Bundesliga

Hertha BSC im Stil der Ente gegen Werder Bremen

Foto: Revierfoto / pA/dpa

Hertha braucht zum Start der Rückrunde in Bremen einen Sieg, um die Zweifel zu vertreiben. Trainer Jos Luhukay fordert vom Team einen kühlen Kopf und flinke Beine. Christoph Janker geht nach Augsburg.

Vom englischen Schauspieler und zweifachen Oscarpreisträger Michael Caine stammt ein kluger Rat: "Sei wie eine Ente! Bleib oberflächlich ruhig, aber paddele unten immer wie der Teufel." Nun ist nicht überliefert, ob Jos Luhukay davon gehört hat. Doch seit Freitag drängt sich der Eindruck auf, dass der Vers in seinem Sinne ist.

Es war ein unaufgeregter Auftritt des Hertha-Trainers kurz vor dem Start in die Bundesliga-Rückrunde seiner Mannschaft am Sonntag in Bremen (15.30 Uhr). Einer, in dem sich Luhukay oberflächlich gelassen präsentierte, hinter seine Stirn aber bezüglich des Matchplans keine Einblicke gewährte. Jene Partie, das kann jeder bei der Betrachtung der Tabelle sehen, ist eine für die Berliner ebenso immens wichtige wie für die Bremer. Hertha als 13. liegt mit 18 Punkten nur einen Zähler vor Werder auf dem Relegationsplatz 16.

Man hat solche Partien früher Sechspunktespiel genannt, auch wenn es nach genauer Überprüfung immer schon nur drei Zähler zu gewinnen gab. Hertha aber braucht diese dringend – für Kopf und Konto im Abstiegskampf.

"Die Mannschaft ist mental gefragt"

"Es wird ein Spiel, das eigentlich nicht normal ist", sagte Luhukay. Das Ziel seiner Mannschaft müsse es sein, "in Bremen zu gewinnen, und das soll sie auch ausstrahlen". Weil das aufgrund der Tabellenkonstellation aber auch für den Gegner gilt, erwartet der Niederländer "viel Kampf, Einsatz und eine gewisse Aggressivität".

Und hier kommt Michael Caine ins Spiel: Luhukay hat erlebt, wie sein Team sich bei der bisher letzten Auswärtspartie in Bremen in der vergangenen Saison (0:2) durch das impulsive und körperbetonte Spiel der Grün-Weißen hat beeindrucken und aus der Begegnung drängen lassen. Nun ist die Brisanz noch einmal gestiegen, weil es für beide um einen hoffnungsvollen Start in die zweiten Saisonhälfte geht. Deshalb sagt Luhukay: "Die Mannschaft ist mental gefragt."

Im Stil der Ente soll sie oberflächlich Ruhe bewahren, aber untenrum dafür strampeln, dass die Zweifel und die Angst vor einer erstickten Aufbruchstimmung verschwinden. Vier Wochen lang hat Luhukay daran gewerkelt, die Probleme der Hinrunde zu beheben und sagt nun: "Wir müssen jetzt das, was wir uns erarbeitet haben, auch zeigen." Ein Sieg in Bremen soll der gelungene Einstieg in die englische Woche sein, die noch Leverkusen (Mittwoch) und Mainz (Sonnabend) als Gegner parat hält.

Luhukay will sich nicht festlegen

Damit das gelingt, schlüpfte auch Luhukay selbst in die Entenrolle. Alle Fragen nach der taktischen Ausrichtung gegen Bremen beantwortete der 51-Jährige zwar ruhig, gab aber kein bisschen seiner Überlegungen preis. Wo zum Beispiel gedenkt Luhukay Kapitän Fabian Lustenberger einzusetzen? Im Abwehrzentrum neben dem wiedergenesenen Sebastian Langkamp oder im Mittelfeld für den gelbgesperrten Hajime Hosogai? "Er ist auf beiden Positionen wertvoll. Ich mache das von unserer Strategie abhängig", sagte der Trainer.

Spielt Ronny? "Ich bin ein Liebhaber von ihm. Aber es ist wichtig, dass das Team in der Balance bleibt, wenn er spielt." Und wer ersetzt Per Skjelbred, der sich krank abmelden musste? Linksverteidiger Nico Schulz könnte das tun, sagte Luhukay, wollte sich aber nicht festlegen.

Ebenso offen ließ er, ob Roy Beerens nach seiner überstandenen Sprunggelenkverletzung in die erste Elf zurückkehrt. Luhukay erzählte aber, ihm habe ein Betreuer gesagt: "Roy ist heiß wie Frittenfett." Fit wäre er also.

Janker unterschreibt einen Vertrag bis 2016

Über einen Profi muss sich Luhukay keine Gedanken mehr machen: Christoph Janker. Der 29 Jahre alte Verteidiger, der in dieser Saison nie im Kader stand, löste am Freitag seinen noch bis Sommer datierten Vertrag bei Hertha auf und schloss sich nach sechseinhalb Jahren dem FC Augsburg an. Hertha kassiert keine Ablöse. Janker unterschrieb bis 2016 beim FCA. "Christoph war ein tolles Teammitglied – vor allem menschlich", sagte Manager Michael Preetz. "Aber sportlich war es für ihn und uns nicht zufriedenstellend."

Wie man im Übrigen an der Konkurrenz vorbeizieht, obwohl man zunächst abgeschlagen scheint, hat jüngst eine Berliner Ente vorgeführt: In der BunDucksliga, einem Wildwasserrennen aller Badeenten aus den Fanshops der Klubs, setzte sich die Hertha-Ente "Zecke" in einem Fotofinish durch. Und oberflächlich blieb sie dabei völlig ruhig.

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