05.01.13

Zweite Liga

Herthas Pechvogel Maik Franz ist wieder im Spiel

100 Tage dauerte die Auszeit von Maik Franz. Nun dürfen sich seine Teamkollegen auf einen verschärften Konkurrenzkampf einstellen.

Von Jörn Meyn
Foto: dapd

Maik Franz wird künftig wieder für eine starke Abwehr sorgen
Maik Franz wird künftig wieder für eine starke Abwehr sorgen

Etwas wehmütig schaute Maik Franz herüber – durch das Netz hindurch, das die Rasenflächen auf dem Schenckendorffplatz voneinander trennt. Drüben trainierten seine Kollegen von Hertha BSC Kurzpassspiel.

Hinter den Maschen hatte Fitness-Coach Henrik Kuchno für Franz ein paar rote Hütchen drapiert: Einzeltraining. Kurze Sprints. Später ein paar Bälle einsam gegen die graue Betonwand spielen, dass sie zurücktropfen. Auch am Freitagmorgen, Herthas zweiter Trainingseinheit im neuen Jahr, war das Programm trostlos für den 31-Jährigen.

Zwei schwere Verletzungen

Doch die Isolation des Maik Franz hat alsbald ein Ende: Ab Dienstag steigt Herthas Abwehrspieler wieder voll ins Mannschaftstraining ein. Genau 107 Tage ist es dann her, dass sich Franz am 6. Spieltag der aktuellen Zweitligasaison beim umkämpften 1:1-Unentschieden in Kaiserslautern eine schwere Schulterverletzung zuzog (Verletzung der Gelenklippe des vorderen Pfannenrandes). Die rüden Zweikämpfe mit Kaiserslauterns kantigem Angreifer Mohamadou Idrissou hatten nicht nur blaue Flecken hinterlassen. Franz musste wenige Tage später in München operiert werden.

Umso glücklicher ist der gebürtige Merseburger nun über seine Rückkehr zum Team: "Ich freue mich darauf, endlich wieder dabei zu sein", sagte er am Freitag. Eigentlich habe er sich schon zum Trainingsauftakt der Blau-Weißen einen Tag zuvor bereit gefühlt. Doch so einfach ist das nicht: Fußballspieler sind hochversichert, und es bedarf einer offiziellen Gesundschreibung. "Ich muss mir am Montag noch das Ok vom Arzt holen. Dann bin ich zurück", so der Verteidiger.

Bereits sein zweites Comeback bei Hertha

Wenn Franz am Dienstag wieder im Kreis der Kollegen aufgenommen wird, ist es bereits sein zweites Comeback bei Hertha. Erst drei Spieltage vor der Schulterverletzung im September war der Innenverteidiger von einer monatelangen Verletzungspause zurückgekehrt. Ausgerechnet in Kaiserslautern hatte sich Franz Ende 2011 in der Bundesligasaison einen Kreuzbandriss zugezogen. "Wenn man sich zweimal hintereinander schwer verletzt, ist das natürlich sehr ärgerlich", sagte Franz, der nicht darüber nachdenkt, die Auswärtsfahrten in die Pfalz demnächst auszulassen. "Aber so ist Fußball: So etwas passiert, und dann muss man sich eben wieder rankämpfen."

Um sich so schnell wie möglich wieder ranzukämpfen, hat "Iron Maik" in den vergangenen sechs Wochen ein intensives Aufbautraining absolviert – zunächst in der Reha, seit Ende November parallel zur Mannschaft. "Körperlich bin ich topfit", so Franz. Zwar wird es naturgemäß noch einige Zeit dauern, bis er sein Niveau von vor der Verletzung erreicht. Dennoch lässt der 1,90 Meter große Abwehrspieler keinen Zweifel an seinem Anspruch, bald wieder in der Startelf der Berliner zu stehen: "Sicherlich will ich spielen. Ich bin nach meinem Kreuzbandriss wieder zurückgekommen und das ordentlich. Und daher möchte ich auch jetzt spielen."

Mit der Rückkehr von Franz verschärft sich die Konkurrenzsituation in Herthas Abwehrzentrum. Dort hatten zuletzt der 19 Jahre alte John Anthony Brooks und Fabian Lustenberger, der aus dem defensiven Mittelfeld zurückgezogen worden war, überzeugt.

Letzterer wurde nicht nur von den Herthafans zum Spieler der Hinrunde gewählt. Der "Kicker" kürte den 24-Jährigen darüber hinaus sogar zum zweitbesten Innenverteidiger der ersten Halbserie – hinter dem Braunschweiger Deniz Dogan. Aufgrund der starken Leistungen, die vor allem auf der ungewohnten Position in der Innenverteidigung nicht zu erwarten waren, bemüht sich Hertha derzeit, den Vertrag des Schweizers, der noch bis 2014 läuft, vorzeitig zu verlängern. Denn es soll bereits Interesse aus der Bundesliga geben.

An Lustenberger wird Trainer Luhukay festhalten

An Lustenberger, der in vielen Hertha-Partien in der ersten Saisonhälfte die besten Zweikampfwerte und die meisten Ballkontakte hatte, wird Cheftrainer Jos Luhukay ohne Frage festhalten. Der Deutsch-Amerikaner Brooks dagegen, der bei seinen bisher 15 Einsätzen in dieser Saison ebenfalls zumeist gute Leistungen gezeigt hatte und eine der positiven Überraschungen der Hinrunde war, droht von Routinier Franz verdrängt zu werden. Zwar sagte Luhukay am Freitag: "Maik muss erst einmal fit werden, und dann sehen wir weiter." Ergänzte aber: "Die Konkurrenz wird jetzt natürlich größer."

Es wird in den kommenden Wochen auch auf die Vermittlerfähigkeiten des Niederländers ankommen, damit für Hertha der verschärfte Wettbewerb um die Stammplätze positive Effekte hat und keinerlei Reibereien im Team entstehen. Neben Franz, Brooks und Lustenberger sind darüber hinaus auch der tschechische Nationalspieler Roman Hubnik und in absehbarer Zeit auch der wiedergenesene Christoph Janker Alternativen im Abwehrzentrum des Tabellenzweiten. Und auch Felix Bastians hat in der laufenden Saison schon bewiesen, dass er diese Position bekleiden kann.

Franz jedenfalls, der vor der Schulterverletzung der unumstrittene Abwehrchef bei den Berlinern war und den Spielfluss des Gegners gern mit einer besonderen Zweikampfstärke unterbrach, scheut die Konkurrenzsituation keineswegs: "Das kenne ich ja bereits von meinen Stationen in Karlsruhe und Frankfurt." Für das Primärziel des Vereins, den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga, könne es nur förderlich sein, wenn sich viele gute Spieler um wenige Plätze in der ersten Mannschaft bewerben. "Keiner kann sich ausruhen. Jeder muss sich reinhauen, und der Trainer guckt genau hin. Das kann nur gut sein für Hertha."

Keine Kampfansagen

Ob die Zeit für ihn bis zum ersten Pflichtspiel des Jahres bei Tabellenschlusslicht Jahn Regensburg am 3. Februar reichen wird, um eventuell im Kader oder sogar in schon wieder der ersten Elf zu stehen, ist jedoch fraglich. Dass er am liebsten schon in Ostbayern wieder von Beginn an auf dem Spielfeld stehen würde, daran lässt Franz keinen Zweifel.

Für Kampfansagen an seine Kollegen, die ihre Aufgabe in seiner Abwesenheit "gut gemacht" haben, sieht er jedoch keinen Anlass: "Ich weiß, was ich kann und brauche keine großen Töne spucken. Ich will erst mal wieder dabei sein."

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