19.11.12

Zweite Liga

Hertha gegen St. Pauli - auch ein Duell der Trainer

Das Spiel Hertha BSC gegen St. Pauli ist auch das Duell der Ex-Gladbacher Trainer Jos Luhukay gegen Michael Frontzeck.

Von Jörn Meyn
Foto: dpa

Hertha-Trainer Jos Luhukay will, dass seine Serien von ungeschlagenen Spielen Bestand hat
Hertha-Trainer Jos Luhukay will, dass seine Serien von ungeschlagenen Spielen Bestand hat

Nur knapp 40 Kilometer trennten Jos Luhukay einst vom Spitzenfußball. Herthas Cheftrainer fuhr als Kind gern aus seiner niederländischen Heimatstadt Venlo über die Grenze nach Mönchengladbach, wo in den 70er Jahren Günter Netzer auf dem Bökelberg das Publikum in seinen Bann zog.

Es war die Zeit der legendären "Fohlenelf", die mit Spielern wie Jupp Heynckes und Berti Vogts an der Seite Netzers Deutsche Meisterschaften in Serie gewann und in Europa für Furore sorgte.

Doch Borussia Mönchengladbach ist nicht nur verantwortlich für ein paar schöne Kindheitserinnerungen des heute 49-Jährigen. Die "Fohlen" sollten später auch für den Trainer Jos Luhukay prägend sein.

Karrieresprung auf dem Bökelberg

Wenn Hertha BSC am Montagabend den FC St. Pauli im Olympiastadion empfängt (20.15 Uhr/Sport1 und Sky), trifft Luhukay auf einen Kollegen mit einer ebensolchen Gladbacher Prägung. Denn auf der Bank der Hamburger sitzt seit dem 10. Spieltag Michael Frontzeck.

Dreimal war St. Paulis neuer Trainer in seiner Profi-Karriere zwischen 1982 und 2000 in Diensten Borussia Mönchengladbachs und bestritt insgesamt 258 Spiele für die "Fohlen". Zwar war Frontzeck zur Zeit der Luhukayschen Besuche auf dem Bökelberg selbst noch ein Kind und in den 80er-Jahren als beinharter Verteidiger Sinnbild einer anderen Borussia, als jene, die Herthas Trainer einst bewunderte. Dennoch dürfte das Aufeinandertreffer mit dem Trainerkollegen für Luhukay eine Reise in die eigene Vergangenheit sein.

Denn beiden Übungsleitern gelang einst in Mönchengladbach der endgültige Durchbruch im Trainergeschäft. Im Januar 2007 holte die Borussia den bis dahin weitestgehend unbekannten Luhukay als Co-Trainer von Jupp Heynckes.

Als dieser jedoch wenige Wochen später gehen musste, übernahm der Niederländer überraschend Heynckes' Posten. Zwar konnte Luhukay den Abstieg seiner Mannschaft nicht verhindern, führte sie aber nur ein Jahr später direkt wieder zurück in die Bundesliga.

Dort war dann im Oktober 2008 Schluss. Luhukay musste gehen, Michael Frontzeck übernahm in den Wirrungen einer turbulenten Saison ein paar Monate später das Traineramt der Borussia und blieb zwei Jahre.

Bis auch er entlassen wurde und in dieser Saison in Hamburg anheuerte. Die Partie Hertha gegen St. Pauli am Abend ist daher auch das Duell zweier Trainer aus dem gleichen Stall, dem der "Fohlen".

Beide Trainer schätzen sich

Nicht nur wegen der gleichen Gladbacher Sozialisierung schätzen sich beide. Bei der Pressekonferenz vor der Partie am Sonntag sprach Frontzeck mit Respekt über Luhukay: "Wir haben ein gutes Verhältnis. Jos hat nach dem Abstieg der Hertha Ruhe in die ganze Sache gebracht, was in dem Umfeld in Berlin ja nicht gerade einfach ist." Herthas Trainer habe auf einem schwierigen Pflaster die Dinge in die richtige Richtung gebracht, so Frontzeck.

Ein fast identisches Urteil formulierte der Gelobte seinerseits über den Kollegen: "Mit dem Trainerwechsel hin zu Michael Frontzeck hat St. Pauli wieder mehr Stabilität und ein Stück mehr Sicherheit gewonnen", sagte Luhukay. Frontzeck leite ein Team, dass in der Offensive über genügend Schnelligkeit verfüge, um jederzeit "unberechenbar" nach vorne zu stoßen, das sich nunmehr, nach vier Niederlagen in den ersten neun Partien, auch in der Defensive kompakter zeige.

Und in der Tat: Seit Frontzecks Amtsantritt ist St. Pauli in der Liga noch ungeschlagen. Aus vier Spielen holten die Hamburger acht Punkte und kletterten in der Tabelle von Platz 17 bis auf Rang elf.

Daher warnt Herthas Trainer die Seinen, nach dem Torfestival in Sandhausen (6:1) vor gut einer Woche, keinesfalls nachzulassen: "Wir müssen an die gute Leistung in Sandhausen anknüpfen. Wir müssen wieder die absolute Zielstrebigkeit und Durchschlagskraft zeigen", sagte Luhukay, der jedoch ebenso wie Frontzeck Verletzungssorgen hat.

Ben-Hatira fehlt, Brooks ist dabei

Gegen St- Pauli muss Luhukay erneut Flügelspieler Änis Ben-Hatira ersetzen. Der 24-Jährige leidet weiterhin an einer komplizierten Knöchelverletzung im rechten Fuß und wird noch mindestens zwei Wochen fehlen.

Dabei sein kann dafür aller Voraussicht nach Innenverteidiger John Anthony Brooks, der mit einer leichten Oberschenkelzerrung vom Länderspiel der deutschen U20-Auswahl in Polen zurückkam. Mit Brooks will Hertha Platz zwei zurückerobern, auf den sich vorübergehend Kaiserslautern geschoben hatte. Darüber hinaus gilt es für die Berliner, den Abstand auf Spitzenreiter Braunschweig auf fünf Punkte zu verkürzen.

Ebenso wie Frontzeck will auch Luhukay, dass seine Serien von ungeschlagenen Spielen Bestand hat. Hertha bietet sich dabei sogar die Möglichkeit, einen neuen Vereinsrekord aufzustellen. Der stammt bisher aus der Saison 1994/1995 und steht bei elf Partien ohne Niederlage.

Verliert Luhukays Team am Abend nicht, heißt die neue Bestmarke zwölf Spiel ungeschlagen. Damit würde Berlins Coach auch seinem eigenen Rekord etwas dichter kommen. Vor fünf Jahren gelang ihm mit seiner Mannschaft vom 4. Spieltag an in der Zweiten Bundesliga eine Serie aus 15 (!) Begegnungen ohne eine einzige Niederlage. Am Ende stand der Aufstieg. Luhukays Arbeitgeber damals war übrigens Borussia Mönchengladbach.

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