08.12.12

Auswärtsspiel

Warum Berlin bei Hertha-Gegner Paderborn immer präsent ist

Herthas nächster Gegner wird von einem gebürtigen Berliner trainiert, den Manager Preetz gern als Jugendtrainer behalten hätte.

Von Jörn Meyn
Foto: dapd

Gebürtiger Berliner: Paderborns Coach Stephan Schmidt spielte bei den Hertha-Amateuren mit Patrick Ebert und Kevin-Prince Boateng zusammen
Gebürtiger Berliner: Paderborns Coach Stephan Schmidt spielte bei den Hertha-Amateuren mit Patrick Ebert und Kevin-Prince Boateng zusammen

Es ist ein bisschen so, als spiele Stephan Schmidt gegen die eigenen Eltern – gegen die, die ihn großgezogen haben, gewissermaßen. Wenn der Cheftrainer des SC Paderborn am Sonnabend mit seiner Mannschaft zum Auftakt der Rückrunde in der Zweiten Liga den Tabellenzweiten Hertha BSC empfängt (13 Uhr/Sky), dann wird das für den 36-Jährigen keine ganz gewöhnliche Partie. Nein, ein bisschen emotionaler könnte es schon werden, denn für Schmidt liegt aller Anfang in Berlin und – zumindest was den Beruf des Fußballlehrers angeht – bei Hertha BSC. Natürlich werde das Duell ein ganz Besonderes für ihn, sagte Schmidt der Berliner Morgenpost, "denn ich kenne aus meiner Zeit bei Hertha noch viele im Verein".

Schmidts Zeit bei Hertha, sie hat zweierlei Facetten. Im Spätherbst seiner Profikarriere heuerte der gebürtige Berliner bei den Amateuren der Blau-Weißen an. Als Kapitän der U23 führte er die späteren Bundesligaspieler Patrick Ebert, Kevin-Prince Boateng und Ashkan Dejagah aufs Feld. Durch sie lernte er, wie man mit hochveranlagten, aber ungestümen Talenten umgehen muss, um Erfolg zu haben. Daneben arbeitete der studierte Sportmanager als Dozent an Herthas Kooperationsschule, der Poelchau-Oberschule, bis er nach einem allerletzten Gastspiel bei Tennis Borussia seine aktive Karriere endgültig beendete und sich ganz dem Trainerberuf widmete.

Preetz hätte Schmidt gern in Berlin behalten

2007 übernahm Schmidt den Posten als Co-Trainer von Herthas U19, und so könnte man auch sagen, dass das Zweitliga-Duell gegen Hertha ebenso ein Spiel gegen die eigenen Kinder ist. Denn im Kader der Berliner stehen mit Fabian Holland, Marvin Knoll und Sascha Burchert gleich drei Akteure, die Schmidt bereits im Nachwuchsteam betreut hat. An ihrer Entwicklung hatte er Teil und sie an seiner: "Es waren lehrreiche Jahre für mich in Berlin, und ich habe viele positive Erfahrungen gemacht, die wichtig waren für meine Laufbahn", sagte Schmidt. Nach zwei Jahren als Assistenzcoach und dem erfolgreichen Absolvieren der Fußballlehrer-Ausbildung lockte ihn Felix Magath jedoch zum VfL Wolfsburg. "Dort hatte ich die Möglichkeit, Cheftrainer der U19 zu werden. Diese Chance hatte ich bei Hertha zu diesem Zeitpunkt nicht", sagte Schmidt ohne Vorwurf in der Stimme.

Bei Hertha macht man keinen Hehl daraus, dass man den ambitionierten Übungsleiter gern in Berlin gehalten hätte: "Ja, das weiß Stephan, dass wir ihn gern weiter bei uns beschäftigt hätten", sagte Herthas Manager Michael Preetz, der einräumte, dass es damals keine vergleichbare Perspektive im Verein gegeben hat. Preetz ist beeindruckt von Schmidts Entwicklung, nachdem dieser im Sommer die Nachfolge des zu Red Bull Salzburg abgewanderten Roger Schmidt beim SC Paderborn angetreten hat: "Er hat dort eine tolle Leistung gezeigt. Eine Mannschaft wie Paderborn zu stabilisieren, die so viele schmerzhafte Abgänge zu verkraften hatte, das ist nicht selbstverständlich und spricht für die Arbeit des Trainers", sagte Preetz. Mit 23 Punkten hat Schmidt die Ostwestfalen auf Platz elf und damit ins gesicherte Mittelfeld geführt. Nicht zuletzt aufgrund dieser Hinrunde ist sich Preetz sicher, dass der alte Kollege "seinen Weg im Trainergeschäft gehen wird".

Wiedersehen für Hertha-Coach Luhukay

Doch nicht nur für Stephan Schmidt ist die Partie zwischen Paderborn und Hertha ein Spiel gegen die eigene Vergangenheit. Denn auch für Herthas Chefcoach Jos Luhukay wird es ein Wiedersehen. Ähnlich wie Schmidt in Berlin machte der Niederländer beim nächsten Gegner wichtige erste Schritte seiner Trainerkarriere. In der Spielzeit 2005/2006 landete Luhukay mit dem SC Paderborn überraschend auf Platz neun in der Zweiten Liga und avancierte damit zum besten Aufsteiger der Saison. Auch wenn der 49-Jährige wenig später aufgrund von Differenzen mit der Vereinsführung überraschend zurücktrat, sagt er: "Ich fahre immer mit einem sehr guten Gefühl nach Paderborn."

Nicht nur schöne Erinnerungen an seine Zeit an der Pader hat sich Luhukay erhalten, sondern auch den Respekt für die Arbeit des Klubs. "Man kann nicht genug Hochachtung für diesen Verein haben, der sich mit begrenzten Mitteln in der Zweiten Liga etabliert hat." Beim eher schmeichelhaften 2:2-Unentschieden zu Saisonbeginn wäre Luhukay in der Findungsphase seiner Mannschaft schon einmal fast über Paderborn gestolpert. Doch mittlerweile hat sich Hertha gefunden und strebt das 16. Spiel in Folge ohne Niederlage an. Das weiß auch Schmidt und vermutet daher: "Wenn sie ihr Maximum abrufen, wird es sehr schwer für uns." Da hilft dann auch die gemeinsame Vergangenheit nicht.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Belästigungsvideo "Ich betreibe Kampfsport und habe trotzdem…
Vorsicht Kamera! Hochzeit aus der Sicht einer Whiskey-Flasche
Nach Pokalsieg Pep Guardiola denkt nur noch an Borussia Dortmund
Israel Radikaler Rabbiner überlebt Attentat
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Kleine Horror-Show

Halloween, das Fest des Gruselns

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote