Bundesliga Wie Hertha das Tauziehen um Valentin Stocker gewonnen hat

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Der VfB Stuttgart bot dem Schweizer Nationalspieler mehr Geld, hinterlegte sein Angebot aber beim verkehrten Berater. Hertha überweist dem FC Basel eine Ablösesumme von drei Millionen Euro – in Raten.

Der Anfang der Geschichte liegt sieben Jahre zurück. Da besuchte auf Einladung von Hertha BSC ein 17 Jahre altes, aufstrebendes Talent aus der Schweiz die deutsche Hauptstadt. Valentin Stocker war mit seinen Eltern angereist. Michael Preetz, damals Assistent der Geschäftsführung, zeigte Stocker das weitläufige Vereinsgelände samt Olympiastadion. Am Abend nach einem Essen in einem italienischen Restaurant überreichte Preetz dem Hoffnungsträger ein Hertha-Trikot als Geschenk. Im dem soll der Jugendliche Stocker einige Zeit geschlafen haben.

Am heutigen Sonntag, sieben Jahre später, schließt sich der Kreis. Während der FC Basel sein letztes Saisonspiel gegen den FC Lausanne bestreitet (Anstoß 16 Uhr), werden der Schweizer Meister und Hertha zeitgleich bekannt geben: Valentin Stocker wechselt nach Berlin und erhält einen Vier-Jahres-Vertrag.

Stuttgart hatte auch schon für Hegeler geboten

Hinter dem Vorgang steckt eine dramatische vergangene Woche. Die zeigt, dass Hertha in neuen Regionen nach Spielern schaut. Die Konkurrenten heißen nicht wie noch im vergangenen Sommer FC Augsburg oder SC Freiburg.

Hertha, das die Saison als Aufsteiger auf einem ungefährdeten elften Rang abgeschlossen hat, braucht bessere Qualität. Und konkurriert somit mit höherkarätigen Vereinen. Sowohl Stocker als auch der erste Neue für die kommende Saison, Jens Hegeler (von Bayer Leverkusen), hatten Angebote vom VfB Stuttgart vorliegen. So solide Hertha das abgelaufene Spieljahr gemeistert hat: Bei den Perspektiven, bei der Stabilität und dem Umfeld liegt der VfB ein bis zwei Schritte vor Hertha BSC.

Harte Verhandlungen mit dem FC Basel

Dazu lockten die Schwaben beide Spielern mit mehr Geld. Um so größer war die Erleichterung, als die entscheidenden Papiere in der Personalie Stocker am Sonnabend um 13 Uhr bei Hertha eintrafen. Eine Einigung zwischen dem Hauptstadt-Klub und Stocker war bereits am vergangenen Dienstag erfolgt. Was ausstand, waren die Unterschriften unter den Verträgen mit dem FC Basel, an den Stocker bis 2016 gebunden ist. Mit den Verantwortlichen hatten Hertha-Geschäftsführer Michael Preetz und Ingo Schiller ebenfalls am Dienstag verhandelt. Die Atmosphäre sei "hart in der Sache, aber sehr angenehm im Umgang" gewesen, berichtete einer, der dabei war.

Auch in der Schweiz hat sich herumgesprochen, dass Hertha finanziell auf besseren Füßen steht, nachdem zum Jahresbeginn Finanzinvestor KKR eingestiegen ist, und nachdem Hertha von Borussia Dortmund 9,7 Millionen Euro für den Wechsel von Adrian Ramos erhält. Entgegen den kolportierten Ablöse von fünf Millionen Euro gelang es Hertha für Stocker einen vergleichsweise günstigen Preis von drei Millionen auszuhandeln. Sie sind zudem nicht auf einen Schlag, sondern in Raten zu begleichen.

