13.11.12

Nationalmannschaft

Um den Herthaner Brooks reißen sich Klinsmann und Löw

John Brooks soll bei der U20-WM für die USA starten, gibt aber am Mittwoch sein Debüt für Deutschland. Bei Hertha bleibt er bis 2015.

Von Uwe Bremer
Foto: picture alliance / Augenklick/Ra

Begehrt bei zwei Nationen: Dem Hertha-Profi John Brooks stehen alle Türen für eine Nationalmannschaftskarriere offen – ob nun für Deutschland oder die USA
Begehrt bei zwei Nationen: Dem Hertha-Profi John Brooks stehen alle Türen für eine Nationalmannschaftskarriere offen – ob nun für Deutschland oder die USA

Das neue Kapitel im Leben von John Brooks (19) beginnt am Mittwoch in Gliwice. Trügen die Anzeichen nicht, wird der Innenverteidiger von Hertha BSC in Polen sein erstes Länderspiel im Trikot der deutschen U20-Nationalmannschaft bestreiten. Mit Blick auf die vielen Juniorennationalspieler von Hertha – derzeit sind es 27 – klingt das nicht spektakulär. Bei Brooks liegen die Dinge anders.

Der gebürtige Berliner hat einen (ehemaligen) US-Soldaten aus Chicago als Vater, eine Deutsche als Mutter und entsprechend zwei Staatsangehörigkeiten. Der Fußball-Verband der USA (USSF) bemüht sich seit Jahren intensiv. Wiederholt war Brooks zu Lehrgängen eingeladen, für die er zumeist keine Freistellung von Hertha bekam, weil sie außerhalb der Fifa-Fristen für Länderspiele lagen. 2010 hat Brooks für das amerikanische U20-Nationalteam bei einem Turnier in Peru gespielt. 2011 war er für eine US-Kombination aus U20/23 i m Einsatz. Seitdem er Fuß gefasst hat in Herthas Zweitliga-Team, steht Brooks in Amerika noch stärker im Fokus. So widmete sich die New York Times in der November-Ausgabe ihres Fußball-Blog "Goal" ausschließlich dem Berliner.

Coach Ramos sprach in Berlin vor

Bei Junioren-Auswahlteams geht es darum, herauszufinden, welche Talente das Zeug zum A-Nationalspieler haben. Will man es personalisieren, konkurrieren Jürgen Klinsmann als US-Nationaltrainer und Joachim Löw als Bundestrainer um die Aufmerksamkeit von Brooks. Den Status "Chef-Sache" hat die Karriere des Innenverteidigers noch nicht erreicht, aber die Chefs sind genau im Bilde. So besuchte Tab Ramos (46), WM-Teilnehmer 1990 und 1994 und aktuell Trainer der amerikanischen U20, jüngst Hertha BSC. Ramos kam mit Ex-Profi Matthias Hamann (44/u.a. bei Tennis Borussia), der für Jürgen Klinsmann die US-Boys in Deutschland scouted. Wie immer bei Klinsmann, ist sein Plan grundsätzlich angelegt. Ramos erklärte Hertha-Manager Michael Preetz das Nachwuchskonzept der USSF. Dass der Verein Brooks leichten Herzens in die Hände der Amerikaner übergeben könne. "Was uns vorgestellt wurde, hatte Hand und Fuß", lobte Preetz sowohl das Konzept als auch das angenehme Auftreten der Gäste. Das Treffen fand im Mannschaftshotel vor einem Heimspiel statt. Später gesellte sich Trainer Jos Luhukay zu der Runde. Dennoch machte Preetz das Interesse von Hertha klar: "Wir würden es begrüßen, wenn John sich für die DFB-Auswahl entscheidet."

Nun liegt die Entscheidung aber weder beim Arbeitgeber noch bei den Verbänden – sondern beim Spieler. Der ist begehrt. Bekannt ist, dass der FC Bayern Brooks umworben hatte. Bisher unbekannt war, dass auch Bayer Leverkusen unmittelbar vor einer Verpflichtung stand. Im letzten Moment entschied sich Brooks für Hertha, weil er dort bessere Chancen sehe zu spielen. Brooks verkörpert einen modernen Verteidiger aus dem Lehrbuch: 1,93 Meter, robust und dennoch beweglich. Seine Technik ist gut, seine Spieleröffnung mit dem linken Fuß sehr gut. Trainer Luhukay ist ein Fan. Aber er legt auch den Finger unnachgiebig in die Wunde. Ob Fitness, Athletik, Dynamik – "John kann sich in allen Bereichen verbessern. Vor allem muss er lernen, über 90, 93 Minuten durchgehend konzentriert zu spielen."

Das ist das "aber", das Brooks begleitet: Ihn umgibt ein Hang zum raschen Zufriedensein. Den kann er sich im Profifußball jedoch nicht leisten. Luhukay ist sein größter Förderer, er hat Brooks in den vergangenen fünf Spielen aufgestellt. Mahnt aber: "Weil wir so offensiv spielen, ist es in der Defensive gerade für einen jungen Spieler schwer mit der Konzentration. John hat vielleicht nur zwei, drei Momente, wo er da sein muss. Die sind dann aber entscheidend."

Vertrag bis 2015

Und Brooks? Der hat bei Hertha einen Vertrag bis 2015. Er erzählt, dass er so gut in Form ist, wie noch nie. Dass es ihn weiterbringt, regelmäßig in der Zweiten Liga zu spielen. Bis zum Alter von 21 Jahren (oder dem ersten Einsatz in einem Pflicht-Länderspiel) können sich junge Spieler offen halten, für welches Land sie antreten. Vor Berliner Journalisten wollte sich Brooks jüngst nicht festlegen. "Die deutsche Nationalmannschaft ist toll, die der USA aber auch." Im New-York-Times-Blog hingegen wird Brooks so zitiert: "Für Deutschland zu spielen, wäre o.k. Aber die USA ist meine erste Wahl, das fände ich besser. Mein großes Ziel ist es, mit der USA die U20-WM zu spielen." Die findet 2013 in der Türkei statt.

Auch Tab Ramos gibt sich zuversichtlich: "Wir haben John als großen Baustein für die Zukunft vorgesehen. Und er möchte gern dabei sein." Beim Deutschen Fußball-Bund hat man erst spät ein Auge auf Brooks geworfen. Im August hat U20-Nationaltrainer Frank Wormuth den Berliner erstmals zu einem Lehrgang geladen. Das US-Interesse an Brooks ist bekannt. Das deutsche Interesse am Manndecker aus Berlin wird sich genau festmachen lassen. Wetten, dass Brooks gegen Polen spielt?

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