Zweite Liga

Hertha BSC will noch alle 18 Punkte holen

Nach dem Sieg gegen Paderborn herrscht bei Hertha große Zuversicht in Sachen Aufstieg. Auch dank der Statistik - mit 59 Punkten nach 28 Spieltagen ist bisher jeder Verein aufgestiegen. Trotzdem soll in einer Woche beim VfL Bochum der nächste "Big Point" folgen.

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Mo, 04.04.2011, 17.53 Uhr

Hertha ist vom Aufstieg überzeugt

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Die Umzugskartons sind natürlich längst aus-, die Wohnung im Süden der Stadt eingeräumt. Ganz und gar heimisch fühlen wird Peter Niemeyer sich bei Hertha BSC aber erst, wenn auch rechnerisch keine Zweifel mehr daran bestehen, dass der Tabellenführer der Zweiten Liga und mit ihm sein von Werder Bremen ausgeliehener Mittelfeldspieler in die Bundesliga zurückkehren. Dann nämlich geht Niemeyers momentan noch gültiger Status als Leiharbeiter über in eine schon vereinbarte Festanstellung von dreijähriger Dauer.

In absehbarer Zeit wird Niemeyer Jobsicherheit bis 2014 haben. Einhergehend mit der Perspektive, nicht mehr gegen die Paderborns dieser Fußballwelt spielen zu müssen, "sondern gegen Werder Bremen." Oder gegen Bayern München, den Hamburger SV, Borussia Dortmund. Namen von Klang. Eine Statistik besagt, dass in jüngerer Vergangenheit noch jede Mannschaft aufgestiegen ist, die nach 28 Spieltagen wenigstens 56 Punkte auf dem Konto hatte – und Hertha hat sogar schon 59. "Wir sehen also schon Licht am Ende des Tunnels", sagt Niemeyer, und dass er "bitter enttäuscht" wäre, wenn der derzeit um neun Punkte distanzierte Tabellenvierte aus Fürth "uns noch abfängt".

Nach dem 2:0 am Sonntag gegen Paderborn herrscht indes allerorten Zuversicht, dass es zu keinem Einbruch auf der Zielgeraden mehr kommen wird. Dass es keine glänzende Darbietung war – na und? "Natürlich können wir besser Fußball spielen", sagte denn anderntags auch Trainer Markus Babbel. Recht zu stören schien das an diesem Nachmittag aber niemanden. Eher schon ging von der Traumkulisse von 70.621 Zuschauern im Olympiastadion der Eindruck aus, die Abschiedsfeierlichkeiten aus der Zweiten Liga hätten spätestens jetzt begonnen. "Nichts dagegen", sagt Babbel, hätte er, wenn es denn so wäre: "Unsere Fans warten sehnsüchtig auf die Bundesliga, und wir sind auf einem guten Weg dorthin."

Fürwahr, 18 Saisonsiege sind schon jetzt ein respektabler Wert. Bei 22 steht Hannovers Rekord aus der Saison 2001/02 – und noch sind in dieser Spielzeit ja sechs Spiele zu spielen. Chance und Risiko. "Es kann noch viel passieren", gemahnt Trainer Babbel die Seinen, jetzt bloß nicht nachzulassen. Wird nicht passieren, verspricht Ersatzkapitän Christian Lell. Sie müssten noch sechsmal mit einer solchen Einstellung und einem solchen Siegeswillen wie gegen Paderborn auftreten, "dann kann nichts mehr passieren, denn wir stehen ja oben." Auch Patrick Ebert Ebert ("Mein Gefühl war vom ersten Spieltag an, dass wir aufsteigen werden") gelobt, sie alle wären "Profis genug um zu wissen, dass wir noch nicht durch sind. Wir hatten schon 28 Endspiele, jetzt kommen eben noch sechs weitere."

Das erste davon kommenden Montag in Bochum. "Einen echten Big Point" könnten sie beim Mitabsteiger landen, kündet Kapitän Andre Mijatovic. Ein Unentschieden hält den Abstand auf den wenig attraktiven Relegationsrang, ein Sieg würde ihn womöglich schon entscheidend vergrößern. In den vergangenen Jahren genügten stets 63 Punkte zum Aufstieg. Allerdings glauben nicht wenige Hertha-Profis, was Peter Niemeyer so formuliert: "Statistiken sind schön, weil sie oft die Wahrheit sagen, und ich freue mich, wenn sich die Statistik auch in dieser Saison bewahrheitet. Allerdings glaube ich, dass diesmal mehr als 63 Punkte nötig sein werden, um ganz sicher einen der ersten beiden Plätze zu belegen." Dies, weil mit Hertha und Augsburg (und Bochum) einige Mannschaften schon jetzt besonders viele Punkte gesammelt haben, während in dieser Saison gleichzeitig eine Mannschaft wie Bielefeld besonders wenige Punkte auf dem Konto hat.

Kein Nachteil muss es sein, dass es Montag in Bochum nicht die Berliner sind, die dem Gegner etwas anzubieten haben. "Wir müssen nicht mit aller Macht etwas konstruieren", sagt Babbel. Gleichwohl würden sie schon gen Westen fahren, "um zu gewinnen" – alles andere entspräche nicht dem Wesen seiner Mannschaft, behauptet der aktuelle Hertha-Trainer. Eher schon attestiert Babbel dem von seinem Vorgänger Friedhelm Funkel verantworteten Bochumer Ensemble "eine eher defensiv eingestellte Mannschaft" zu sein, und ja, an einer solchen Einschätzung hält er auch auf nochmalige Nachfrage fest: "Sie lauern eher auf Fehler des Gegners." Ein grausiges Spiel, das nicht das der Berliner sein soll, bis jetzt nicht war – und erst recht auch von hier an nicht sein wird, verspricht Babbel. Im Gegenteil, der siegeshungrige Ex-Profi des FC Bayern macht seinen Anspruch an den Saisonendspurt unmissverständlich deutlich: "Es sind noch sechs Spiele, in denen 18 Punkte vergeben werden. Die will ich haben, dann steigen wir garantiert auf." Und wie als ob sie gefühlt auch schon aufgestiegen sind, leistet Babbel prompt noch ein Versprechen an die Zukunft: "Ich möchte, dass es diesem Verein nie mehr passiert, in die Zweite Liga zu müssen."

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