08.11.12

2. Bundesliga

Milliardär Hopp ist Stammgast bei Hertha-Gegner Sandhausen

Vor sieben Jahren verzichtete Sandhausen auf die Millionen des SAP-Gründers. Der Aufstieg wurde trotzdem geschafft – und auch Hopp ist zurück.

Von Klaus Schlütter
Foto: dpa/DPA

Engagiert: Dietmar Hopp kaufte eine Loge im Sandhäuser Hardtwaldstadion
Engagiert: Dietmar Hopp kaufte eine Loge im Sandhäuser Hardtwaldstadion

Dietmar Hopp hatte eine Vision. Vor sieben Jahren dachte der SAP-Chef an eine Fusion der drei benachbarten Klubs TSG Hoffenheim, Astoria Walldorf und SV Sandhausen, um eine breitere Basis für Profifußball in der Region Rhein-Neckar zu schaffen. Doch der Plan scheiterte am Veto von Jürgen Machmeier, dem Präsidenten des kleinsten Klubs im Trio. Die Sandhäuser befürchteten, fremdbestimmt zu werden. "Hier ist Platz für drei Vereine" sagte Machmeier damals. Er sollte recht behalten. Der dörfliche SVS schaffte den Aufstieg in Liga zwei ohne Hopps Millionen. Um sich abzugrenzen, schuf der Klub den Marketing-Spruch: "Authentisch, glaubwürdig und echt = 100 Prozent Sandhausen".

Seither gastieren namhafte Klubs in dem fußballverrückten Städtchen acht Kilometer südlich von Heidelberg. Gegner wie 1. FC Kaiserslautern, 1860 München, 1. FC Köln oder FC St. Pauli erscheinen vielen wie ein Traum. Und nun kommt der Hauptstadt-Klub aus Berlin. Der SV Sandhausen hat 800 Mitglieder, Hertha BSC wird demnächst sein 30.000. Mitglied begrüßen. Der Klub hat mehr als doppelt so viele Vereinsangehörige wie Sandhausen Einwohner – 14.500.

Anfangseuphorie ist verflogen

Doch die anfängliche Euphorie rund um das idyllisch gelegene Hardtwaldstadion hat sich etwas gelegt. Die Resultate sorgten für Ernüchterung. Fans und Verantwortliche hegen den Verdacht, dass die Mannschaft vielleicht eine Nummer zu klein sein könnte, um die Klasse zu halten. Wen wundert's bei nur einem Sieg aus den vergangenen zehn Punktspielen? Vor allem die Heimpleiten gegen Duisburg und Regensburg haben wehgetan. Bei der jüngsten 1:2-Niederlage in Braunschweig machte sich Trainer Gerd Dais nichts vor: "Was mein Team vor der Pause geboten hat, hatte wenig mit Zweiter Liga zu tun."

Trainer Dais fest im Sattel

Trotz des Negativtrends mit zuletzt drei Niederlagen muss der Trainer nicht um seinen Job bangen. Nach dem Höhenflug der vergangenen Saison blieb die Klubführung realistisch. Mit einem Personal-Etat von vier Millionen Euro (Hertha: 17 Mio.), einer bescheidenen Infrastruktur mit gerade sechs Angestellten köchelten die Erwartungen von Anfang an auf Sparflamme. Auch wenn Machmeier gelegentlich mit der Spielweise unzufrieden ist und sich über "Altherrenfußball" mokiert, steht er nach wie vor hinter Dais: "Der Trainer genießt unser Vertrauen."

Das war nicht immer so. 2005 stieg der frühere KSC- und Waldhof-Profi als Übungsleiter ein. Der 48-Jährige führte die Sandhäuser von der Oberliga über die Regionalliga in die Dritte Liga. Im Februar 2010 musste er trotzdem gehen. "Als wir zu gierig waren und zu viel wollten", gesteht Machmeier im Rückblick. Es war der Anfang einer rasanten Talfahrt.

Niemeyer kehrt ins Team zurück

Um den drohenden Abstieg zu verhindern, korrigierte er seinen Fehler und holte ein Jahr und zwei erfolglose Trainer später Gerd Dais als Retter zurück. Mit ihm ging es wieder steil bergauf, gekrönt mit dem Aufstieg rechtzeitig zur 750-Jahr-Feier der Gemeinde, die nach den Sanddünen am Ortsrand benannt ist. "Gerd hat die Mannschaft über 15 Monate gepusht und einen Team-Spirit geschaffen", lobt Geschäftsführer Otmar Schork.

Selbst gegen die übermächtig erscheinenden Liga-Dritten aus Berlin rechnet sich der Vorletzte etwas aus. Präsident Machmeier sagt: "Bei unserer Tabellenlage müssen wir gegen Hertha etwas holen." Die Voraussetzungen dafür sind jedoch schwierig. Die Abwehrspieler Daniel Schulz, früher beim 1. FC Union, und Sören Halfar sowie Stürmer Regis Dorn fallen verletzt aus.

Holland fehlt, Bastians soll einspringen

Bei Hertha fällt Fabian Holland (Oberschenkelzerrung) aus. Stattdessen gibt Felix Bastians sein Saisondebüt als linker Verteidiger. Im Mittelfeld kehrt nach abgesessener Gelb-Sperre Peter Niemeyer zurück. Um den Kapitän einzubauen, wird Trainer Jos Luhukay sein System von zuletzt zwei Stürmern auf einen Angreifer verändern.

In Sandhausen sind sie froh, in dieser angespannten Situation Freunde zu haben. Dietmar Hopp hat die Absage von damals abgehakt, die Sympathie für den Nachbarn ist geblieben. Kürzlich hat er zusammen mit einem Unternehmer und dem Spielerberater Roger Wittmann eine Loge im Hardtwaldstadion erworben. Kostenpunkt 35.000 Euro. Eine Zusammenarbeit der beiden Vereine hält Hopp nach wie vor für möglich: "Wie, das müssen Manager und Trainer diskutieren."

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