18.12.12

Zweite Liga

Ruhe, Disziplin und Teamgeist beflügeln Herthas Erfolg

Hertha hat einen Höhenflug - dafür gibt es fünf gute Gründe. Doch der Berliner Aufstiegsaspirant hat noch Nachholbedarf - beim Publikum.

Von Uwe Bremer
Foto: picture alliance / dpa

Erfolgsgaranten: Adrian Ramos (l.) und Trainer Jos Luhukay stehen für den Hertha-Aufschwung
Erfolgsgaranten: Adrian Ramos (l.) und Trainer Jos Luhukay stehen für den Hertha-Aufschwung

Ronny feiert das Wiedersehen mit Bruder Raffael zu Weihnachten in Brasilien. Kapitän Peter Niemeyer schaut in England Premier-League-Fußball. Trainer Jos Luhukay zieht es einige Tage in den Schnee – die Fußballer von Hertha BSC genießen die Winterpause. Nach dem albtraumartigen ersten Halbjahr haben die Berliner in der Zweiten Liga eine erstaunlich positive Hinserie hingelegt. Die Berliner Morgenpost benennt die Hauptgründe für den Aufschwung.

Trainer Jos Luhukay

In der Branche staunte der eine oder andere, dass Jos Luhukay (48) sich ausgerechnet für den Chefsessel bei Hertha BSC entschied. Doch die Zusammenarbeit mit Manager Michael Preetz läuft ruhig und zielstrebig. Der Absteiger wurde grundrenoviert, elf Neuen standen zwölf Abgänge gegenüber. Der Anfang war rumpelig. Zweimal wurde der sonst so nette Herr Luhukay richtig laut. Aber die erste Blamage (1:3 beim FSV Frankfurt) sollte die letzte in der Liga sein. Die Mannschaft lernte rasch. Der Coach legte den Fokus auf Disziplin und Geschlossenheit. Dazu genießt er intern, was ein Trainer unbedingt braucht: Glaubwürdigkeit. Er moderiert die Ungeduld der Bankdrücker, es gelingt Luhukay, alle einzubinden.

Funktionierendes Gerüst

Die Weisheit ist so alt, wie der Fußball selbst: Eine Mannschaft braucht ein Gerüst. Und das wird von hinten nach vorn gebaut. Es ist kein Zufall, dass die Sicherheit mit der Rückkehr des zu Saisonbeginn gesperrten Torwartes Thomas Kraft kam. In der Innenverteidigung sorgte zunächst Maik Franz für erhöhte Aufmerksamkeit. Dass nach dessen Verletzung Mittelfeldspieler Fabian Lustenberger sich binnen weniger Partien zum Leistungsträger im Abwehrzentrum entwickelte, war eine Überraschung. Trainer Luhukay schwärmt vom Schweizer als den besten Manndecker der Liga. Im defensiven Mittelfeld verbreiten Niemeyer und Peer Kluge Angst und Schrecken bei der Konkurrenz. Keine Mannschaft hat so wenig Gegentore durch die Mitte kassiert wie Hertha – und niemand so wenig Gegentore nach Kontern. Die Korsettstangen der Offensive sind Ronny und Adrian Ramos.

Qualität im Sturm

Wohl dem, der eine solche Südamerika-Fraktion hat. Der Brasilianer Ronny (neun Treffer, sieben Vorlagen) und der Kolumbianer Adrian Ramos (6/4) führen die interne Torjägerliste an. Vor allem jedoch kann Hertha auf jede Spielsituation reagieren: Mit Sandro Wagner wartet ein wuchtiger, einsatzstarker Stürmer. Mit Sami Allagui und Ben Sahar zwei schnelle Techniker. Und Änis Ben-Hatira kann eine Abwehr allein schwindlig spielen. Unter dem Strich hat Hertha 36 Tore erzielt – Liga-Bestwert.

Teamgeist

Die vergangene Abstiegssaison war ein Lehrstück dafür, dass Qualität ohne Zusammenhalt rasch abstürzen kann. Deshalb honorieren die Fans um so mehr, den Teamgeist der aktuellen Mannschaft. Sie sind bereit, über das eine oder andere spielerische Defizit hinwegzusehen, solange die Profis auf dem Platz Willensstärke rüberbringen. Das haben die Blau-Weißen mehrfach bewiesen, zuletzt Sonnabend mit den späten Toren gegen den FSV Frankfurt (2:1).

Ruhe im Verein

Es ist exakt ein Jahr her, dass die Selbstzerstörung von Hertha in Hoffenheim mit dem unsäglichen Auftreten von Ex-Trainer Babbel begann. Im Mai schien es, als sei Hertha unregierbar. Umso bemerkenswerter ist die Ruhe, die nach der Wiederwahl des Präsidiums um Präsident Werner Gegenbauer einzog. Aus der Chefetage ist nach außen nichts zu hören. Manager und Trainer arbeiten, die Mannschaft gewinnt.

Gunst des Publikums zurückgewinnen

So erfreulich der Punktestand ist, so klar Hertha auf Kurs Wiederaufstieg liegt, eine Zielgruppe ist noch nicht restlos überzeugt: das Publikum. Nach den diversen Enttäuschungen der letzten zweieinhalb Jahre zögern die Kunden. Es gibt, anders als vor zwei Jahren, diesmal keine Euphorie. Der Zuschauerschnitt (33.640) liegt um rund 10.000 unter dem aus dem Zweitliga-Jahr 2010/11. Geschäftsführer Ingo Schiller hofft dennoch auf deutlich mehr Resonanz in der Rückrunde. "Die Mannschaft hat eine tolle Basis gelegt. Wir wollen Einfluss bei der Deutschen Fußball-Liga nehmen, damit wir bei den ausstehenden Ansetzungen günstigere Termine bekommen als in der Hinrunde. Zumal wir mit Union, Kaiserslautern, Braunschweig und Cottbus noch vier Topspiele haben."

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Unglück in Moskau Total-Chef stirbt bei Kollision mit Schneepflug
Afghanistan Erneuter Terroranschlag in Kabul
Ukraine Panik bei Pressekonferenz in Donezk nach Explosion
DJ Hardwell Holländer zum zweiten Mal bester DJ der Welt
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Lichterglanz

Berlin erstrahlt beim "Festival of Lights"

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote