11.12.12

Sicherheitskonzept

Hertha droht Ärger mit der Fangemeinde

Die Berliner riskieren mit dem Votum für das DFL-Konzept Ärger mit den Fans, den der Klub sich nicht leisten kann.

Von Uwe Bremer
Foto: dpa

Friede, Freude, Heiterkeit: Die Profis sorgen mit ihren Siegen für prima Stimmung bei den Hertha-Fans, doch die könnte sich nun beim DFL-Gipfel trüben
Friede, Freude, Heiterkeit: Die Profis sorgen mit ihren Siegen für prima Stimmung bei den Hertha-Fans, doch die könnte sich nun beim DFL-Gipfel trüben

Der Hinflug ist fest gebucht, das Rückflug-Ticket hingegen flexibel gehalten. Um 9.15 Uhr werden Ingo Schiller und Thomas Herrich, beide aus der Geschäftsleitung von Hertha BSC, sich von Tegel auf den Weg nach Frankfurt/Main begeben. Der Hauptstadt-Klub ist einer von 36 Vereinen, der bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) über insgesamt 16 Anträge zum Thema "Sicheres Stadionerlebnis" abstimmen. Die DFL gab vorab den Hinweis, dass es erhebliche zeitliche Verschiebungen geben könne.

Seit Jahren war kein Treffen der Profiklubs so aufgeladen wie dieses. Politiker, allen voran Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU), machen Druck: Wenn der Fußball seine Probleme in diesem Jahr nicht selbst in den Griff bekomme, werde die Politik dieses regeln. Auf der anderen Seite stehen die Fans. Die haben mit ihrer Aktion 12:12 demonstriert, wie stimmungsarm sich Fußballstadien ohne Fan-Unterstützung anhören.

Hertha BSC ist ein besonderes Beispiel dafür, wie Vereine in der Zwickmühle stecken. Egal, wie sich der Klub heute verhält, ist Ärger programmiert.

Rückblick: Intern im Verein und auch bei den Fans gibt es ein Eigenbild, das Hertha BSC ein toller Klub sei mit einer fantastischen Unterstützung durch die Anhänger. Der Außenblick ist ein anderer. Bundesweit werden mit Hertha die Bengalos im Gästeblock beim skandalösen Relegationsrückspiel in Düsseldorf assoziiert. Die vielen Risikospiele, die ausgerufen werden, sobald Hertha-Anhänger sich auf Reisen begeben. Auch das Auftreten von Anwalt Christoph Schickhardt ("Spieler hatten Todesangst") in den DFB-Prozessen nach den Skandalen von Düsseldorf war kein Ruhmesblatt für Hertha.

Der Volksmund sagt zwar "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt's sich gänzlich ungeniert" – für Hertha jedoch gilt das Gegenteil. Die Klubführung um Präsident Werner Gegenbauer und Manager Michael Preetz weiß, dass der Verein sich in dieser Saison keinerlei negative Auffälligkeiten leisten darf. Deshalb hat der Verein den ohnehin bestehenden Dialog mit den Fans intensiviert. Deshalb gehörte Hertha zu jenen Klubs, wie Union und St. Pauli, die das erste DFL-Papier abgelehnt haben.

Ultras forderten Ablehnung

Auf der Mitgliederversammlung am 26. November hat ein Vertreter der Ultras der Geschäftsleitung empfohlen, das Papier auch heute abzulehnen.

Doch das wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht passieren. Vor der Versammlung wollte sich Hertha nicht in die Karten schauen lassen. Aber in Berlin verweisen die Vereinsvertreter – wie auch anderorts – darauf, dass das umstrittene erste Papier an vielen Stellen überarbeitet worden sei. Direkt widersprochen wird dem Vorwurf der Politik, die Bundesliga und die Zweite Liga hätten ein Sicherheitsproblem. "Das Olympiastadion ist an Spieltagen einer der sichersten Orte in Berlin", sagte Herthas Finanzchef Schiller. Gleichwohl räumt er ein, problematisch sei, was außerhalb der Stadien und auf Auswärtsfahrten passiere.

Dennoch sind so gut wie alle Vereine verärgert, dass in der Argumentation mancher Politiker Fans als potenzielle Verbrecher dargestellt werden. Aber auch Feindbilder auf der anderen Seite helfen nicht. So geben sich einige Fans als die Oberdemokraten. Dem stehen die krassen "Bullen-Schweine"- und "Fußball-Mafia DFB"-Sprechchöre entgegen, die Wochenende für Wochenende zu hören sind.

Bei Hertha gibt es daher die Erwartung, dass die Vereine ihre Souveränität betonen. Dazu gehöre auch, dass es unterschiedliche Meinungen innerhalb der DFL geben wird. Wichtig jedoch sei, dass das Thema nicht vertagt wird, sondern, dass die DFL am Ende mit einer Botschaft an die Öffentlichkeit tritt. So steht zu erwarten, dass eine deutliche Mehrheit der 36 Klubs, den überarbeiteten Anträgen zustimmen wird.

Es wird ein klares Bekenntnis zu den Stehplätzen geben. Die Vereine werden noch stärker in die Verantwortung genommen, was die Einlasskontrollen und die Ordnungsdienste angeht. Vielleicht gelingt es, den Punkt der Totalkontrolle zu entdramatisieren. An Ganzkörper-Kontrollen, wie sie der FC Bayern jüngst vorgenommen hat, stören sich die Fans besonders. Die sind theoretisch aber heute schon möglich.

Allerdings werden die Klubs Pyrotechnik klar ablehnen. Den Kurs, den die Vereine gegen Randalierer und Bengalo-Träger fahren, skizzierte Martin Kind, der Präsident von Hannover 96. Hannover war wegen diverser Pyro-Vorfälle beim DFB-Pokalsspiel gegen Dynamo Dresden vom DFB zu einer Strafe von 70.000 Euro verurteilt worden. "Der Schaden für Hannover 96 ist immens, nicht nur finanziell", sagte Kind. "Es ist nicht zu akzeptieren, dass wir für das Fehlverhalten Dritter derartige Strafen in Kauf nehmen müssen." Kind kündigte an, im Stadion in Hannover neue Videotechnik installieren zu lassen, um Randalierer besser identifizieren zu können. So wolle er die Geldstrafen über die Verursacher wieder eintreiben.

Frankfurt erwartet Proteste

Bei diesem Punkt haben sich die Fans in der Diskussion bisher weggeduckt. Die Mehrheit von ihnen hat nichts zu tun mit Randalen oder Bengalos. Aber was passiert, wenn einzelne straffällig werden?

Hertha wird sehr wahrscheinlich zu jenen Vereinen gehören, die dem überarbeiteten Sicherheitspapier zustimmen. Wissend, dass es bei Teilen der eigenen Anhängerschaft damit Unzufriedenheit auslösen wird. Das nächste Spiel ist ein Heimspiel gegen den FSV Frankfurt am Sonnabend im Olympiastadion – wie werden die Fans reagieren? Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann, Jurist und Vorstandsmitglied von Eintracht Frankfurt, sieht die Entwicklung pragmatisch: "Es wird auch nach dem 12. Dezember eine Welle des Protestes geben. Da mache ich mir nichts vor. Aber diese Welle müssen wir aushalten."

Und Hertha weiß, um die eigene Lizenz nicht zu gefährden, darf nichts passieren.

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