15.12.12

Hertha BSC

Kapitän Niemeyers schlimmstes Erlebnis seiner Karriere

Vor dem letzten Spiel des Jahres spricht Herthas Peter Niemeyer über Abstiegsfrust, Aufstiegseuphorie und ein nervenaufreibendes Jahr.

Von Jörn Meyn
Foto: picture alliance / ZB

Aufstieg im Blick: In 75 Ligaspielen stand Peter Niemeyer für Hertha auf dem Platz. Mit den Berlinern will er zurück in die Bundesliga
Aufstieg im Blick: In 75 Ligaspielen stand Peter Niemeyer für Hertha auf dem Platz. Mit den Berlinern will er zurück in die Bundesliga

Am Mittwoch gab es für Peter Niemeyer ein weiteres Highlight des Jahres: Seine Nichte wurde geboren, und in der Aufregung hätte er dieses Interview fast vergessen.

Am heutigen Sonnabend (13 Uhr, Olympiastadion, HIER im Live-Ticker der Berliner Morgenpost) tritt der 29-Jährige noch einmal mit Hertha BSC in der Zweiten Liga an. Es ist der Schlusspunkt eines nervenaufreibenden Jahres 2012, in dem die Berliner nach dem Bundesligaabstieg am Boden waren und nunmehr nach 16 Spielen ohne Niederlage vom Aufstieg träumen. Die Berliner Morgenpost sprach mit Niemeyer über das schwerste Jahr seiner Karriere.

Berliner Morgenpost: Herr Niemeyer, zum letzten Spiel des Jahres kommt der FSV Frankfurt ins Olympiastadion. Eine besondere Begegnung für Hertha?

Peter Niemeyer: Es ist in der Tat ein besonderes Spiel für uns, weil es der einzige Gegner ist, der uns bisher in der Saison schon geschlagen hat. Deshalb ist eine gewisse Brisanz in der Partie. Das ist auch ganz gut so. Es war ein sehr langes Jahr, das physisch als auch psychisch sehr viel Kraft gekostet hat. Frankfurt ist da genau der richtige Gegner. Da sind alle Sinne noch einmal besonders geschärft.

Berliner Morgenpost: Braucht es zum Ende des Jahres eine besondere Motivation?

Peter Niemeyer: Man weiß: Sonntag hat man endlich Ferien. So kurz vor Ende ist dann immer die Gefahr, dass der ein oder andere vielleicht schon in Urlaubsstimmung ist. Dadurch, dass es aber ein besonderer Gegner ist, werden wir noch einmal extra motiviert sein.

Berliner Morgenpost: Warum würde Hertha ein Spiel wie die Niederlage gegen Frankfurt am 2. Spieltag nicht noch einmal passieren?

Peter Niemeyer: Ich gehe davon aus, dass wir noch einmal ein Spiel in dieser Saison verlieren werden. Aber die Art und Weise, wie wir damals in Frankfurt verloren haben, das wird uns nicht mehr passieren. Wir sind viel gefestigter. Wir haben mittlerweile Stabilität und eine mentale Stärke im Team. Das hat uns zu Saisonbeginn noch gefehlt. Wir hatten viele Individualisten auf dem Platz. Jeder hat versucht, seinen eigenen Krieg zu kämpfen. Dadurch haben wir das große Ganze aus den Augen verloren.

Bertliner Morgenpost: Tat Jos Luhukay dieser Mannschaft gut nach dem Abstieg aus der Bundesliga?

Peter Niemeyer: Der Mannschaft und mir persönlich hat er besonders gut getan. Nach dem Abstieg hatte ich das Gefühl, dass ich vor einem riesigen Berg stehe und nicht wusste, wie ich rüberkommen soll. Auch ich hatte meinen eigenen Krieg und habe keinen Ausweg gefunden. Ich brauchte jemanden, an dem ich mich festhalten konnte. Jemanden, der einen Plan hat, an dem ich mich orientieren konnte. Wenn der Trainer sagt, "'Ab Oktober sind wir schwer zu schlagen", und dann tritt das wirklich ein, dann hängst du ihm noch mehr an den Lippen. Luhukay hat uns wieder Sicherheit gegeben. Ich glaube, dass darin auch der Schlüssel zu unserem Erfolg liegt.

