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Nach der Niederlage

"Wir haben mit Platz vier eine gute Saison gespielt"

Die Sterne schienen so nah. Nach der Niederlage gegen Karlsruhe waren bei Hertha alle traurig. War die Hoffnung auf den Meistertitel realistisch? Nein, meint Lucien Favre. Aber über einen vierten Platz nach einer guten Saison darf sich auch gefreut werden, schreibt der Hertha-Trainer exklusiv für Morgenpost Online.

Es ist schade. Die Fußball-Bundesliga war in dieser Saison so eng beisammen wie nie. Für Hertha BSC war alles möglich. Aber leider haben wir in den letzten beiden Spielen gegen Schalke und in Karlsruhe nicht das erreicht, was wir uns vorgenommen haben. Natürlich wollten wir diese Spiele gewinnen. Die Stimmung nach dem Abpfiff war gedrückt. Alle waren traurig.

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Wir haben am Samstagabend in Berlin in der Puro Lounge bis weit nach Mitternacht mit der ganzen Mannschaft, den Trainern und den Offiziellen bei einem Glas Wein zusammen gesessen. Es wurde viel geredet. Nein, das war keine depressive Veranstaltung, es war ein sehr offener, sympathischer Abend.

Wir haben das Maximum verpasst. Doch wir sollten uns ehrlich fragen: Ist es für Hertha BSC realistisch gewesen, dass Maximum zu erreichen? Meine Antwort: Nein. Jetzt wird viel diskutiert über die verpasste Meisterschaft und die verpasste Champions League. Auch ich bin enttäuscht.

Dennoch sollten wir schauen, wo wir herkommen: Wir hatten verglichen mit der Konkurrenz ein relativ kleines Budget für Spieler. Trotzdem hat die Liga Hertha BSC gefürchtet, weil wir so viele enge Spiele gewonnen haben. Das meint aber auch: Wir waren fast jedes Mal am Limit.

Ich finde, dass wir mit Platz vier eine gute Saison gespielt haben. Vor dem Start hatten uns manche als Abstiegskandidaten gesehen. Nach 34 Spieltagen hat Hertha BSC mit 63 Punkten das beste Resultat seit dem Wiederaufstieg 1997 erkämpft. Wir haben als Vierter unser Saisonziel erreicht und starten im kommenden Spieljahr in der Europa League. Ob der Hamburger SV, Borussia Dortmund, FC Schalke, Bayer Leverkusen oder Werder Bremen: Wir haben Konkurrenten hinter uns gelassen, die mit höheren Ambitionen und viel mehr Geld gestartet waren.

Die Fans und die Stadt Berlin haben gespürt, dass bei Hertha etwas entsteht. Wir hatten so viele Anhänger im Olympiastadion wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Fans haben uns sehr geholfen. Vielen Dank dafür, ohne diese Unterstützung wären wir nicht so weit gekommen.

Meine Gratulation geht an Kollege Felix Magath und seine Mannschaft. Der VfL Wolfsburg ist verdient Deutscher Meister geworden.

Wolfsburg ist mehr als Dzeko/Grafite

Sicher hat es geholfen, dass sie 60 Millionen Euro für die Mannschaft ausgeben konnte. Man muss anerkennen, dass der VfL sinnvoll investiert hat. Dzeko und Grafite sind für mich die Spieler dieser Saison. Sie haben Power, sind beidfüßig. Dieses Duo hat den Unterschied gemacht, sie waren noch mal besser als die ebenfalls starken Luca Toni/Miroslav Klose in München und Mario Gomez/Cacau in Stuttgart. Dass Grafite/Dzeko jetzt Angebote von internationalen Topklubs haben, ist nur konsequent.

Aber Wolfsburg hat mehr ausgemacht als der exzellente Sturm. Misimovic im Mittelfeld war wichtig, dazu Gentner und Schäfer. Im Tor hat Diego Benaglio eine gute Saison gespielt. Dazu hat der VfL mehrfach das geboten, was uns gefehlt hat: Diese spektakulären Siege, von denen auch eine Signalwirkung für die Konkurrenz ausgeht – 5:1 gegen den FC Bayern München, 5:0 bei Hannover 96, 5:1 gegen Werder Bremen.

Der FC Bayern hat sich in dieser Saison nie wirklich frei gespielt. Es war für Trainer Jürgen Klinsmann schwer. Er hat von Ottmar Hitzfeld eine Mannschaft übernommen, die das Double gewonnen hatte. Es gab kaum Veränderungen. Die Spieler waren vor allem auf die Champions League fokussiert. In der Bundesliga hat oft die Frische gefehlt. Ein Problem, das die Münchener durchgehend begleitet hat: 42 Gegentore sind einfach zu viel.

Das ist generell ein Problem der Bundesliga. Die ersten Drei in der Tabelle haben alle über 40 Gegentore kassiert. Der internationale Vergleich: Nach 37 Runden in England hat Manchester United 24 Gegentore, Liverpool 26, Chelsea 22. In Spanien sieht es so aus: FC Barcelona 34, Real Madrid 47, FC Sevilla 37. In Italien: Inter Mailand 27, AC Mailand 32, Juventus Turin 37.

Zu viele Gegentore

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich will niemanden kritisieren. Die Ausgeglichenheit in Deutschland macht den Reiz der Bundesliga aus. Deshalb kommen so viele Zuschauer in die Stadien. Aber die Gegentore sind ein Grund, warum seit Jahren in der Champions League keine deutsche Mannschaft im Halbfinale oder Endspiel dabei ist. Ich glaube, dass wir die Ausbildung von Verteidigern und der Defensive allgemein verbessern müssen.

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