10.11.12

6:1-Kantersieg

Hertha BSC setzt in Sandhausen ein Ausrufezeichen

Höchster Saisonsieg, seit elf Spielen ungeschlagen, Rückkehr auf Platz 2: Besser hätte es für die Berliner kaum laufen können.

Von Jörn Meyn
Foto: dapd

SV Sandhausen - Hertha BSC 1:6 (0:2) Beim Aufsteiger aus Sandhausen sind die Berliner ihrer Favoritenrolle gerecht geworden. Wie in dieser Szene Sören Pischorn (r.) gegen Adrian Ramos schienen die Sandhäuser fast immer einen Schritt langsamer zu sein, als der Bundesligaabsteiger aus der Hauptstadt. Dank des stark aufgelegten...

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Man kann nicht sagen, dass der SV Sandhausen am Freitag nicht alles versucht hatte, um die Stimmung im beschaulichen Hardtwaldstadion für die Partie gegen Hertha BSC Zweitliga-tauglich zu machen. Aus den dicken Boxen dröhnte der Rocksong "Hells Bells", auf den Sitzen lagen eigens angefertigte Klatschpappen. Wenn schon ein Sieg gegen den übermächtig erscheinenden Berliner Aufstiegsaspiranten kaum wahrscheinlich war, so sollte den 8300 Zuschauern – Saisonrekord – wenigstens etwas geboten werden.

Auf dem Spielfeld dauerte es dann trotzdem nur knapp eine halbe Stunde, bis die Hoffnung auf eine Überraschung für den Zweitliga-Aufsteiger zerplatze. Herthas Mittelfeldspieler Marcel Ndjeng trat eine Ecke von der rechten Seite scharf in den Strafraum, wo sich Fabian Lustenberger hochschraubte und den Ball zu Adrian Ramos am langen Pfosten verlängerte. Der Kolumbianer, der zuvor schon zwei Chancen vergeben hatte, köpfte ungestört zum 1:0 für die Berliner ein. Es war bereits sein vierter Saisontreffer.

Was machten die Sandhäuser? "So, jetzt die Klatschpappen raus und Vollgas geben", brüllte der Stadionsprecher. Die Stimmung wollte man sich trotz des Rückstands nicht verderben lassen. Schließlich ist es eine Sensation, dass der 14.500-Einwohner-Ort überhaupt eine Zweitligamannschaft beherbergt. Doch als die Klatschpappen gerade wieder verstummt waren, stand es bereits 0:2 (34. Minute).

Ronny hatte einen Freistoß hoch vor das gegnerische Tor geschlagen. Sandhausens unglücklicher Schlussmann Michael Langer, der den erkrankten Daniel Ischdonat ersetzte, kam heraus und boxte den Ball direkt an den Rücken von Peter Niemeyer. Von dort sprang er ins Netz. Ein kurioses Tor, welches das Spiel früh entschied. Da halfen auch die Klatschpappen nicht. Am Ende hieß es 6:1.

Lob von Hertha-Trainer Luhukay

Hertha, seit nunmehr elf Spielen ungeschlagen, gelang der höchste Saisonsieg und zumindest für eine Nacht die Rückkehr auf Rang zwei. "Meine Mannschaft war von der ersten Minute voll da und hat die Leichtigkeit zurück gefunden. Sie wollte diesen Sieg unbedingt", sagte Herthas Trainer Jos Luhukay.

Der Niederländer hatte unter der Woche bemängelt, dass sein Team sich zwar viele Chancen herausspiele, diese aber fahrlässig vergebe. Das war auch in Sandhausen in Hälfte eins der Fall. Da erspielten sich die Gäste zehn passable Torgelegenheiten, nutzten aber nur zwei – während der SVS kein einziges Mal auf das Berliner Tor schoss.

In Hälfte zwei machte es Luhukays Mannschaft besser. Erneut war Sandhausens Keeper Langer maßgeblich beteiligt. Er hatte Nico Schulz, im Strafraum zu Fall gebracht und sah die Rote Karte. Ronny verwandelte den fälligen Elfmeter zum 3:0. Es war das fünfte Saisontor des Brasilianers, der damit an Teamkollege Ramos in der Torjägerliste vorbeizog.

Wooten erzielt SVS-Ehrentreffen

Plötzlich kamen die Klatschpappen noch einmal zum Einsatz. Sandhausens Andrew Wooten überwand Herthas Torwart Thomas Kraft aus kurzer Distanz und es stand nur noch 1:3 (75.). Das nutzte der Stadionsprecher: "Das Tor feiern wir, als wäre es der Führungstreffer."

Doch Hertha ließ sich davon nicht beirren. Zwar vergab der eingewechselte Sami Allagui eine Möglichkeit (77.) frei vor dem Tor, doch vier Minuten später erhöhte der tunesische Nationalspieler nach schöner Vorarbeit vom starken Ndjeng zum 4:1 (81.). Nun brach Sandhausen auseinander. Nur wenige Momente später war es Ndjeng selbst, der mit einem Mittelding aus Flanke und Torschuss ins lange Eck zum 5:1 erhöhte. Als dann der eingewechselte Ben Sahar, der sich vor wenigen Tagen über seine Reservistenrolle in Berlin beschwert hatte, mit seinem ersten Pflichtspieltor für Hertha den 6:1-Endstand markierte, gab es bei den Berlinern kein Halten mehr. Alle Spieler liefen zu dem Israeli und gratulierten ihm.

"Es war wichtig für uns, dass wir heute ein Ausrufezeichen gesetzt haben", sagte Kapitän Peter Niemeyer, der wieder "geil darauf" war, nach der abgesessenen Gelbsperre ins Team zurückzukehren. Der Sieg sei deswegen so wichtig gewesen, sagte der 28-Jährige, weil man verhindern wollte, wie in der Aufstiegssaison vor zwei Jahren, als man zur selben Zeit vier von fünf Spielen verlor, durch eine Schwächephase von den Aufstiegsplätzen zu rutschen. "Aber wenn wir so spielen wie heute, dann macht es einfach Spaß. Wir haben uns in einen Rausch gespielt." Das musste das Sandhäuser Publikum mit ihren Klatschpappen anerkennen.

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