wegen Problemen an der Achillessehne fraglich war.

Fast komplette Zweite Liga in Belek versammelt

In Belek will sich Hertha mit jeweils zwei Trainingseinheiten täglich auf den in 14 Tagen beginnenden zweiten Saisonabschnitt vorbereiten. Erster Gegner ist dann am 3. Februar Jahn Regensburg. Der Badeort direkt an der Mittelmeerküste hat sich seit Anfang der 90er Jahre zu einem Lieblingsziel des deutschen Profifußballs gemausert.

Nicht nur die Bundesligavereine Werder Bremen, VfB Stuttgart, VfL Wolfsburg, SpVgg Greuther Fürth und Luhukays Ex-Klub FC Augsburg gastierten in diesem Januar bereits in einem der Luxus-Resorts. Fast die komplette Zweite Liga hat in Belek und Umgebung ihr Winterlager bezogen.

Drei Testspiele für Hertha in vier Tagen

Und weil Belek mittlerweile nicht nur bei deutschen Vereinen beliebt ist, hat sich darüber hinaus auch eine Vielzahl an ausländischen Klubs hier einquartiert. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass Hertha sich seine Sparringspartner quasi aus der Nachbarschaft rekrutieren kann. Drei Tests hat Luhukay angesetzt.

Am Dienstag tritt seine Mannschaft gegen die Amateure des FC Bayern an, die vom Ex-Profi Mehmet Scholl trainiert werden. Zwei Tage später folgt der Vergleich mit dem Schweizer Erstligisten FC Lugano, und zum Abschluss am Freitag geht es gegen Sturm Graz aus Österreich.

Sieben Profis müssen ins funktionierende Gefüge

Der Grund für die ungewöhnliche Dichte an Testspielen ist gleichzeitig auch das zentrale Motiv, um das sich in Herthas Trainingslager vieles drehen wird: die Integration der Rückkehrer. Insgesamt sieben Profis muss Luhukay in sein zuletzt so hervorragend funktionierendes Gefüge einordnen.

Spieler wie Maik Franz, Christoph Janker und Pierre-Michel Lasogga, die wegen Verletzungen monatelang gefehlt hatten, brauchen Spielpraxis, um schnellstmöglich zu alter Stärke zurückzufinden – ebenso wie Levan Kobiashvili, der wegen seiner Sperre aus der Bundesliga-Relegation gegen Fortuna Düsseldorf im Mai die komplette erste Saisonhälfte nur zuschauen durfte.

Dazu gilt es, die kürzlich erst wieder genesenen Ben-Hatira, Pekarik und Schulz "behutsam aufzubauen", wie Luhukay es formuliert.

Luhukay bremst Erwartungen der Rückkehrer

Doch die Integration der Rückkehrer wird nicht allein darin bestehen, sie wieder an das Spielniveau der Mannschaft heranzuführen. Für Luhukay geht es in Belek auch darum, dass ihre Ansprüche auf einen Startelfplatz nicht den Teamgeist in Gefahr bringen. Mit markigen Worten kündigten die ambitionierten Lasogga und Ben-Hatira bereits an, schon im ersten, spätestens aber im zweiten Spiel wieder von Beginn an auflaufen zu wollen.

Und auch der Routinier Franz, mit dem Hertha vor seiner Schulterverletzung zehn Punkte aus vier Partien geholt hatte, wird sich nicht lange mit einer Reservistenrolle zufrieden geben. Vor dem Trainingslager sah sich Luhukay deshalb schon einmal genötigt, die Erwartungen zu bremsen: "Ich habe nicht das Ziel, dass die Rückkehrer schon in Regensburg spielen", sagte der 49-Jährige. Einen langen Verletzungsausfall könne man in wenigen Wochen nicht vollständig kompensieren.

Rückkehrer bringen Konfliktpotenzial in das Team

Der Niederländer wird in Belek versuchen, das Funktionierende seiner Mannschaft zu bewahren. In der erfolgreichen Hinrunde mit 17 Partien ohne Niederlage, Rang zwei und zehn Punkten Vorsprung vor Kaiserslautern auf Relegationsplatz drei war das keineswegs eine feste Stammelf. Vielmehr war es die Fähigkeit der Mannschaft, immer wieder auf Ausfälle und Rückschläge reagieren zu können.

Die Basis dafür war der Zusammenhalt in der Mannschaft, der oft genug betont und bei knappen Begegnungen auch sichtbar wurde. Mit den Rückkehrern ist plötzlich Konfliktpotenzial entstanden, und Luhukay wird versuchen, dies im Keim zu ersticken.

Hertha-Spieler müssen ihre Egos zurückstellen

Unterstützung bekommt der 49-Jährige von Herthas Manager: "Jeder Spieler muss sein Ego zugunsten der Mannschaft zurückstellen", sagte Michael Preetz. Es sei wichtig, "dass wir auch in der zweiten Saisonhälfte als eingeschworene Gemeinschaft auftreten", so der Manager.

In Belek befindet sich Hertha auf einer Art Integrationstour. Freilich würde Jos Luhukay das niemals so ausdrücken. In seinen Worten klingt es so: "Einige Verletzte waren lange nicht dabei. Die Mannschaft kann im Trainingslager wieder etwas zusammenrücken." Damit das große Ziel Bundesliga-Aufstieg nicht in Gefahr gerät.

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