24.11.12

Zweite Liga

Herthas Schuldenberg wächst auf 41 Millionen Euro

Hertha BSC erwartet diesmal eine ruhige Mitgliederversammlung. Finanziell geht es dem Klub nicht gut: Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen.

Von Uwe Bremer
Foto: picture alliance / dpa

Guter Fußball kostet Geld: Mit der Verpflichtung von Trainer Jos Luhukay (links) brachte Michael Preetz Hertha endlich wieder auf einen positiveren Kurs
Guter Fußball kostet Geld: Mit der Verpflichtung von Trainer Jos Luhukay (links) brachte Michael Preetz Hertha endlich wieder auf einen positiveren Kurs

Es wird ein ungewohntes Gefühl sein für den Präsidenten von Hertha BSC. Wenn Werner Gegenbauer (62) am Montag die Besucher der Mitgliederversammlung im ICC begrüßt, liegt kein einziger Abwahlantrag vor (19 Uhr). Weder gegen Gegenbauer noch gegen andere Präsidiumsvertreter. Seit 2008, seit die Satzung den Mitgliedern diese Möglichkeit eingeräumt hat, hatte sich das Plenum beinahe im Sechs-Monats-Rhythmus mit diesem Ansinnen auseinanderzusetzen. Doch am Montag wird nach einer arbeitsamen, relativ erfolgreichen Zweitliga-Hinrunde eine ruhige Versammlung erwartet mit dem obligatorischen Höhepunkt, der Ausgabe eines blau-weißen Weihnachtsmannes.

Präsidium ein Hort der Ruhe

Hertha blickt auf fünf Monate zurück, die nach dem traumatischen ersten Halbjahr samt desaströser Rückrunde, Relegation, Bengalos und Platzsturm in Düsseldorf sowie dem Bundesliga-Abstieg, überraschen. So hat sich das Präsidium von der Schwatzbude des Frühjahrs im Herbst zu einem Hort meditativer Ruhe gewandelt. Zuvor waren zum Schaden des Klubs viel zu viele Inhalte in die Öffentlichkeit gedrungen. Seit der Neuwahl im Mai hat sich das ins Gegenteil verkehrt. Nichts dringt nach draußen. Kurios daran ist, dass die personelle Zusammensetzung des achtköpfigen Gremiums mit einer Ausnahme identisch geblieben ist (Marko Wurzbacher ist neu. Jörg Thomas wurde als Vizepräsident abgewählt, erhält aber am Montag eine hohe Auszeichnung).

Das mag daran liegen, dass die Wahlen vor allem eine starke Bestätigung von Präsident Gegenbauer und dessen Festhalten an Manager Michael Preetz bedeuteten. Auch die Streckung der Präsidiumstreffen von einem 14-Tage- zu einem Vier-Wochen-Takt dürften die Emotionen in der einen oder anderen Gelegenheit etwas beruhigen. Dabei ist die Lage für Hertha weiter ernst. In der Abstiegssaison 2011/12 waren die Ausgaben im laufenden Geschäft wieder einmal höher als die Einnahmen. Erlösen von 65 Millionen Euro standen Aufwendungen von rund 70 Millionen gegenüber (davon 32 Millionen für das kickende Personal). Zum Vergleich die Zahlen des Spieljahres 2010/11, das allerdings in der Zweiten Liga gespielt wurde: 55,1 Mio. Euro Einnahmen, 61,8 Mio. Ausgaben, davon 22,7 für die Profis.

Bei den Verbindlichkeiten wird Hertha eine Steigerung von 34,7 Millionen im Sommer 2011 auf rund 41 Millionen zum 30. Juni dieses Jahres anzeigen.

Hertha an der Grenze

Die dauernden Turbulenzen (Abstieg 2010, Aufstieg 2011, Abstieg 2012 und der erneute Anlauf zur Bundesliga-Rückkehr in dieser Saison) bringen Hertha absolut an die Grenze. Die Perspektiven liegen auf der Hand. Im positiven Fall: Sollte Hertha in die Bundesliga aufsteigen, tritt ab Sommer 2013 der neue und deutlich besser dotierte Fernseh-Vertrag in Kraft. Bisher haben von solchen Geld-Schüben vor allem Spieler und Berater profitiert. Diesen Weg sollte Hertha nicht mitgehen, sondern die neuen Einnahmen dringend nutzen, um die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben zu verbessern. Im negativen Fall: Sollte der Hauptstadt-Klub die Bundesliga-Rückkehr verpassen, müsste Hertha 2013/14 den Etat, verglichen mit der laufenden Saison stark reduzieren.

Soweit ist es aber noch nicht. Auf der Mitgliederversammlung wird es Fragen geben, ob Ion Tiriac (73) eine Rolle bei der Entwicklung von Hertha BSC spielen wird. Der ehemalige Manager von Tennis-Idol Boris Becker, war mit seinem Learjet zu Wochenbeginn in Berlin eingeflogen. Herthas Geschäftsstellenleiter Thomas E. Herrich führte Tiriac vor dem Anstoß der St. Pauli-Partie eine gute halbe Stunde durchs Olympiastadion. Am Dienstagmorgen lud Tiriac Hertha-Präsident Werner Gegenbauer zu einem Cafe ins Hotel Adlon. Die Herren machten sich bekannt.

Tiriac lobt die Hertha-Fans

Tiriac, der als reichster Mann Rumäniens gilt, lobte die faszinierende Atmosphäre im Olympiastadion und die außerordentliche Unterstützung durch die Fans. Nun ist es Tiriac aber als regelmäßiger Tribünengast bei Real Madrid, dem AC Mailand oder Paris St. Germain gewohnt, Champions League zu sehen. Dass Hertha in der Zweiten Liga spielt, fand er erstaunlich. Überhaupt war er der Meinung, müsse Hertha die Hauptstadt-Karte viel offensiver spielen. Nach Morgenpost Online-Informationen geht es nicht darum, dass Tiriac eigenes Geld investieren will. Im Moment handelt es sich um eine sehr zarte Bande erste Bande zwischen dem Rumänen und Hertha. Ob da mehr draus wird, ist offen. Aber dass das Netzwerk von Tiriac in der internationalen Wirtschaft exzellent ist, ist unstrittig.

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