11.11.12

Zweite Liga

Schützenfest schweißt Herthas Stürmer zusammen

Beim 6:1-Sieg in Sandhausen trafen auch Sami Allagui und Ben Sahar – und das ganze Team feierte die Einwechselspieler.

Von Uwe Bremer
Foto: dapd

SV Sandhausen - Hertha BSC 1:6 (0:2) Beim Aufsteiger aus Sandhausen sind die Berliner ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Wie in dieser Szene Sören Pischorn (r.) gegen Adrian Ramos schienen die Sandhäuser fast immer einen Schritt langsamer zu sein, als der Bundesligaabsteiger aus der Hauptstadt. Dank des stark aufgelegten...

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Die nächste gute Nachricht erreicht Jos Luhukay auf dem Hauptbahnhof. Unmittelbar bevor der Trainer von Hertha BSC am frühen Nachmittag in den ICE stieg, erfuhr er, dass Verfolger Kaiserslautern in Paderborn nur 1:1 gespielt hat.

"Damit ist das Wochenende komplett", schmunzelte Luhukay. "Wir haben einen Sieg vorgelegt und weder Spitzenreiter Braunschweig noch Lautern haben ihre Spiele gewinnen können." Folge: Nach dem fulminanten 6:1 in Sandhausen hat Hertha Rang zwei von Kaiserslautern zurückerobert und den Rückstand auf Braunschweig auf fünf Punkte verkürzt.

Der Trainer würde es öffentlich nie zugeben. Aber die Berichterstattung in einigen Berliner Medien hatte ihn gewurmt. Nach zwei vorausgegangenen Unentschieden war zu lesen, dass Hertha auf Rang drei abgerutscht ist.

Da kam Luhukay die Antwort seiner Mannschaft gerade recht: Im Hartwaldstadion gelang Hertha der höchste Sieg der Saison, dazu das zweithöchsten Auswärtsresultat der Vereinshistorie (deutlicher war es nur 1981 beim OSV Hannover und 1982 bei der SpVgg Bayreuth/jeweils 6:0). Zudem wurde der vereinseigene Rekord aus der Saison 1994/95 eingestellt mit nun elf Partien in Folge ohne Niederlage.

Ungeachtet dieser Zahlen hatte es Luhukay ein ganz anderes Detail der Statistik angetan. "Das war ein sehr schöner Abend mit sechs verschiedenen Torschützen. Beachtlich ist, wie sich die Mannschaft für jeden einzelnen freuen kann."

Unkonventionelle Freude

Wobei anzumerken ist: Jubelszenen wie bei Adrian Ramos nach dessen Kopfball zur Führung (28.) oder bei Ronny, der den vorentscheidenden Elfmeter zum 3:0 versenkte (68.), haben sich bereits eingebürgert. Hertha feiert seine Südamerika-Fraktion regelmäßig, der Kolumbianer Ramos traf zum vierten Mal, der Brasilianer Ronny zum fünften.

Bemerkenswert indessen war die Reaktion der Kollegen bei den Treffern der Einwechselspieler. Alle wissen, dass sich Sami Allagui mit der Rolle als Joker sehr schwertut. Als Allagui den Ball zum 4:1 versenkte (81.), freute sich Ronny unkonventionell. Er warf sich den Tunesier über die Schulter und streckte den rechten Arm in die Höhe als wollte er sagen: Ich habe hier den gefährlichsten Löwen der Savanne gefangen.

Auch Ben Sahar war überrascht. Dem israelischen Nationalspieler gelang am 13. Spieltag der Zweiten Liga endlich sein erstes Tor. Sein sehenswerter Flachschuss unten ins rechte Eck markierte den Schlusspunkt des Hertha-Ausfluges in den Rhein-Neckar-Kreis. Und alle Berliner Profis rannten auf Sahar zu, klopften ihm auf die Schulter, strichen ihm über den Kopf. Die Teamkollegen wissen um den Frust des ungeduldigen Stürmers, der gern viel öfter spielen würde.

Das Schützenfest von Sandhausen als Gruppentherapie: Wie immer bei Stürmern steigt ihre Lebensfreude, wenn sie erfolgreich sind. Sahar twitterte, kaum im Mannschaftsbus angekommen: "Total happy über unseren großartigen Sieg. Ich bin froh, dass ich dabei war und freue mich über mein erstes Tor für Hertha."

Nach der Rückkehr in Berlin sagte Sahar nach dem obligatorischen Auslaufen: "Ich habe mich über beides sehr gefreut: Über das Tor und über die sehr warme Reaktion der Kollegen."

Alles hat gepasst

Ähnlich formulierte es Allagui, der bisher professioneller als Sahar mit seiner Rolle als Bankspieler umgegangen ist: "Es war ein schöner Abend, für uns und für die Fans. Alles hat gepasst."

Allagui und Sahar haben mit ihren Treffern dafür gesorgt, dass der Druck auf Stammstürmer Ramos (und Sandro Wagner) hoch bleibt. Trainer Luhukay fühlte sich bestätigt. Er habe immer gesagt, dass eine erfolgreiche Saison mehr als elf oder 14 Spieler brauche. Mittelfeldspieler Marcel Ndjeng sagt: "Unsere Mannschaft hat einen guten Charakter. Jeder gönnt dem Kollegen, dass er Erfolg hat."

Die gute Atmosphäre im Team zeigt sich auch daran, wie die Torschützen mit dem frischen Ruhm umgehen. So gaben sich die erfolgreichen Profis vom Freitag am Sonnabend alle Mühe, nicht zu forsch aufzutreten. Sahar sagte: "Das war erst der Anfang. Ich werde weiter hart arbeiten, um künftig mehr Einsatzzeit zu bekommen." Allagui beantwortete die Frage, ob er nach seinem erfolgreichen Einsatz in Sandhausen damit rechne, im nächsten Heimspiel gegen den FC St. Pauli in der Startelf zu stehen: "Ich biete mich an. Aber die Aufstellung ist Sache des Trainers." Der Trainer gab seiner Mannschaft nach dem siebten Saisonsieg zwei Tage frei. "Das sollen die Jungs genießen. Aber ab Montagnachmittag wird gearbeitet. Wir dürfen nicht zufrieden sein. Es gibt keinen Grund abzuheben"

So hübsch der Hertha-Rekord von elf Partien ohne Niederlage ist. Luhukay weiß, dass es besser geht. Seine persönliche Bestmarke, aufgestellt im Aufstiegsjahr 2007/08 mit Mönchengladbach liegt bei 15 Begegnungen.

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