Serie: Meine Saison

Herthas Thomas Kraft – "Die Kritik hat mich besser gemacht"

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Der Berliner Schlussmann schreibt exklusiv in der Morgenpost. Teil 2: Wie ich nach zwei Fehlern in der Hinrunde dachte: Jetzt zeige ich es allen. Und warum ich in Zukunft bei Hertha bleiben möchte.

Eigentlich kann man ja fast sagen, dass meine persönliche Saison etwas konträr zu der Spielzeit der gesamten Mannschaft insgesamt verlaufen ist. Die Rückrunde lief bei mir eigentlich besser als die Hinrunde. Bei uns als Team war es leider andersrum - und ich bin ja ein Teil des Teams. Insofern ist meine eigene Bewertung eher nebensächlich.

Aber es gab zwei Spiele in der Hinrunde, in denen ich zweimal nicht gut ausgesehen habe. Gegen den FC Bayern, als ich eine Flanke unterlief. Und gegen Schalke, als ich eine Ecke falsch einschätzte. Mit beiden Fehlern habe ich in den Momenten das Team nicht unbedingt stärker gemacht. Niemand hat sich mehr darüber geärgert als ich selbst.

Schlagzeilen haben mich geärgert

Danach gab es zum ersten Mal, seit ich hier in Berlin bin, so richtig Kritik an meiner Leistung. "Kraft in der Flugkrise", hieß eine Schlagzeile. Ich habe diese Kritik als ziemlich überzogen wahrgenommen. Sicher, in meiner Zeit beim FC Bayern hatte ich zuvor schon einen ganz anderen Wind um die Ohren gekriegt, und ich bin kein Typ, der sich so etwas zu Herzen nimmt.

Aber es hat mich trotzdem geärgert. Als ich dann die dritte oder vierte Schlagzeile gelesen hatte, sagte ich mir: So, dann wollen wir doch mal sehen. Jetzt zeige ich es denen. Jetzt kriegen die den besten Thomas Kraft zu sehen.

In der Rückrunde sind mir keine Fehler unterlaufen. Keine Kritik. Nichts. Ich habe früh schon gelernt, dass man in meinem Beruf extrem gefestigt sein muss. Kritik darf dich nicht umwerfen. Im besten Fall macht sie dich besser.

Ich bin froh, nicht Kapitän sein zu müssen

Als Rune Jarstein im Winter verpflichtet wurde, hieß es: "Jetzt kriegt der Kraft Konkurrenz vor die Nase gesetzt." Ehrlich gesagt, habe ich seine Verpflichtung nicht als Affront gegen mich empfunden. Rune hat vom ersten Tag an sehr gut ins Torwartteam gepasst. Er ist ehrgeizig und macht einen guten Job.

Ich denke, dass wir uns gegenseitig besser gemacht haben. Natürlich will jeder Torwart spielen. Ich will spielen, Rune will das auch und ebenso Marius Gersbeck oder Sascha Burchert. Zweifel daran, dass ich die Nummer eins bin, gab es für mich aber nie. Wir haben untereinander auch offen darüber gesprochen. Stress deswegen gab es nicht. Das hätte auch niemandem geholfen. Wir brauchen uns gegenseitig und verstehen uns gut.

Vor der Saison wurde Fabian Lustenberger zum neuen Kapitän bestimmt. Das hat mich für ihn sehr gefreut. Jemand hat mich mal gefragt, warum ich eigentlich nicht Kapitän geworden bin. Trainer Jos Luhukay hat mich auch nie darauf angesprochen. Auch später nicht, als Lusti sich verletzte und auch Levan Kobiashvili nicht im Kader stand, der ihn sonst vertreten hat. Warum auch?

Und ehrlich gesagt bin ich dem Coach dankbar dafür. Kapitän muss ich nicht sein. Das ist nicht meine Sache. Ich bin so, wie ich bin – ob mit oder ohne Kapitänsbinde am Arm. Wenn ich denke, dass ich vorweg gehen muss, gehe ich vorweg. Wenn ich denke, ich muss jetzt mal die Klappe halten, halte ich sie.

Hertha ist mir ans Herz gewachsen

Ich werde auch oft darauf angesprochen, wie meine persönliche Zukunft aussieht. Ich habe immer gesagt, dass ich die Entwicklung abwarten will, bevor ich mich langfristig binde. Gemeint war damit aber nicht nur die Entwicklung des Vereins, sondern auch meine eigene. Der Klub muss ja auch mit mir zufrieden sein.

Ich denke, ich habe mich persönlich weiterentwickelt in dieser Saison, und ich bin mit mir persönlich zufrieden. Auch Hertha hat wieder einen wichtigen Schritt nach vorn gemacht.

Immer wieder lese ich, dass ich kurz vor einer Verlängerung meines bis 2015 laufenden Vertrages bei Hertha stehe. Manager Preetz und ich haben in der Winterpause abgemacht, dass das erst mal nicht wichtig ist. Und es gab in der Rückrunde wirklich wichtigere Themen. Ich persönlich kann mir sehr gut vorstellen, weiter Teil dieses spannenden Projektes Hertha BSC zu sein. Ich fühle mich wohl hier in Berlin, und Hertha ist mir ans Herz gewachsen.

Für die Zukunft erhoffe ich mir, dass wir weiter in kleinen Schritten denken und uns stetig weiterentwickeln. Wenn wir in drei Jahren die Champions League gewinnen, bin ich zufrieden. Kleiner Spaß.

Wir wollen uns weiter in der Liga etablieren. So muss es sein. Ich bin jemand, der es nicht leiden kann, wenn Dinge schnell zu groß gemacht werden und dann auch schnell wieder abstürzen. Mir ist es lieber, klein anzufangen und irgendwann, ganz langsam aber stetig, groß zu werden. Das ist mein Ziel mit Hertha. Und darauf freue ich mich.

Thomas Kraft steht seit 2011 zwischen den Pfosten bei Hertha BSC.

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