14.12.12

Zweite Liga

Vor dem letzten Spiel des Jahres ist Hertha hoch motiviert

Nicht nur die Chance auf Revanche wird die Berliner am Sonnabend gegen den FSV Frankfurt anheizen. Auch die Aussicht auf Platz eins lockt.

Von Uwe Bremer
Foto: picture alliance / Digitalfoto M

Ohne Orientierung: In der Hinserie sahen Herthas Roman Hubnik (Nr. 4), Peter Niemeyer (Nr. 18) und John Brooks gegen den FSV, hier Moise Bambara, schlecht aus
Ohne Orientierung: In der Hinserie sahen Herthas Roman Hubnik (Nr. 4), Peter Niemeyer (Nr. 18) und John Brooks gegen den FSV, hier Moise Bambara, schlecht aus

Es war heiß. Das Thermometer zeigte an jenem August-Sonntag am Bornheimer Hang über 33 Grad. Doch in Erinnerung geblieben ist den Herthaner der Ausflug nach Frankfurt aus einem anderen Grund. Mit 1:3 unterlag der Bundesliga-Absteiger beim FSV. Dazu kassierte Torwart Sascha Burchert eine Rote Karte. Das Fachmagazin "Kicker" verteilte bei Hertha fünfmal die Note 5 und zweimal die 6 (für Ronny und Ramos). Ob der Leistung der Mannschaft bekam Jos Luhukay einen öffentlichen Wutanfall: "Katastrophal! Inakzeptabel! Das ist traurig für mein Herz", zürnte der Trainer nach der Blamage in Hessen.

Möhlmann wird Rekordtrainer

Wie sich die Zeiten geändert haben. Am Sonnabend tritt Hertha BSC erneut gegen den FSV Frankfurt an, diesmal im Kühlschrank Olympiastadion (13 Uhr). Vorab werden ein paar Blumen gebunden. FSV-Trainer Benno Möhlmann (58) wird sein 419. Spiel als Zweitliga-Trainer bestreiten und damit mit dem bisherigen Rekordmann Uwe Klimaschewski gleichziehen. Pünktlich zum Ereignis hat der FSV den Vertrag von Möhlmann um ein weiteres Jahr bis Juni 2014 verlängert. Doch auf eine neue Sensation angesprochen, wehrt Möhlmann ab. "Wir wissen das einzuschätzen. Dieses Spiel ist ein ganz anderes als zu Beginn der Saison, als Hertha noch lange nicht in der Verfassung war, die sie jetzt hat. Wir wissen, dass wir Hertha damals geschlagen haben, weil sie einfach schlecht drauf waren und weil zu Hause einige Dinge für uns gesprochen haben."

Hertha-Kollege Luhukay mag nicht gern erinnert werden an das 1:3. "Wir können mit einem Sieg gegen Frankfurt für mindestens 48 Stunden Platz eins übernehmen. Das ist genug Motivation." In der Tat haben sich die Berliner vor dem letzten Spiel des Jahres eine hervorragende Ausgangsposition erarbeitet. Sie sind seit 16 Partien, eben seit jenem August-Sonntag, ungeschlagen. Nach dem 1:0 in Paderborn und dem gleichzeitigen 2:2 von Braunschweig in Köln ist Hertha dem Spitzenreiter bis auf zwei Punkte nahe gerückt. Somit kann der Hauptstadt-Klub sein Ziel, Weihnachtsmeister zu werden, doch noch erreichen: Wenn Hertha gewinnt und am Montagabend der 1. FC Union mindestens einen Zähler in Braunschweig holt.

Hertha hat die bisher einzige Niederlage nicht vergessen

Gäste-Trainer Möhlmann formuliert die Rangliste in der Liga so: "Auch wenn Eintracht Braunschweig zu Recht Tabellenführer ist, spielen wir in Berlin bei der meiner Meinung nach besten und stärksten Mannschaft dieser Liga."

Luhukay schlägt dann doch den Bogen von der ersten und bisher einzigen Saisonniederlage in die Gegenwart. Ja, das sei eine negative Erfahrung gewesen. "Ich habe vom ersten Tag an gesagt, dass wir nur über das Kollektiv zum Erfolg kommen können. Am Ende soll das Ziel Aufstieg stehen. Das geht nur mit der gesamten Mannschaft. Das erfordert von jedem Spieler eine hohe Bereitschaft. Auch die, sich mal unterzuordnen. Das eigene Ego zurückstellen, um das Gefüge nicht zu gefährden. Das hat die Mannschaft im Lauf der Saison hervorragend umgesetzt. Sie hat eine positive Mentalität."

Vor allem hat sich einiges entwickelt im blau-weißen Jahrgang seit dem Sommer. So werden diesmal nur sechs Spieler beginnen, die auch vor vier Monaten dabei waren. Während aus unterschiedlichen Gründen Sascha Burchert, Roman Hubnik, Nico Schulz, Marvin Knoll und Änis Ben-Hatira nicht dabei sind. Auch den taktischen Versuch, Ronny im defensiven Mittelfeld aufzubieten, hat Luhukay seit dem zweiten Hinrunden-Spieltag nicht mehr wiederholt. "Ronny ist da zu weit vom gegnerischen Tor weg, da kann er seine eigentlichen Stärken nicht ausspielen", sagt der Trainer, der den Brasilianer seither in der Spielmacher-Rolle einsetzt.

Kapitän Peter Niemeyer räumt offenherzig ein, dass das Team die bisher einzige Niederlage nicht vergessen hat. "Dadurch, dass es ein besonderer Gegner ist, sind wir noch mal extra motiviert."

30.000 Zuschauer werden erwartet

Die Frankfurter müssen auf den grippekranken Offensivspieler Zafer Yelen verzichten. Die letzten Resultate belegen ihren Status als unbequemen Gegner: Gegen Sandhausen gab es einen 3:1-Sieg, gegen die Liga-Schwergewichte Braunschweig (1:2) und Kaiserslautern (0:1) setzte es zwei knappe Niederlagen. Am Sonnabend erwartet Hertha zum neunten Saison-Heimspiel 30.000 Zuschauer. Und Trainer-Routinier Möhlmann schiebt den Gastgebern mal locker die Favoritenrolle zu: "Mittlerweile ist Hertha stabil und gut. Wir müssen eine ganz andere Leistung bringen als im August, um im Olympiastadion zu punkten." Aber die Berliner sollten aufpassen. Möhlmann warnt: "Auch wir haben uns weiterentwickelt. Auch wir sind in der Lage, besser zu spielen, als wir damals gegen Hertha gespielt haben."

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