16.11.12

Zweite Liga

Herthas Nico Schulz träumt von der Nationalelf

Sein Idol ist Milans Maldini: Halbitaliener Nico Schulz spricht mit Morgenpost Online über das Verhältnis zu seinem Konkurrenten Ben-Hatira.

Von Jörn Meyn und Uwe Bremer
Foto: picture alliance / Augenklick/Ra

Schnell unterwegs: Der Vertrag von Nico Schulz bei Hertha läuft bis 2014
Schnell unterwegs: Der Vertrag von Nico Schulz bei Hertha läuft bis 2014

Sein Name legt es nicht unbedingt nahe. Aber der Vater von Nico Schulz heißt Luigi und ist Italiener. Weshalb der gebürtige Berliner Schulz freimütig bekennt, extrem Italien-geprägt zu sein. Sein fußballerisches Vorbild etwa ist Paolo Maldini (heute 44 Jahre alt). Die Ikone vom AC Mailand ist der wahrscheinlich erfolgreichste Linksverteidiger der Welt: siebenmal italienischer Meister, sieben Siege im Europapokal der Landesmeister sowie der Champions League, zweimal Gewinner des Weltpokals, dazu 126 Länderspiele für Italien. "Immer mit Volldampf unterwegs, zuverlässig und beständig", zählt Schulz Eigenschaften auf, die ihm an Maldini gefallen haben. "Und, dass er nie den Verein gewechselt hat." Rekordverdächtige 902 Pflichtspiele für Milan hat Maldini zwischen 1984 und 2009 bestritten.

Nun hat Schulz, wie Maldini, ebenfalls linker Verteidiger gelernt. Aber gewiss, es gibt eine Reihe von Unterschieden. Nico Schulz ist ein Vierteljahrhundert jünger als der langjährige Kapitän der italienischen Nationalmannschaft. Der Berliner steht mit 19 Jahren gerade am Anfang seiner Profi-Karriere beim Tabellen-Zweiten der Zweiten Liga, Hertha BSC.

Mit den ersten Saison-Einsätzen von Schulz war Trainer Jos Luhukay nur bedingt einverstanden. Seit dem dritten Spieltag verteidigt Fabian Holland links in der Abwehr. Schulz war den Job erst mal los und musste sich etwas gedulden – und ist nun eine Position nach vorn auf die linke Außenbahn im Mittelfeld gerückt.

Vertretung für Ben-Hatira

Dort vertritt er seit mittlerweile vier Begegnungen in Folge den am Knöchel verletzten Änis Ben-Hatira. Nach anfänglichen Problemen findet sich der Youngster zunehmend besser zurecht auf der Position, die er von der U23 kennt. Sein Vorgesetzter, Jos Luhukay, sagt über Schulz: "Nico hat ein enormes Potenzial, eine hohe Dynamik, einen guten linken Fuß und kann gute Flanken schlagen. Er ist ein Junge mit Perspektive."

Beim 6:1 gegen den SV Sandhausen verdiente sich Schulz bereits den dritten Assist dieser Saison: Der schwungvolle Herthaner war vom SVS-Torwart Langer im Strafraum gefoult worden. Rote Karte für den Keeper sowie Elfmeter für Hertha waren die Folge, Ronny entschied mit dem zwischenzeitlichen 3:0 die ohnehin einseitige Partie (Endstand: 6:1). Trainer Luhukay sagte: "Ich bin sehr zufrieden. Nico hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert und ist sehr lebhaft."

Ben-Hatira (24) arbeitet intensiv an einem Comeback. Ob die Zeit für den tunesischen Nationalspieler bereits zur Zweitliga-Partie am Montag gegen den FC St. Pauli reicht, ist noch offen (20.15 Uhr, Olympiastadion). Schulz gibt Einblick in die Art, wie der Konkurrenzkampf bei Hertha gelebt wird: "Nein, natürlich gebe ich meine Position nicht freiwillig wieder her. Ich will spielen. Aber ich wünsche mir auch, dass Änis zurückkommt und uns hilft. Ich wünsche ihm nicht, dass er verletzt ist. Wir brauchen ihn, um aufzusteigen. Das eine hat mit dem anderen ja nichts zutun."

Vereinstreue imponiert

Trotz seiner jungen Jahre hat Schulz schon einiges erlebt im Fußball. Mit 15 Jahren wollte der FC Liverpool den schnellen Verteidiger verpflichten, doch Schulz blieb in seiner Heimatstadt. Wie Vorbild Maldini beim AC Mailand debütierte auch Schulz im zarten Alter von 17 Jahren bei den Hertha-Profis unter dem damaligen Trainer Markus Babbel, zugegeben in der Zweiten Liga und nicht in der Serie A.

Die Vereinstreue von Maldini, sagt Schulz, "hat mir imponiert." Auf die Frage, ob er sich das vorstellen könne: lediglich für einen Verein zu spielen, antwortet er: "Warum nicht? Hertha ist mein Klub. Ich will mich jetzt erst mal hier durchsetzen. Was dann in der Zukunft passiert, weiß man nie."

Auch, wenn Hertha derzeit nur im Unterhaus zu Hause ist, sind seine Ziele ehrgeizig. Für ihn als junger Spieler, sagt Schulz, ist der Abstieg insofern "eine Chance, weil es einen kleinen Umbruch gegeben hat. Aber ich glaube, der Trainer wird uns auch in der Bundesliga die Chance geben, wenn wir aufsteigen sollten."

Ziel: Deutsche Nationalmannschaft

Dann soll es aber erst richtig losgehen. Schulz hat sämtliche Jugendnationalmannschaften durchlaufen. "Ich bin seit Jahren mit Julian Draxler gut befreundet. Und wenn ich sehe, dass er es geschafft hat, würde ich auch gern irgendwann mal in der A-Nationalmannschaft spielen."

Und ehe nun Fragen aufkommen, von welchem Land er spricht, dem Heimatland seines Vaters oder . . . fügt Schulz von sich aus an: "Ich meine die deutsche Nationalmannschaft."

Mit seinem Idol Maldini verbindet Schulz noch eine weitere Parallele. Der italienische Frauen-Schwarm hat zum Ende seiner Karriere Adriana, Model und Schauspielerin, geheiratet. Nico Schulz ist vor wenigen Wochen mit Freundin Maria (25) in Charlottenburg zusammengezogen. Ihr Beruf: Model und Schauspielerin.

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