29.11.12

Zweite Liga

1. FC Köln trotzt Hertha BSC ein 1:1 ab

Hertha BSC musste gegen Mitabsteiger Köln zwei Punkte abgeben. Braunschweig bedankt sich und ist Hinrunden-Meister der 2. Liga.

Von Uwe Bremer
Foto: dapd

Berlins Ronny (l.) spielt gegen Kölns Miso Brecko
Berlins Ronny (l.) spielt gegen Kölns Miso Brecko

Als der Schlusspfiff am Donnerstagabend erklang, flog der Ball gerade auf John Brooks zu. Ebenso wuchtig wie frustriert trat der Verteidiger von Hertha BSC das Spielgerät hoch ins Seitenaus. Nichts war es geworden mit dem Vorhaben, den Abstand zu Spitzenreiter Braunschweig auf zwei Punkte zu verkürzen.

Nach dem 1:1 im Duell der Bundesliga-Absteiger gegen den 1. FC Köln liegen die Berliner weiter auf Rang zwei, allerdings vier Zähler hinter dem Tabellenführer, der nun bis zur Winterpause nicht mehr abzufangen ist.

"Köln hat wenig für das Spiel getan, deshalb ist es schade, dass wir nur 1:1 gespielt haben", sagte Mittelfeldspieler Peer Kluge. "Wir hatten nicht die letzte Genauigkeit, es fehlte der letzte entscheidende Pass", analysierte Trainer Jos Luhukay.

Fans schweigen zwölf Minuten lang

Seit 1961 haben sie 57 Mal gegeneinander gespielt, aber das, was diesmal im Berliner Olympiastadion stattfand, war dennoch eine Premiere: Nach vier Oberliga-Endrundenduellen 1961 bis 1963, vielen Bundesliga-Partien und diversen DFB-Pokalspielen kreuzten sich die Wege von Hertha BSC und dem 1. FC Köln zum ersten Mal in der Zweiten Liga.

Und es war ein merkwürdiger Auftakt. Auch die Fans in Berlin schlossen sich der Aktion "Ohne Stimme – keine Stimmung" an. Zwölf Minuten und zwölf Sekunden war keinerlei Anfeuerung zu hören – eine gespenstische Ruhe im nasskalten Rund.

Stürmer Sandro Wagner berichtete, dass vorab einige Fan-Vertreter bei der Mannschaft gewesen waren, um ihnen die Protestaktion zu erklären. "Deshalb haben wir das verstanden. Aber es war komisch, wir haben jedes Wort gehört."

Dafür ging es in Minute 13 um so beschwingter zur Sache. Die Anhänger, allen voran die Ostkurve sang inbrünstig: "Wir wollen Hertha, wir wollen euch spielen sehen." Und die Mannschaft spielte auf.

Hertha spielte so offensiv, wie Trainer Jos Luhukay aufgestellt hatte. Nach den Ausfällen von Peter Pekarik und Nico Schulz bot er auf den Außenbahnen im Mittelfeld Sami Allagui und Ben Sahar auf. Gemeinsam mit Stoßstürmer Adrian Ramos spielte Hertha praktisch mit drei Angreifern.

Zunächst gab es nur eine Richtung – immer aufs Kölner Tor. Angetrieben wurde das Offensiv-Trio von Ronny. Der Brasilianer ließ sich von einer Schrecksekunde am Anfang nicht aus der Ruhe bringen. Er war nach zehn Minuten umgeknickt. Ein Ausfall drohte, draußen lief sich schon der 17-jährige Hani Mukhtar warm. Doch Ronny biss sich durch. Und bediente mit einem dieser zentimetergenauen 40-Meter-Pässe Ramos auf der linken Seite, der legte zurück zur Strafraumgrenze, wo Sahar direkt abzog – und den Pfosten traf (28.). Die Führung lag in der Luft.

Doch das erste Tor fiel auf der Gegenseite. "Aus dem Nichts", wie Luhukay fand. Nach einer Kölner Ecke verteidigte Ramos den Ball schlecht, Mato Jajalo eroberte ihn und flankte, Kevin McKenna köpfte – und Herthas Unglücksrabe Marcel Ndjeng lenkte dem Ball an Torwart Thomas Kraft ins Netz, 0:1 (35.). Nach den gezeigten Leistungen eine wahrlich überraschende Führung für die Gäste.

Nun waren die Berliner etwas verwirrt. Die Partie wogte, unterbrochen von vielen Zweikämpfen und Freistößen, im Mittelfeld hin und her. Aber wieder einmal zeigte sich, warum gegnerische Trainer gebetsmühlenartig vor der Hertha-Offensive warnen.

Ronny zog von der ungewohnten rechten Seite parallel zur Strafraumgrenze mit dem Ball am Fuß nach innen. Er umkurvte den ersten Kölner, den zweiten, dann lief der dritte Verteidiger ins Leere, worauf sich beiden FC- Innenverteidiger Ronny verzweifelt entgegenwarfen. Doch der zirkelte den Ball zwischen ihnen hindurch flach ins rechte Eck, 1:1 (44.). Eines dieser Tore, für das man seinen Eintritt beim Fußball bezahlt, dazu bereits das siebente von Ronny in dieser Saison.

Nach der Pause narrte Sahar gleich zwei Kölner und tauchte frei vor Torwart Timo Horn auf. Sein Schuss aus spitzem Winkel ging jedoch am langen Eck vorbei (52.) – eine Flanke wäre wohl besser gewesen. Als Marcel Ndjeng vier Minuten später mit einem 25-m-Freistoß am Kölner Torwart Timo Horn scheiterte, ahnten die 34.307 Zuchauer noch nicht, dass es das gewesen war.

Starke Parade von Torwart Kraft

Herthas neuformierter Elf schwanden die Kräfte, nun gelangen keine Kombinationen mehr. Und am Ende rettete Torwart Kraft mit einem mutigen Einsatz gegen den Kölner Strobl einen Punkt (83.).

Immerhin, nach dem sechsten Unentschieden hat der Hauptstadt-Klub seine Serie auf mittlerweile 14 Spiele ohne Niederlage ausgebaut. "Es war wichtig, dass Ronny vor der Pause noch das 1:1 gemacht hat. Aber dann haben wir unsere Chancen leider nicht genutzt", sagte Manager Michael Preetz.

Am Montag steht die nächste brisante Partie an, dann geht es zum Berlin-Brandenburg-Derby gegen den Vierten Energie Cottbus.

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