Shooting-Star

Was Lasogga dem Hertha-Idol Preetz voraus hat

20 Spiele, zehn Tore: Die Quote von Hertha-Stürmer Pierre-Michel Lasogga ist beeindruckend. Zumal er seine erste Profi-Saison spielt. Da können selbst Berliner Idole wie Michael Preetz, Marcelinho oder Theo Gries nicht mithalten.

Pierre-Michel Lasogga stand mit strahlenden Augen vor der Ostkurve. Die Inszenierung mit den Fans, das rhythmische Klatschen, das immer schneller wird, die ohrenbetäubenden Gesänge: "Nie mehr Zweite Liga, nie mehr, nie mehr" – der Youngster hat das noch nicht oft erlebt. 20 Einsätze im Profibereich hat der 19-Jährige absolviert. Und sich gegen den SC Paderborn in Herthas Geschichtsbücher geschossen. Nach 20 Spielen im blau-weißen Trikot hatte Michael Preetz fünf Treffer erzielt, Marko Pantelic sechs, Marcelinho und Axel Kruse sieben. Theo Gries hatte es auf acht Tore gebracht. Doch die Spitze markieren Lorenz Horr und nun Lasogga – mit je zehn Treffern.

"Allgemein läuft es gut diese Saison", sagt der Stoßstürmer lapidar. Dabei weiß Lasogga, dass sein Job bei Hertha ein einsamer ist. Er bekommt nicht viele Bälle, gegen die Westfalen hatte er nur 40 Ballkontakte. Zumeist attackieren ihn zwei, manchmal drei Verteidiger. Eine Konstellation, die den Angreifer aber nicht entmutigt. Unverdrossen lief er am Sonntag auch im x-ten Anlauf einem Ball nach, um die Gäste im Spielaufbau zu hindern. Bei seinem Tor zeigte Lasogga diese Qualität, die in keinem Fußballlehrbuch steht, die man nicht trainieren kann: Torriecher. Intuitiv sprintete er in den Ball, den Lell aus gut 20 Metern abfeuerte, brachte seinen Fuß an den Ball und verlängerte ihn unhaltbar zum 1:0 (39.). "Manchmal muss man nicht mehr machen, ich habe auf die Situation spekuliert", erzählte Lasogga.

Dabei hatte es zu Saisonbeginn nicht so ausgesehen, als ob dieses Talent, das aus der A-Jugend von Bayer Leverkusen kam, Hertha entscheidend würde helfen können. Mittlerweile hat sich sein Spitzname "Lasso" durchgesetzt. "Aber am Anfang hieß er Lasagne", erzählt Trainer Markus Babbel. Der Neue war zu schwer, lief im Konditionstrainingslager mit Ronny in der letzten Laufgruppe. "Aber Pierre hat unglaublich hart gearbeitet, um fit zu sein", lobt Babbel nun seinen Stürmer. Ohnehin ist Willensstärke eine der Qualitäten, die Lasogga auszeichnet. "In der Zweiten Liga schlägt Mentalität Qualität", sagt Manager Michael Preetz. So sind Raffael oder Ramos oder Ronny sicher die besseren Fußballer. "Aber Pierre hat diesen unglaublichen Behauptungswillen. Er ist, auch wenn es bei seinen 1,89 Metern nicht so wirkt, schnell. Und extrem unangenehm zu spielen für die Gegner", beschreibt Preetz.

Tore hat der Stiefsohn von Ex-Nationaltorwart Oliver Reck immer geschossen. Aber aufgrund seiner Spielweise fanden die Nationaltrainer, dass er nicht für eine Jugend-Nationalmannschaft geeignet sei. Das hat sich inzwischen geändert. Gegen Holland (3:1) und Italien (2:2) debütierte der Herthaner in der U21-Nationalelf. Und führte sich standesgemäß mit einem Tor gegen die Niederlande und einem Assist gegen Italien ein. Sein Vertrag in Berlin läuft bis zum Sommer 2013. Im Juni 2012 kann Bayer Leverkusen den Angreifer zurückkaufen – falls der will. "Egal, was kommt: Ich treffe die Entscheidung", sagt Lasogga.

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