03.01.13

Soziale Netzwerke

Wie Hertha-Profis Facebook und Twitter nutzen

Ein "Gefällt mir!" für Hertha BSC: Berlins Profis tummeln sich in zunehmend in sozialen Netzwerken und pflegen so die Kontakte zu den Fans.

Von Uwe Bremer und Jörn Meyn
Foto: picture alliance

 Bei Facebook führt Maik Franz die interne Hertha-Rangliste mit mehr als 22.000 sogenannten Freunden an
Bei Facebook führt Maik Franz die interne Hertha-Rangliste mit mehr als 22.000 sogenannten Freunden an

Fabian Lustenberger grinst in die Kamera. Neben dem Innenverteidiger von Hertha BSC steht Ersatztorwart Sascha Burchert und streckt den Daumen nach oben. Im Hintergrund schneebedeckte Berge. "Hallo Leute! Ich hoffe ihr hattet erholsame Festtage!! Sascha und ich senden euch liebe Grüße aus der Schweiz! Wie ihr seht, genießen wir die letzten freien Tage vor dem Trainingsstart" steht unter dem Foto, dass Lustenberger im sozialen Netzwerk Facebook hochgeladen hat. Kurz vor der ersten Übungseinheit der Berliner im neuen Jahr am heutigen Donnerstag (14.30 Uhr auf dem Schenckendorffplatz) nutzte Lustenberger noch einmal das Internet, um seinen Fans Urlaubsgrüße zu senden.

So wie der Schweizer machen mittlerweile viele Hertha-Profis von den Möglichkeiten der Fanpflege im World Wide Web Gebrauch – nicht nur in der Urlaubszeit. Die am meisten genutzten Dienste sind Facebook, der Kurznachrichten-Dienst Twitter sowie die Plattform Instagram, auf der Handyfotos unkompliziert und rasch etwa bei Twitter oder Facebook eingestellt werden können. Für Lustenberger bietet besonders Facebook die Chance, in direkten Kontakt mit den Anhängern zu treten: "Viele Fans haben nicht die Möglichkeit, zum Training zu kommen. Und ich kann ihnen mal Dinge mitteilen, die sie sonst so nicht erfahren würden."

Tippspiele, um Fans anzulocken

Auch Peter Niemeyer ist regelmäßig bei Facebook. Er bezeichnet das Netzwerk als "ideales Medium", um den Fans auch etwas zurückzugeben. Sie würden honorieren, "dass wir etwas von uns preisgeben", sagt der Hertha-Kapitän. Niemeyer, Lustenberger und Abwehrspieler Maik Franz gehören zu den Spielern, die soziale Medien am meisten nutzen. Ihnen ist bewusst, dass sie damit bisweilen ihr öffentliches Bild steuern können.

Niemeyer hat dabei sowohl seine Zeit als Profi im Blick als auch die Zeit nach der Karriere. "Klar versuche ich mich da zu positionieren und zu präsentieren." Schließlich sei er nicht nur Profi. "Es gibt auch ein Leben neben dem Fußball und vor allem nach dem Fußball. Man positioniert sich bei Facebook oder Twitter ein Stück weit mehr in der Fußball-Welt. Es ist auch Markenbildung."

Um mehr Fans auf ihre Seiten zu locken, betreiben Niemeyer, Franz und Lustenberger bei Facebook Tippspiele, bei denen es etwas zu gewinnen gibt (ein Manager-Spiel, ein Set Hertha- oder Basketball-Trikots). Das Angebot wird gut angenommen. Mehrere tausend Anhänger stimmen regelmäßig ab.

Ben Sahar teilt sich, ähnlich wie Alfredo Morales, vor allem in kurzen Mitteilungen bei Twitter mit. Dort hat der israelische Angreifer 3500 Follower, durch seine zahlreichen Stationen verteilt auf England, Holland, Frankreich, Deutschland und seine Heimat. "Da kann ich vielen Leuten zeigen, was ich gerade mache", sagt Sahar. Und lässt vor allem Instagram-Fotos sprechen: Sahar und der erste Schnee. Sahar im Anzug mit dem israelischen Botschafter. Sahar mit Kippa an der Klagemauer in Jerusalem. Sahar bei der Hertha-Weihnachtsfeier. Jeweils versehen mit einer kurzen Anmoderation.

Interner Wettstreit bei den Profis

Und natürlich schauen die Kicker untereinander, wer wie gut ankommt. Bei Facebook führt Franz die interne Rangliste mit mehr als 22.000 sogenannter Freunde an vor Sami Allagui (über 19.000) und Änis Ben-Hatira (über 9.000).

"Nein, ein Wettkampf ist das nicht", wiegelt Lustenberger ab. "Ich mache das für mich und freue mich, wenn ich viele Freunde habe." Niemeyer weist darauf hin, dass der Erfolg im Netz davon abhängt, wie viel Zeit man dort verbringt. Während der Kapitän und Lustenberger zumeist selbst ihre Einträge tippen (bisweilen unterstützt von Freunden), hat Franz eine Agentur, die in Abstimmung mit ihm tätig wird.

Änis Ben-Hatira hat einen Bekannten beauftragt, seine Darstellung im Netz zu übernehmen. Verglichen mit den großen Namen des deutschen Fußballs sind die Herthaner in den sozialen Netzwerken jedoch kleine Fische: Thomas Müller vom FC Bayern hat 1,4 Millionen Anhänger bei Facebook, Mesut Özil kommt gar auf acht Millionen.

Aber natürlich birgt die schöne bunte Medien-Welt auch Risiken. In Deutschland schritt im vergangenen Jahr das DFB-Sportgericht ein und verhängte erstmals eine 3000-Euro-Geldstrafe gegen den twitternden Ryan Babel. Der damalige Hoffenheim-Profi hatte sich auf Twitter mit den Worten "I don"t know, the ref was on drugs" (Weiß nicht, ob der Schiedsrichter auf Drogen war) über eine Schiedsrichterentscheidung echauffiert. In England wurde Ashley Cole im Oktober 2012 sogar mit einer Geldstrafe von 90.000 Pfund (110.000 Euro) bestraft. Der Spieler des FC Chelsea hatte nach einem Urteil des englischen Verbandes diesen auf Twitter als "einen Haufen Deppen" bezeichnet.

Deshalb ist man bei Hertha BSC gewarnt. Zwar hat der Zweitligaklub, was die Aktivitäten seiner Angestellten in sozialen Medien angeht, noch keine Strafen verhängen müssen. Dennoch wurden die Profis schon auf die Gefahren im Netz hingewiesen. "Wir empfehlen den Spielern einen sensiblen Umgang mit dem, was sie veröffentlichen", sagt Mediendirektor Peter Bohmbach. Auch auf die Medienarbeit des Vereins kommen mit Facebook, Twitter und Co. neue Herausforderungen zu. "Es ist klar, dass das Interesse des Vereins über allem steht", so versteht es Kapitän Niemeyer: "Es wäre grob fahrlässig, etwa den Kader rauszuhauen und damit dem Gegner in die Karten zu spielen."

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