08.12.12

Sieg gegen Paderborn

Hertha bleibt dank Ramos auf Bundesliga-Kurs

Das Team von Trainer Luhukay kann gegen Paderborn spielerisch nicht überzeugen, bleibt aber im 16. Spiel nacheinander ohne Niederlage.

Von Jörn Meyn
Foto: dapd

Trifft für Hertha gegen Paderborn: Berlins Adrian Ramos
Trifft für Hertha gegen Paderborn: Berlins Adrian Ramos

Als der Knoten geplatzt war, da tanzten sie wieder bei Hertha BSC. Adrian Ramos lief zur Eckfahne, schwang gekonnt die Hüften und jubelte ausgelassen.

Soeben hatte Herthas kolumbianischer Angreifer den erlösenden Siegtreffer für die Berliner gegen den SC Paderborn erzielt, als er nach Vorarbeit von Peter Niemeyer im Strafraum den Ball annahm und ihn trocken ins kurze Eck schob (65. Minute). Nun kam ihm sein Kollege Ronny zu Hilfe und führte seinerseits ein ansehnliches Tänzchen auf.

Hertha siegt zum Rückrundenauftakt in Ostwestfalen mit 1:0 und rückt damit vorübergehend bis auf einen einzigen Zähler an Tabellenführer Eintracht Braunschweig heran, der erst am Montag in Köln antreten muss. Und weil der Stadtrivale FC Union am Freitagabend Schützenhilfe gegen Kaiserslautern geleistet hat (2:0), ist nunmehr auch der Abstand auf die Verfolger auf beruhigende sieben Punkte angewachsen. Die Stimmung, sie konnte also prächtiger kaum sein bei den Blau-Weißen.

Gespenstische Stille im Paderborner Stadion

Dabei hatte die Partie alles andere als stimmungsvoll begonnen. Eine gespenstische Stille zog sich durch die Benteler Arena, als Schiedsrichter Tobias Stieler die Begegnung anpfiff. Zwölf Minuten lang schwiegen die meisten der 9416 Zuschauer auf den Rängen.

Es war eine Geste im Rahmen der Aktion 12:12, die, wie schon in den vergangenen zwei Wochen, gegen die geplanten Sicherheitsbestimmungen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) protestierten, welche am 12. Dezember beschlossen werden sollen. Das Timing stimmte, denn just als die zwölfte Minuten beendet war, erlebte die Begegnung ihren ersten Höhepunkt: Paderborns Thomas Bertels köpfte eine Hereingabe gefährlich auf das Berliner Tor, doch Torwart Thomas Kraft parierte glänzend.

Nun zeigten die Paderborner, was sie sich für die Partie gegen den Tabellenzweiten vorgenommen hatten: hart in die Zweikämpfe gehen und damit den Spielfluss der Berliner unterbrechen. Paderborns Daniel Brückner musste froh sein, nicht schon früh vom Platz zu fliegen, als er den frei aufs Tor zulaufenden Fabian Lustenberger an der Mittellinie unsanft zu Fall brachte und nur Gelb sah.

Paderborn sammelt fünf Gelbe Karten

Es war nur der Auftakt einer Reihe von Grenzwertigkeiten auf Seiten der Gastgeber, die am Ende fünf Gelbe Karten zu Buche stehen hatten (22 Fouls). "Es war ein dreckiges Spiel vom Gegner, das noch von der Trainerbank aufgeheizt wurde", beschwerte sich Herthas Manager Michael Preetz später. "Zwischendurch drohte das Spiel aus dem Ruder zu laufen." Doch Hertha hielt dagegen und sammelte ihrerseits drei Verwarnungen (16 Fouls). Zuvor hatte Paderborn bereits einmal Glück, als Schiedsrichter Stieler ein Foulspiel an Peer Kluge im Strafraum übersah (5.).

Die beste Chance in einem magereren ersten Durchgang hatte Hertha, als Sami Allagui nach feinem Pass vom agilen Ramos frei vor Paderborns Ersatztorwart Daniel Lück auftauchte, diesem den Ball aber direkt in die Arme lupfte. Ansonsten fiel Hertha zunächst wenig ein.

Hertha-Fans zünden Knallkörper und werfen mit Tennisbällen

Zum Anpfiff der zweiten Hälften sorgten die etwa 1400 mitgereisten Hertha-Anhänger für Aufsehen. Sie warfen 50 Tennisbälle sowie Papierrollen aufs Feld, ein Knallkörper wurde gezündet. Dazu entrollten sie ein Transparent: "Tennis-Publikum, nicht mit uns". Die Mannschaften aber ließen sich davon nicht aus dem Konzept bringen, und das Spiel nahm plötzlich Fahrt auf. Erst scheiterte der bemühte Ben Sahar aus Halbdistanz an Lück (52.). Dann parierte Kraft auf der anderen Seite einen Weitschuss von Paderborns bestem Akteur Alban Meha. Schließlich war Ramos zur Stelle und sorgte mit seinem sechsten Saisontreffer für den letztlich nicht unverdienten Auswärtserfolg.

Ramos' späte Rache für einen rätselhaften Platzverweis

Vielleicht war es auch Ramos' späte Rache für einen rätselhaften Platzverweis, den er bei Herthas letztem Gastspiel in Paderborn hinnehmen musste. Vor zwei Jahren verloren die Berliner nicht nur ihren Angreifer, sondern auch das Spiel, und es begann eine Durststrecke mit vier Pleiten aus fünf Spielen. Ramos also war es, der aktuell dafür sorgt, dass Hertha nunmehr seit 16 Spielen ungeschlagen ist und mit 39 Punkten auf Aufstiegskurs liegt.

"Es war ein Arbeitssieg. Paderborn hat uns alles abverlangt, mit legalen und auch nicht so legalen Mitteln", sagte später Kapitän Niemeyer. Und sein Trainer ergänzte: "Natürlich war es am Ende auch etwas glücklich." Sein Kollege auf der anderen Seite, der Ex-Herthaner Stephan Schmidt, trauerte besonders der letzten Chance seiner Mannschaft nach, als Meha einen direkten Freistoß an die Latte schoss (80.): "Wir hätten definitiv einen Punkt verdient gehabt."

Am letzten Spieltag in diesem Jahr erwartet Hertha in einer Woche den FSV Frankfurt. Gegen die Hessen musste Luhukays Team die bisher einzige Saisonniederlage hinnehmen.

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