Berliner Morgenpost: Sie haben einmal gesagt, dass der Abstieg aus der Bundesliga einer der schwersten Momente in Ihrer Karriere war.

Peter Niemeyer: Das hat damals enorm vieles in mir verändert. Es war eine Extremsituation. Ich habe das alles mit nach Hause genommen. Ich konnte nicht einfach sagen: Ich fahre jetzt vom Gelände, und dann ist mir das egal. Ich konnte nicht ins Restaurant oder in den Supermarkt gehen, weil ich immer das Gefühl hatte, die Leute denken: "Was macht der hier? Der muss eigentlich zu Hause sitzen und schmollen." Ich habe darüber nachgedacht, hier alles hinzuwerfen. Aber das wäre Weglaufen gewesen.

Berliner Morgenpost: Was war Ihr schlimmstes Erlebnis 2012?

Peter Niemeyer: Der Tag, als ich im juristischen Nachspiel zur Relegation vor dem Richter saß. Das war das schlimmste Erlebnis meiner Karriere. Das wünsche ich keinem.

Berliner Morgenpost: Hatten Sie zu Beginn der neuen Saison Versagensängste?

Peter Niemeyer: Ja. Nach so einem Erlebnis zweifelt man an sich. Aber ich kenne niemanden, der keine Versagensängste hat. Bei uns schauen nur mehr Leute zu, und deshalb ist der Druck vielleicht auch etwas größer.

Berliner Morgenpost: Nun ist der Erfolg zurück. 16 Spiele hat Hertha nicht mehr verloren. Die gleichen Leute, die Sie nach dem Abstieg zum Teufel gewünscht haben, jubeln Ihnen jetzt wieder zu. Widert Sie das Geschäft manchmal an?

Peter Niemeyer: Ja, total. Man fragt sich manchmal, ob man für das Fußball-Geschäft gemacht ist. Aber wer ist das schon? Letztendlich bin ich kein anderer Mensch. Ob ich mit der Mannschaft vergangene Saison 6:0 gegen Bayern München verloren, oder diese Saison im Derby 2:1 gegen Union gewonnen habe. Ich habe trotzdem versucht, alles zu geben. Aber man wird hochgejubelt oder fallen gelassen. Hast du Erfolg, lachen dich alle an. Hast du Misserfolg, schlagen alle auf dich ein. Fußball ist manchmal grenzwertig.

Berliner Morgenpost: Relativieren Sie den jüngsten Erfolg vor diesem Hintergrund?

Peter Niemeyer: Ich versuche es zumindest.

Berliner Morgenpost: Was nehmen Sie aus dem turbulenten Hertha-Jahr 2012 mit?

Peter Niemeyer: Besonders im privaten Bereich habe ich viel gelernt. Nach dem Abstieg habe ich gesehen, dass ich mich extrem auf meine Familie verlassen kann. Im sportlichen Bereich habe ich gelernt, dass man sich immer der Situation stellen muss. Egal, wie schwierig es auch sein mag.

Berliner Morgenpost: Was wünschen Sie sich für 2013?

Peter Niemeyer: Privat wünsche ich mir, dass ich einen gesunden Sohn bekomme. Sportlich will ich mit Hertha aufsteigen. Wir haben eine riesengroße Chance. Wir haben ein tolles Fundament gelegt und wollen 2013 die Früchte ernten. Hertha gehört in die erste Liga.

Berliner Morgenpost: So ein Auf und Ab wie 2012 muss es im kommenden Jahr aber nicht wieder sein, oder?

Peter Niemeyer: Letztendlich war es eine riesige Erfahrung. Auf die Tiefen von 2012 kann ich im nächsten Jahr aber verzichten.

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