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Analyse

Hertha ist zum Trainingsauftakt eine Großbaustelle

In 43 Tagen startet die neue Bundesliga-Saison, und Hertha BSC hat noch viel zu tun. Am heutigen Donnerstag ist Trainingsstart. Morgenpost Online schaut auf die Problemzonen des Vereins, an denen Trainer und Geschäftsführer arbeiten müssen.

Lucien Favre
Foto: AP
Trainer Lucien Favre muss sich bei Hertha BSC bis zum Saisonstart noch um einige Problemzonen kümmern

Sein erster Weg führte Lucien Favre unmittelbar an den Arbeitsplatz. Der Trainer von Hertha BSC war kaum zurück in der Stadt, da erwartete ihn Michael Preetz, der neue Manager und Geschäftsführer Sport, Mittwochnachmittag schon in der Geschäftsstelle des Berliner Bundesligisten. Nach exakt vier Wochen Sommerurlaub drängt die Zeit – schon in 43 Tagen beginnt die Saison 2009/10, doch noch wirkt der Klub wie eine einzige große Baustelle.

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Problemzone Kader

Von Donnerstag an bereitet sich die Mannschaft auf die anstehende Spielzeit vor. Um 10 Uhr bittet Favre zur ersten Einheit, die meisten Nationalspieler fehlen jedoch noch. Arne Friedrich hat infolge der Asien-Reise der Nationalmannschaft bis 1. Juli Sonderurlaub erhalten, Josip Simunic muss sogar erst am 6. Juli einsteigen. Gojko Kacar schied mit Serbien am Dienstag nach der Vorrunde der U21-EM in Schweden aus, dagegen bestreitet Patrick Ebert morgen mit Deutschland das Halbfinale gegen Italien. Entsprechend spät(er) werden auch diese beiden ins Training bei Hertha einsteigen.

Bislang einziger Zugang ist Abwehr-Allrounder Christoph Janker, der ablösefrei von Hoffenheim nach Berlin wechselte. Insbesondere diesem Umstand war das schnelle Zusammentreffen von Preetz und Favre am Mittwoch geschuldet. „Wir wollen ein paar Personalien beschleunigen“, sagte Preetz zu Morgenpost Online. Noch drei Spieler – in jedem Fall ein Stürmer und dazu entweder zwei Mittelfeldspieler oder nur ein Mittelfeldspieler und ein Verteidiger – sollen unter Vertrag genommen werden. Doch bleibt das Problem, dass im Markt momentan kaum Bewegung herrscht.

Problemzone Klima

Nicht der bislang äußerst wechselhafte Sommer ist das Problem. Das Klima ist anderweitig angespannt. Es bleibe immer was hängen, hatte Friedrich nach seiner Degradierung zum Reservisten im Saisonfinale in Richtung Favre geäußert. Was immer tatsächlich über den Sommer hängen geblieben sein mag, soll alsbald in einem klärenden Gespräch von Trainer und Kapitän aus der Welt geschafft werden. „Arne ist Favres verlängerter Arm auf dem Platz, die beiden sind aufeinander angewiesen“, ermahnt Preetz zu einer raschen Beilegung etwaiger Dissonanzen.

Komplizierter wird das im Fall Simunic. Der Kroate bedient sich gerade scheinbar der modernen Mechanismen des Marktes, mittels derer vertraglich gebundene Spieler ihren Abgang provozieren. Favre soll, so jedenfalls geht die Legende, intern Zweifel angemeldet haben, ob Simunic noch einmal eine so starke Saison spielen kann, wie er es vergangene Spielzeit getan hat. Preetz bestreitet das, Werner Gegenbauer ebenso – und nachweislich haben in den vergangenen Wochen nur der Manager und der Präsident von Hertha Kontakt zu Favre gehalten. Medienanfragen blockte der Trainer während seines Urlaubs dagegen konsequent ab.

Um die Sachlage zu klären, versuchte Favre in den vergangenen Tagen mehrfach, Simunic telefonisch zu erreichen, doch der Angerufene verweigerte jedes Gespräch. Stattdessen lancierte Berater Gordon Stipic das dringende und dem Vernehmen nach unwiderrufliche Bedürfnis seines Klienten, Berlin infolge des angeblichen Vertrauensbruchs durch Favre möglichst zeitnah zu verlassen. Vereine aus England und Spanien, aber auch der Bundesliga hätten konkretes Interesse an einer Verpflichtung. Dem entgegen steht der Fakt, dass bei Hertha auch weiterhin kein Angebot über jene sieben Millionen Euro eingegangen ist, für die Simunic den Verein noch bis Dienstag kommender Woche uneingeschränkt verlassen kann. Nach diesem Stichtag ist die Transfersumme frei verhandelbar – und obgleich Simunic zu jenen Spielern gehört, mit denen sich der notwendige Transferüberschuss von wenigstens fünf Millionen Euro am sichersten realisieren ließe, ist Herthas Interesse an einem Verkauf nicht sehr groß. Am Mittwoch sagte Stipic, dass Simunic „zum jetzigen Stand bleibt."

Problemzone Hoeneß

Nanu, Problem Hoeneß – immer noch? Ja, denn der Ex-Manager ist formell noch bis 30. Juni einer von bis dahin drei Geschäftsführern bei Hertha und füllt diese Rolle demonstrativ mit Anwesenheit aus. Seit seiner Rückkehr aus dem Sardinien-Urlaub war er regelmäßig auf der Geschäftsstelle zugegen, wo er sich die meiste Zeit mit seinen engsten Vertrauten, Klubjurist Jochen Sauer und Pressesprecher Hans Felder, umgibt. Fakt ist hier: Erst vom 1. Juli an können so die neuen Strukturen bei Hertha vollends Einzug halten – der bis dahin vielfach noch lähmende Stillstand kostet Zeit, die Hertha kaum hat.

Problemzone Außendarstellung

Bislang galt: Hertha ist Hoeneß. Der Manager war allgegenwärtiges Sprachrohr in sämtlichen Angelegenheiten. Das wird sich nun ändern. Preetz hat bereits angekündigt, dass sich seine Präsenz in der Öffentlichkeit gemäß seiner neuen Rolle ändern wird – erste Ansätze davon sind schon sichtbar geworden. Aber nicht nur das Wort des neuen Managers ist künftig wichtig; auch Favre muss in der Öffentlichkeit stärker präsent sein. Vier Wochen hatte sich der Schweizer fast komplett zurückgezogen, fortan wird er nicht mehr schweigen können. Das englische Modell, nach dem sich Klubs und ihre Würdenträger fast vollständig von der Außenwelt abschotten, „funktioniert in Deutschland nicht“, sagt Preetz: „Schon gar nicht in Berlin.“

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