Dreimal war Stockers Bundesliga-Traum geplatzt

Vor diesem Hintergrund sind die Aussagen von Basels Präsident Bernhard Heusler zu verstehen. Der sagte unmittelbar, nachdem Stocker den FCB mit seinem 3:1 beim FC Aarau zum Schweizer Meister geschossen hat: "Valentin ist jahrelang bei uns und hat sämtliche Titel mit uns gewonnen. Er hat wahnsinnig viel für den Verein geleistet. Wir müssen respektieren, dass ein Profi seine Karriereplanung hat und, dass er einmal in die Bundesliga möchte."

Dreimal war der Traum von Stocker geplatzt: Bereits in den zurückliegenden Jahren führten weder Kontakte mit Werder Bremen, noch mit Bayer Leverkusen oder mit dem FC Schalke zum Ziel.

Hertha hat sich früh bemüht. Ende Februar, als klar war, dass die Liga in jedem Fall gehalten würde, wurden die Kontakte geknüpft. Hertha wähnte sich auf gutem Wege. Die Lage änderte sich, als der VfB Stuttgart einstieg. Armin Veh, der neue Trainer, wollte Stocker unbedingt. VfB-Manager Fredi Bobic aktivierte alte Kontakte. Marco Streller, Ex-Stuttgarter und nun Teamkollege von Stocker in Basel, schwärmt vom VfB und den Möglichkeiten in Stuttgart. Doch in dieser Rubrik war Hertha längst tätig geworden. Fabian Lustenberger kennt Stocker nicht nur aus dem Schweizer Nationalteam, beide kennen sich aus Kindheitstagen in Luzern. Lustenberger also hatte Stocker längst vorgeschwärmt von Berlin, den tollen Hertha-Fans und der Entwicklung, die die Mannschaft unter Trainer Jos Luhukay genommen hat.

Angebot an den verkehrten Berater

Dann hatte Hertha Glück. VfB-Sportdirektor Bobic unterbreitete ein lukratives Angebot, besser dotiert als das von Hertha. Nur, so wird es erzählt, hinterlegte Bobic das Stuttgarter Interesse bei dem Schweizer Rechtsanwalt Marco Balmelli. Der ist zwar bestens vernetzt mit Basels Präsident Heusler und beriet über Jahre auch Stocker. Aber der Spieler hat vor einem Jahr den Agenten gewechselt. Mittlerweile lässt sich Stocker von Sports Total (Geschäftsführer Volker Struth) vertreten. Die sind Marktführer in Deutschland. Sports Total betreut unter anderem Mario Götze, Marco Reus, Toni Kroos und auch Ramos.

Dass ein Spieler bei einem besser dotierten Angebot ins Grübeln kommt, ist normal. Doch in dieser Konstellation waren Stocker und sein Berater verstimmt, weil das VfB-Angebot an der verkehrten Adresse hinterlegt war. Zur großen Erleichterung von Preetz und Luhukay bekräftigte Herthas Königstransfer, dass er zu seinem Wort steht.

Stocker wird Topverdiener bei Hertha

Dem Vernehmen nach wird Stocker Topverdiener bei Hertha mit rund 1,6 Millionen Euro Jahresgehalt. Er soll gleich mehrere Probleme lösen. Trainer Luhukay will, dass seine Mannschaft im Jahr eins nach Ramos künftig schwerer ausrechenbar ist. Deshalb soll die Torgefahr auf viele Schultern verteilt werden. Eine Anforderung, die Stocker erfüllt: Er erzielte 14 Tore und bereitete neun vor. Der Offensivspieler ist vielseitig, kann zentral und auf der rechten Seite spielen. Seine Lieblingsposition ist die linke Außenbahn. In der Schweizer Nationalelf spielt Stocker zweite, hängende Spitze.

Er wird nun ein paar Tage Urlaub machen. Ehe das Abenteuer Hertha beginnt, wird Stocker sich ab dem 25. Mai mit der Schweizer Nationalmannschaft im Weggis auf das Abenteuer WM in Brasilien vorbereiten.

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