22.12.12

Zweite Bundesliga

Wie Herthas Profis an den Feiertagen abschalten

Besinnung statt Training - die Feiertage sind auch für jene Berliner Profis wichtig, die eigentlich gar kein Weihnachten feiern.

Von Jörn Meyn
Foto: dpa

Besinnung in der Heimat: Herthas Ben Sahar wird das Lichterfest im Urlaub nachholen
Besinnung in der Heimat: Herthas Ben Sahar wird das Lichterfest im Urlaub nachholen

Es könnte diesmal ein unruhiges Weihnachtsfest werden für Peter Niemeyer. Herthas Kapitän wird die Feiertage gemeinsam mit seiner Freundin Kyra bei seinen Eltern verbringen, wie meistens. Doch in diesem Jahr ist alles ein bisschen anders. Denn kurz vor dem letzten Spiel in 2012 gegen den FSV Frankfurt (2:1) wurde Niemeyers Nichte geboren.

"Ich hoffe, dass es ein beschauliches Weihnachten wird", sagt der 29-Jährige und muss vor Freude lachen. "Mal gucken, ob die Kleine das auch so sieht, oder ob ich auch mal bei einem Kumpel auf der Couch pennen muss, wenn sie zu laut schreit."

Gerade weil das Jahr 2012 mit Abstieg, juristischem Nachspiel zur verlorenen Relegation und 17 Zweitligaspielen ohne Niederlage so turbulent war, sind die Feiertage nun umso wichtiger für ihn. "Weihnachten", sagt Niemeyer, "ist für mich sehr, sehr bedeutend." Es ist die Zeit, um im Kreise der Familie zur Ruhe zu kommen, alles noch einmal Revue passieren zu lassen und neue Kraft zu schöpfen.

Auch gehe es für ihn darum, das im Jahr etwas zu kurz Gekommene aufzuholen: "Mein Bruder lebt jetzt in Frankfurt. Ich wohne in Berlin, und wir haben uns nur selten. Ich freue mich, ihn und meine Familie endlich wiederzusehen."

Das Weihnachtsfest, es ist für Peter Niemeyer und seine Kollegen von Hertha BSC auch eine Belohung für allerhand Entbehrlichkeiten. Während der Saison steht der Fußball im Mittelpunkt. Darüber hinaus führen Fußballprofis bisweilen das Leben von Nomaden: Nicht nur, dass sie mindestens an jedem zweiten Wochenende in einem anderen Stadion der Republik auflaufen, in Hotels übernachten und Stunden auf Auswärtsfahrten verbringen.

Trainer besinnt sich auf Privates

Für manche Herthaner hat mit dem Vereinswechsel nach Berlin zu Saisonbeginn auch ein neuer Lebensabschnitt begonnen. So wie für den Trainer Jos Luhukay, der aus Augsburg in die Hauptstadt gekommen ist, und dessen Familie weiterhin im niederländischen Grenzort Venlo lebt.

Weihnachten ist für Luhukay deshalb auch die Rückbesinnung auf das Private und die Möglichkeit zum Schließen einer Lücke, welche sein Beruf als Fußballlehrer zwangsläufig reißt. Für den 49-Jährigen bedeutet das Fest: "Ruhe, um Zeit mit der Familie zu verbringen. Ruhe, um vom Beruf abzuschalten. Und Ruhe, um Freunde zu treffen."

Doch an Weihnachten geht es auch um den Glauben. Es ist das heiligste Fest des Christentums. Die Geburt Jesu Christi wird gefeiert, und selbst für jene, die sich als wenig religiös bezeichnen, hat es doch einen übergeordneten Stellenwert. Wie aber begehen diejenigen Profis im Hertha-Kader die Feiertage, die einem anderen Kulturkreis entstammen und nicht christlichen Glaubens sind?

Sami Allagui ist Moslem. Der in Düsseldorf geborene Sohn tunesischer Eltern wird die Festtage dieses Jahr im Urlaub in Dubai verbringen. "Da wird es natürlich schwer mit einem Weihnachtsbaum", sagt der 26-Jährige und grinst.

Auch wenn er selbst nicht christlich sei, seien die Weihnachtstage für ihn und seine Familie dennoch "ganz normale Feiertage. Ich bin zwar Moslem, aber ich bin hier in Deutschland aufgewachsen." Noch sei Weihnachten für ihn nicht ganz so wichtig: "Aber wenn ich einmal Kinder haben sollte, wird Weihnachten auch für mich noch eine größere Bedeutung bekommen."

Keine Geschenke für Ben Sahar

Für Ben Sahar dagegen ist Weihnachten etwas Exotisches. Herthas israelischer Stürmer ist gläubiger Jude und kennt Heiligabend nur aus seiner Zeit bei europäischen Fußballvereinen. Was für die meisten seiner Teamkollegen Weihnachten ist, ist für den 23-Jährigen Chanukka, das Lichterfest.

Statt der Kerzen am Tannenbaum wird während der achttägigen Feierlichkeiten jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit ein Licht an der "Chanukkai" entzündet, einem neunarmigen Kerzenständer. Das Fest richtet sich nach dem jüdischen Kalender und beginnt immer am 25. Tag des Monats Kislew. In diesem Jahr begann Chanukka schon in der Nacht vom 9. Dezember.

Weil Sahar aber zu diesem Zeitpunkt noch für Hertha im Einsatz war, holt er das Lichterfest im Urlaub in seiner Heimat nach: "In Israel feiern wir Chanukka als Familienfest", sagt Sahar. "Alle sitzen beisammen, essen und feiern ein wenig." Während Chanukka gibt es traditionell jüdische Küche, meist in Öl gebackene Speisen. Brennen die Kerzen, darf nicht mehr gearbeitet werden.

Aber anders als zu Weihnachten überreichen sich die Erwachsenen an Chanukka keine Geschenke. "Nur die Kinder bekommen ein paar Süßigkeiten und das traditionelle Chanukka-Geld, das zum Großteil aber für wohltätige Zwecke gespendet wird", so Herthas Angreifer.

Es gehe vielmehr darum, die Abende gemeinsam mit der Familie und Freunden zu verbringen. Das Lichterfest, es ist für Ben Sahar ebenso wie Weihnachten für Peter Niemeyer und die anderen Mannschaftskollegen von Hertha BSC eine Zeit der Besinnung.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Multimedia
Saison 2012/13

Hertha BSC - Das ist das Team

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Papua-Neuguinea Vulkan spuckt Feuer, Asche und Gestein
Germanwings Viele Verspätungen durch den Piloten-Streik
Zweites Baby Shakira ist schon wieder schwanger
Uefa-Auszeichnung Cristiano Ronaldo ist Europas Fußballer des Jahres
Top Bildershows mehr
Bürgermeister-Karriere

Klaus Wowereit und der Abstieg vom Gipfel

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Hinter den Kulissen

Tage der offenen Tür bei der Bundesregierung

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote