06.12.12

Zwischenbilanz

Erfolgreiche Hinrunde - Herthas Fußball macht wieder Freude

Es ist Saisonhalbzeit und Hertha ist als Tabellenzweiter auf dem besten Weg zurück in die Bundesliga. Wenn der Klub weiter so gut spielt.

Von Uwe Bremer
Foto: dpa

Grund zur Freude: Hertha gilt als Top-Favorit für den Wiederaufstieg
Grund zur Freude: Hertha gilt als Top-Favorit für den Wiederaufstieg

Die Stimmung ist gut. Bei immerhertha.de, dem Blog der Berliner Morgenpost, votierten 96 Prozent der Nutzer, dass Hertha BSC am Saisonende Zweitliga-Meister (67 Prozent) oder als Zweiter direkt aufsteigen wird (29). Auch die Profis sind zuversichtlich. "Ich bin stolz auf die Mannschaft", sagte Kapitän Peter Niemeyer, "mit dem 2:1 bei Energie Cottbus haben wir den Abstand zu den Konkurrenten noch vergrößert." Das erklärte Ziel des Hauptstadt-Klubs ist die direkte Rückkehr in die Bundesliga. Doch soweit ist es noch nicht.

Hier kommt die Bilanz zur Halbzeit des Spieljahres 2012/13.

Punkteausbeute

Hertha BSC liegt nach 17 Partien mit 36 Zählern sogar oberhalb des von Trainer Jos Luhukay ausgerufenen Zwei-Punkte-Schnitts. "Wenn wir diesen Schnitt übers Jahr halten, steigen wir am Ende auf", predigt der Trainer seit seinem Amtsantritt. Der Niederländer war der erste Neue – und die mit Abstand wichtigste Verpflichtung, die Manager Michael Preetz im Mai getätigt hat nach der verlorenen Relegation samt mit Bengalos, Platzsturm und anschließenden Gerichtsverhandlungen. Manager und Trainer stellten im Sommer einen Kader zusammen, der sich nach anfänglichem Rumpelstart eindrucksvoll in der Zweiten Liga behauptet. "Schaut man sich die Startbedingungen an, mit dem Abstieg und all" den Problemen, und sieht, wo wir jetzt stehen, finde ich: Wir haben die Kurve bekommen", sagte Stürmer Sandro Wagner. "Wir haben die Stimmung ins Positive gewandelt. Die Zuschauer kommen wieder gern ins Stadion."

Das stimmt. Aber gleichzeitig begründet Herthas traumatische erste Jahreshälfte, warum der Verein in der Stadt mittlerweile zwar wieder wohlwollend wahrgenommen wird. Aber die Stimmung ist deutlich entfernt von der Euphorie, wie sie vor zwei Jahren beim damaligen Gang durch das Unterhaus in der Hauptstadt geherrscht hat. Den damaligen Europa-Rekord für Zweitligisten mit einem Schnitt von mehr als 48.000 Zuschauern wird Hertha diesmal nicht erreichen. In der Hinrunde pilgerten im Schnitt 34.111 Fans ins Olympiastadion. Und so schwierig Herthas Vorzeichen waren: Die Bedingungen mit einem 45-Millionen-Euro-Etat sind die besten aller 18 Zweitligisten.

Die Zwischenbilanz von Ligakonkurrent 1. FC Union Berlin - hier

Mannschaft

Die erste Hürde für Trainer Luhukay bestand darin, Sicherheit in das neuformierte und hochkarätig zusammengestellte Team zu bekommen. Der Start ging daneben, (2:2 gegen Paderborn, 1:3 beim FSV Frankfurt, Pokal-Pleite in Worms), doch dann fing sich der Bundesliga-Absteiger. Besonders der erste Derby-Erfolg, das 2:1 bei Union, verlieh Flügel. Mittlerweile hat die Mannschaft um Kapitän Peter Niemeyer 15 Begegnungen in Serie nicht verloren. Der Trainer hat die Mannschaft von hinten nach vorn gebaut: Safety first.

Folge: Hertha hat in der ersten Viertelstunde noch kein Gegentor kassiert, und nur drei vor der Pause – Ligabestwerte. Ebenso die Konzentration am Ende: Lediglich zwei Gegentreffer musste Hertha in der Schlussviertelstunde hinnehmen – ebenfalls Ligabestmarke. Klingt gut, ist aber wahrlich nicht selbstverständlich. Weil wohl kein Konkurrent so viele dauerhafte Ausfälle in der Defensive zu kompensieren hatte wie die Berliner. Hier seien genannt die Dauerverletzten Maik Franz, Christoph Janker, Peter Pekarik sowie die gesperrten Thomas Kraft (vier Spiele zu Saisonbeginn) und Levan Kobiashvili (bis 31. Dezember).

Luhukay sagte: "Jammern ist nicht mein Ding" – und improvisierte mit erstaunlichem Erfolg. Aus Verlegenheitslösungen wie dem Innenverteidiger Fabian Lustenberger wurde ein moderner Abwehrchef. Der Trainer setzte auf Eigengewächse wie John Brooks (19), Fabian Holland (22), Marvin Knoll (22) oder Nico Schulz (19). Und Luhukay kündigt an, diesen Kurs auch im Aufstiegsfall eine Liga höher fortzusetzen: "Solange ich hier Trainer bin, setze ich auf Talente."

Qualität

Über die Monate hin fiel ein Satz regelmäßig in den Statements der Gäste-Trainer. Ob Rudi Bommer (FC Energie), Karsten Baumann (Erzgebirge Aue) oder Gerd Dais (ehemals SV Sandhausen), alle verwendeten die Formulierung: "Na ja, und in der Offensive hat Hertha so viel Qualität, da können sie jederzeit Tore schießen." Auch wenn die Fans im Olympiastadion sich manchmal mehr Spektakel von den Blau-Weißen wünschen: Hertha hat in der Hinrunde 33 Treffer erzielt – Ligabestwert. Anders als bei den Verfolgern ist das Spiel der Berliner nicht auf einen Torjäger zugeschnitten. Ronny führt zwar die interne Liste mit acht Treffern an. Aber auch Adrian Ramos (5), Sami Allagui, Sandro Wagner (3) sowie Peter Niemeyer, Peer Kluge, Ben Sahar und Marcel Ndjeng (alle je 2) sind erfolgreich. Das geballte Potenzial im Sturm ist eine Herausforderung für den Trainer, der regelmäßig moderieren muss, dass jeder der Angreifer auch mal mit einem Bankplatz vorlieb nehmen muss. Einer der Betroffenen, Wagner, sagt: "Klar möchte ich jedes Mal in der Startelf stehen. Aber wir sind hier Teil eines Projektes, das erfolgreich unterwegs ist. Und die Truppe hat einen tollen Charakter: Jeder gönnt dem Kollegen ein Erfolgserlebnis." Marcel Ndjeng versteht die Sehnsucht der Fans nach begeisternden Spielzügen. "Wir mussten zunächst das mit der Kompaktheit hinbekommen." Durch die mittlerweile seit August anhaltende Erfolgsserie habe Hertha reichlich Selbstbewusstsein getankt. "Und irgendwann kommt die Leichtigkeit dazu."

Fazit

Die Konkurrenz sieht die Berliner, ungeachtet der Tabellenführung von Braunschweig, als bestes Team der Liga. Ob Trainer, Manager, Spieler, in Berlin wissen sie: Hertha darf sich nicht einlullen lassen. So erfreulich die Hinserie gelaufen ist, noch ist nichts gewonnen. "Wir müssen dranbleiben", verlangt Manager Preetz von den Spielern. Aber es gibt Grund, optimistisch zu sein: Mit Pierre-Michel Lasogga, Franz, Pekarik und Kobiashvili wird Hertha ab Januar 2013 noch mehr Hochkaräter zur Verfügung haben.

Herthas Abstiege aus der Fußball-Bundesliga

Saison 1964/65:

 

Hertha BSC schafft in der Saison 1964/65 als Tabellen-14. von damals 16 Mannschaften sportlich den Klassenerhalt in der Bundesliga. Wegen der illegalen Zahlung von Handgeldern an Spieler verurteilt der DFB die Berliner allerdings zur Strafversetzung in die Stadtliga Berlin.

 

Auf den Abstiegsplätzen:

14. Hertha BSC

15. Karlsruher SC

16. Schalke 04

Saison 1979/80:

 

Hertha BSC steigt nach dem 34. Spieltag der Saison 1979/80 als Tabellen-16. trotz Punktgleichheit mit dem Tabellen-15. Bayer Uerdingen ab, weil die Tordifferenz um zwei Treffer schlechter ist.

 

Auf den Abstiegsplätzen:

16. Hertha BSC

17. SV Werder Bremen

18. Eintracht Braunschweig

Saison 1982/83:

 

Hertha BSC steigt nach dem 34. Spieltag der Saison 1982/83 als Tabellenletzter ab.

 

Auf den Abstiegsplätzen:

16. FC Schalke 04

17. Karlsruher SC

18. Hertha BSC

Saison 1990/91:

 

Bereits nach dem 30. Spieltag der Saison 1990/1991 steht Hertha BSC als Absteiger fest und wird am Ende Tabellenletzter.

 

Auf den Abstiegsplätzen:

16. FC St. Pauli

17. Bayer Uerdingen

18. Hertha BSC

Saison 2009/10:

 

Durch ein 1:1 bei Bayer Leverkusen am 33. Spieltag der Saison 2009/2010 ist der Abstieg von Hertha BSC vorzeitig besiegelt, am Ende steigen die Berliner als Tabellenletzter ab.

 

Absteiger:

17. VfL Bochum

18. Hertha BSC

Der Tabellen-16. 1. FC Nürnberg gewinnt in der Relegation beide Spiele gegen FC Augsburg und bleibt in der Bundesliga.

Saison 2011/12:

 

Hertha scheitert in der Relegation am Drittplatzierten der 2. Liga, Fortuna Düsseldorf. Nach einer 1:2-Hinspielniederlage im heimischen Olympiastadion reicht es im Rückspiel in Düsseldorf nur zu einem 2:2. Das Spiel wird von Fanausschreitungen begleitet.

 

Absteiger:

16. Hertha BSC (unter Vorbehalt bis zur Entscheidung des Bundesgerichts)

17. 1. FC Köln

18. 1. FC Kaiserslautern

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