01.12.12

Zweite Liga

Vor Derby in Cottbus gehen Hertha die gesunden Spieler aus

Bis Montag muss Peter Niemeyer wieder auf die Beine kommen. Denn dann wartet ein hartes Duell auf Berlins härtesten Zweikämpfer.

Von Uwe Bremer
Foto: Bongarts/Getty Images

Sorgenkinder: Berliner Leistungsträgern wie Peter Niemeyer (Mitte) gehen zum Jahresendspurt etwas die Kräfte aus
Sorgenkinder: Berliner Leistungsträgern wie Peter Niemeyer (Mitte) gehen zum Jahresendspurt etwas die Kräfte aus

Es war eine überschaubare Gruppe, die an diesem diesigen Novembermorgen auslief. Gerade mal acht Spieler trabten über den Schenkendorff-Platz, auch das 1:1 gegen den 1. FC Köln am Donnerstagabend hat Spuren bei Hertha BSC hinterlassen. So fehlte wegen eines brummenden Schädels Peter Niemeyer. Der Kapitän hatte nach einem Zusammenprall und einer blutenden Platzwunde die meiste Zeit der Partie mit einem blauen Turban gespielt. Niemeyer saß in der Kabine auf einem Ergometer. Trainer Jos Luhukay setzt darauf, dass Herthas härtester Zweikämpfer bis Montag rechtzeitig in die Spur kommt: "Ich hoffe, dass Peter in Cottbus spielen kann."

Raffaels Bruder Ronny überrascht

Beim Berlin-Brandenburg-Derby am Montag wird der Hauptstadt-Klub nicht mit einer so dürftigen Leistung bestehen, wie sie Hertha beim mageren 2:2 in Duisburg gezeigt hatte, als Niemeyer wegen einer Gelb-Sperre aussetzen musste. Richtig Sorge hingegen bereitet Luhukay Ronny. Der Brasilianer hatte in der Anfangsphase des Duells der Bundesliga-Absteiger vor 34.703 Zuschauern im Olympiastadion einen Schlag aufs Knie bekommen. "Ronny hat sich durchgebissen und das wunderschöne Ausgleichstor erzielt", sagte Luhukay. Oder wie sein Kölner Kollege Holger Stanislawski das Solo vorbei an der kompletten Gäste-Abwehr beschrieb: "Da sind wir schön mit fünf Mann durch die Gegend gegrätscht und trotzdem nicht an den Ball gekommen. Das geht gar nicht."

Luhukay begründete, warum er den Mittelfeldspieler trotz seiner Blessur in der zweiten Hälfte wieder aufs Feld geschickt hatte. "In der Form, in der Ronny ist, ist er ein extrem wichtiger Spieler für uns. Ihn auszuwechseln, ist ein Schritt zurück für uns. Er kann die besonderen Momente." Das lässt sich mit Zahlen belegen. Ronny liegt mit mittlerweile 13 Scorerpunkten (sieben Tore, sechs Vorlagen) auf Platz zwei der Zweiten Liga hinter Lauterns Mohammadou Idrissou (15) – eine Entwicklung, die selbst kühne Optimisten dem Bruder des einstigen Hertha-Stars Raffael nicht zugetraut hätten.

Bis Jahresende fehlt Hertha mehr als eine halbe Mannschaft

Der Teamarzt habe ihm versichert, dass bei Ronny nichts kaputtgehen könne, deshalb habe er ihn weiterspielen lassen, sagte Luhukay. "Bei ihm ist jeder Standard mehr als eine halbe Chance für uns." Die Folge: Derzeit ist an Training für den Brasilianer nicht zu denken. Zweimal täglich wird Ronny behandelt, am Freitag ebenso wie übers Wochenende. "Ich hoffe, dass unsere Physiotherapeuten Ronny bis Montag hinbekommen", sagte Luhukay. Ohnehin fehlt dem Zweiten der Zweiten Liga bis Jahresende verletzungsbedingt mehr als eine halbe Mannschaft: Peter Pekarik, Maik Franz, Christoph Janker, Nico Schulz, Daniel Beichler, Pierre-Michel Lasogga und Änis Ben-Hatira. Wegen Sperren können Levan Kobiashvili und Alfredo Morales nicht eingreifen.

Und jene, die auf dem Platz stehen, machen in der englischen Woche zum Ende der Hinrunde den Eindruck, als sei ihr Energie-Tank langsam leer. Gegen Köln vermochte Hertha erstmals in dieser Saison in der Schlussviertelstunde nicht mehr zuzulegen. "Ich war im ersten Halbjahr verletzt, jetzt merke ich, dass es an die Substanz geht", räumte Fabian Lustenberger ein. Der Schweizer stand bei 15 der bisher gespielten 16 Begegnungen auf dem Platz. Auch Ben Sahar befand, dass gegen Köln am Ende der Punch gefehlt habe. "Wir müssen auch mal mit einem Punkt zufrieden sein, jetzt wollen wir gegen Cottbus mit einem Sieg nachlegen", sagte der Israeli. Sogar der Trainer wirkte am Tag nach dem 1:1 gegen Köln etwas müde. "Eigentlich habe ich das Unentschieden noch nicht richtig verarbeitet. Es ist ungewohnt, jetzt schon über Cottbus zu reden. Aber in einer englischen Woche geht das schnell."

Lustenberger will lieber mehr Niederlagen als Remis

Zur Serie von mittlerweile 14 Spielen ohne Niederlage (neun Siege, fünf Remis) steuert Abwehrchef Lustenberger einen unorthodoxen, rechnerisch aber einleuchtenden Vorschlag bei: Er fordert mehr Niederlagen: "Wir haben zu viele Unentschieden. Statt zweimal Remis zu spielen, sollten wir lieber einmal gewinnen und einmal verlieren."

In den Tagen bis zum Derby am Montag setzt der Trainer vor allem auf Regeneration, Entspannung statt Anspannung. Die Trainingseinheiten am Sonnabend und Sonntag haben Wellness-Charakter, damit die Mannschaft im erwarteten beinharten Duell in der Lausitz mit der nötigen Frische zu Werke gehen kann.

"Das schaffen wir, uns jetzt noch mal auf drei Spiele zu konzentrieren", sagte Lustenberger. Hertha spielt zum Ende der Hinrunde beim FC Energie. Und absolviert zum Ende des Punktspiel-Jahres bereits die ersten beiden Rückrunden-Partien gegen den FSV Frankfurt (8. Dezember) und beim SC Paderborn (15.). Lustenberger rechnet vor: "Dann haben wir über Weihnachten gut zwei Wochen Urlaub, bis dahin werden alle Kräfte mobilisiert."

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