28.09.12

Zweite Bundesliga

Bastians wird bei Hertha BSC wieder zum Vorbild

Felix Bastians kämpft sich zurück. Der Berliner Abwehrspieler überzeugte gegen Dresden und beweist, dass Hertha Ausfälle gut kompensieren kann.

Von Jörn Meyn und Uwe Bremer
Foto: picture alliance / Augenklick/Ra

Zurückgekämpft: Felix Bastians ist bei Hertha wieder ganz vorn mit dabei
Zurückgekämpft: Felix Bastians ist bei Hertha wieder ganz vorn mit dabei

Mit langen Schritten stapfte Felix Bastians vom Trainingsgelände. Am Morgen nach dem glanzlosen, aber ungefährdeten 1:0-Erfolg gegen Dynamo Dresden hatte Herthas Abwehrspieler nur eine kurze Laufeinheit mit dem Berliner Stammpersonal absolvieren und nicht wie gewohnt die volle Übungseinheit mit den Ergänzungsspielern trainieren müssen.

Eine neue Erfahrung für den 24-Jährigen, der gegen die Sachsen sein Startelf-Debüt in der aktuellen Zweitligasaison gegeben hatte und zuvor lediglich gegen den VfR Aalen und beim 1. FC Kaiserslautern jeweils in Hälfte zwei eingewechselt worden war.

Neu dürfte für den Linksfuß aber auch gewesen sein, welches Interesse ihm von den wartenden Journalisten entgegen gebracht wurde. So musste er knapp einem Dutzend Reportern erklären, wie er das gemacht hatte, den gefährlichsten Dresdener Angreifer, Mickael Poté, der in der laufenden Saison immerhin schon viermal getroffen und den Bastians Trainer Jos Luhukay vor der Partie noch als "einen der besten Stürmer der Liga" gepriesen hatte, vollkommen aus dem Spiel zu nehmen.

Umso erstaunlicher war, mit welcher Routine Felix Bastians seine Überlegungen zum Besten gab und dabei, wie es im Profigeschäft heute zum guten Ton gehört, weniger sich selbst als vielmehr seine Mitspieler lobte: "Wir haben das gemeinsam gut gelöst", befand Bastians also, "mit Lusti, Fabian und Peter hinten. Wir haben insgesamt als Mannschaft kompakt gestanden, deshalb konnten wir auch gut verteidigen."

Bastians macht den Franz

Dass Felix Bastians gegen Dresden überhaupt in der Startformation der Berliner stand, hatte der 1,88 Meter große Blondschopf einer Kette von unglücklichen Zufällen zu verdanken. Erst verletzte sich Herthas etatmäßiger Abwehrchef Maik Franz gegen Kaiserslautern schwer an der Schulter und fällt nun mindestens drei Monate aus.

Dann erschien Franz' erster Vertreter im Abwehrzentrum, Roman Hubnik, zur Mannschaftssitzung vor der Partie mit hohem Fieber und konnte ebenfalls nicht auflaufen. So entschied sich Jos Luhukay, den gelernten linken Außenverteidiger im Abwehrzentrum aufzustellen – und das erwies sich letztlich als Glücksgriff.

Der gebürtige Bochumer vertrat Maik Franz nicht nur adäquat als Abwehrchef. Er überzeugte gegen den bulligen Poté mit 'Franz-Tugenden': Einsatzwille und Zweikampfhärte. So fand sich der Dresdner Angreifer bereits nach drei Minuten das erste Mal mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden wieder, nachdem ihn Bastains auf Höhe der Mittellinie in bester Franz-Manier in einem Kopfballduell abgeräumt hatte.

Spätestens von diesem Zeitpunkt an wusste der Nationalspieler des Benin, mit wem er es an diesem Tag zutun hatte. Von insgesamt acht Luftduellen mit Bastians verlor Poté sieben und verschwand nach dem verlorenen Spiel völlig entnervt mit den Worten: "Heute war es einfach zu schwer."

Deal gescheitert

Nur einer hatte noch ein größeres Lob für Felix Bastians übrig: sein Trainer Jos Luhukay. Der Niederländer sagte über die Leistung seines Aushilfsinnenverteidigers: "Respekt, wie sich der Junge zurückgekämpft hat. Er hat sich im Training mit viel Fleiß angeboten. Ein Klassespiel von ihm. Das macht mich unglaublich stolz."

Eigentlich hatte Jos Luhukay kurz vor Ende der Transferperiode im August nicht mehr damit gerechnet, dass er in dieser Saison überhaupt noch einmal auf Bastians zurückgreifen könnte. Nachdem der 24-Jährige nach seiner Verpflichtung im Januar vom SC Freiburg in Berlin nicht zu überzeugen gewusste hatte, war sich Hertha bereits mit dem Ligakonkurrenten FC St. Pauli über ein Ausleihgeschäft einig. Doch der Deal scheiterte am Veto des Spielers.

Dennoch setzte Luhukay zu Beginn der Saison lieber auf andere Akteure. Bastians fand sich in den ersten Spielen entweder auf der Bank oder gar wie gegen Jahn Regensburg und den 1. FC Union auf der Tribüne wieder. "Das war keine einfache Zeit für mich", gab Bastians am Donnerstag zu.

Position "erst mal egal"

"Es war eine Zeit, wo man eine gewisse Charakterstärke beweisen muss." Er habe versucht, sich über gute Trainingsleistungen anzubieten "ich bin froh, dass ich jetzt die Chance bekommen habe". Dass er dabei nicht auf seiner angestammten Position links in der Viererkette zum Einsatz kam, wo ihm derzeit der junge Fabian Holland einen Schritt voraus ist, behandelte Bastians als Nebensächlichkeit: "Ich saß zuvor auf der Tribüne, da bin ich heilfroh, dass ich überhaupt gespielt habe. Die Position ist da erst mal egal."

Bastians fühlt sich bestätigt, den Weg des größeren Widerstands gewählt zu haben und nicht nach Hamburg gewechselt zu sein: "Stand heute war die Entscheidung richtig." Sein Trainer stimmte dem zu und fand, dass sich Bastians für seine Leidensfähigkeit "selbst belohnt" habe.

Vom Tribünengast zum Vorbild

Doch für Luhukay bedeutet das geglückte Experiment mit Felix Bastians in der Innenverteidigung nicht nur, dass er nach dem Ausfall von Maik Franz nun also eine neue Alternative im Abwehrzentrum besitzt. Der 49-Jährige hat darüber hinaus die Erfahrung gemacht, dass sein Team mittlerweile schmerzhafte Ausfälle kompensieren kann. Zuvor war das bereits im Heimsieg gegen den VfR Aalen (2:0) zu sehen, als der Coach Peer Kluge und Änis Ben-Hatira ersetzen musste und deren Vertreter Adrian Ramos und der Brasilianer Ronny sogleich beide Tore erzielten.

Gegen Dynamo Dresden zeichnete sich nun also Bastians hauptsächlich dafür verantwortlich, dass Hertha im zweiten Heimspiel hintereinander ohne Gegentreffer geblieben ist.

Das veranlasst Luhukay jetzt dazu, Felix Bastians zum Vorbild für andere Profis zu erklären, die noch in der zweiten Reihe des 28-köpfigen Aufgebotes bei Hertha stehen: "Vielleicht kann das demnächst auch ein anderer Spieler schaffen", deutete Luhukay vielsagend an. Zu denken ist da besonders an die beiden bisher unauffälligen Angreifer Ben Sahar und Elias Kachunga.

© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Vorschau "Avengers 2"-Trailer inoffiziell vorab…
Russland Slapstick-Rettung für eine Katze im Baum
ADAC-Test So gefährlich sind billige Kindersitze
Filmkunst So viel Deutschland steckt in Hollywood
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Trend

Die schönsten Fotobomben der Stars

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote