Kaderplanung Hertha wagt sich in eine Zukunft ohne Torjäger Ramos

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Auf Antrag der Hertha-Geschäftsführung um Manager Michael Preetz und Finanzchef Ingo Schiller stimmte das Präsidium einem Verkauf des Stürmers zu. Nun rückt die Personalie Lasogga in den Mittelpunkt.

Ad-Hoc-Meldungen von börsennotierten Aktiengesellschaften interessieren Hertha-Fans normalerweise nicht besonders. Doch dieses Mal ist es womöglich anders. Denn die schnellste Nachricht über den Vollzug eines Transfers von Stürmer Adrian Ramos nach Dortmund ist auf der Internetseite der BVB-Aktiengesellschaft zu erwarten. Die Borussia ist laut Aktienrecht verpflichtet, die Verpflichtung eines Spielers unverzüglich bekannt zu machen.

Während im Hintergrund noch an Details dieses Wechsels gearbeitet wird, hat Hertha schon mit den Planungen für die Zukunft im Sturm begonnen. Und die Nachfolgeregelung für Ramos ist alles andere als einfach.

Für Michael Preetz ist die aktuelle Situation nicht der vielzitierte Transferpoker. Vielmehr muss Herthas Manager sich in der Kunst des Schach üben, mehrere Schritte im voraus denken und eventuelle Unwägbarkeiten einplanen. Dabei sieht die Situation von außen sehr einfach aus. Sowohl Adrian Ramos, 28, als auch Pierre-Michel Lasogga, 22, haben Verträge bis 2015. Ohne die Zustimmung von Hertha passiert nichts. Die Angreifer müssten ihre Verträge erfüllen.

Es soll um eine Ablösesumme von 9,7 Millionen Euro gehen

Noch Anfang Februar sagte der Manager: "Unser Interesse ist, dass beide für Hertha in der nächsten Saison auf Torejagd gehen." Doch das Interesse von Dortmund an Ramos ist seit Monaten bekannt. Ebenso reißen die Gerüchte über eine Einigung zwischen dem Kolumbianier und dem Champions-League-Teilnehmer nicht ab. Als letzten Schritt in der langen Hängepartie gab das Hertha-Präsidium am Montagabend die Erlaubnis zum Verkauf. Den Antrag hatte die Geschäftsführung um Preetz und Finanzchef Ingo Schiller gestellt.

Herthas Top-Transfers


Damit ist der Weg zum Verkauf frei. Auch wenn die Erlaubnis des Präsidiums keine Ablösesumme beinhaltet, soll es um 9,7 Millionen Euro gehen. Das wäre der teuerste Verkauf in der Hertha-Geschichte. 2012 erlöste der Klub für Raffael acht Millionen Euro von Dynamo Kiew. Später gab es noch Bonuszahlungen der Ukrainer obendrauf. Für Hertha zahlt es sich jetzt sicher aus, dass 2011 für 600.000 Euro die vollen Transferrechte an Ramos erworben wurden. Bis dahin hielt Hertha 80 Prozent.

Nicht nur Preetz, sondern auch Lasogga und sein Umfeld werden ein Auge auf den Ramos-Transfer haben. Denn damit ändern sich für den in Berlin beliebten Angreifer die Vorzeichen komplett. Hertha-Trainer Jos Luhukay setzte zu Saisonbeginn eindeutig auf Adrian Ramos als einzige Spitze. Jetzt wäre der Weg frei für Lasogga bei Hertha.

Neues Vertragsangebot für Pierre-Michel Lasogga

Doch genau hier ist der Knackpunkt. Preetz betont zwar immer wieder, dass die Situation eindeutig ist und Lasogga auf jeden Fall nach Berlin zurückkehren werde, da der Vertrag noch für ein Jahr gültig ist. Doch auf der anderen Seite wäre nur noch diesen Sommer Geld für Lasogga zu erlösen. Im nächsten Jahr könnte sich der Angreifer einen Verein seiner Wahl aussuchen und Hertha würde keinen Cent sehen. Um das zu verhindern, wurde ihm ein neues Vertragsangebot vorgelegt. Der ablösefreie Abgang soll im Idealfall vermieden werden.

Für Lasogga dürfte es vor allem um die Perspektive in Berlin gehen. Der ehrgeizige Stürmer wird sich kein zweites Mal auf die Bank setzen lassen. Nach seinem überstandenen Kreuzbandriss ließ ihn Jos Luhukay in der Aufstiegssaison schmoren und brachte ihn nur vereinzelt.

Dass Lasogga ohne Zweifel ein starker Erstligaspieler ist, hat er beim HSV mit zwölf Toren erneut bewiesen. Sollte Hertha ihm deutlich machen können, dass sie auf ihn als Top-Stürmer setzen, wäre eine Vertragsverlängerung möglich.

Kalkulation wie im Fall Lewandowski

Doch Manager Preetz muss sich wie beim Schach darauf einstellen, dass sein Gegenüber einen anderen als den geplanten Zug macht. Sollte Lasogga ablehnen, steht Hertha vor der Frage, ob sie Kauf-Angebote für den Stürmer annehmen sollen oder ihn trotzdem für ein Jahr nach Berlin zurückbeordern.

Der Entscheidung dürfte eine Kalkulation zugrunde liegen, die an die Verfahrensweise von Dortmund im Fall Robert Lewandowski erinnert. Die Borussen haben einen vorzeitigen Wechsel des Stürmers zum FC Bayern abgelehnt, da sie seine Tore als unerlässlich für das Erreichen der Champions League sahen. Das Nichterreichen des Wettbewerbs würde sie im Zweifelsfall mehr Geld kosten als sie durch die Ablöse einnehmen.

Für Hertha geht es um die Etablierung in der Bundesliga. Dafür wird ein Stürmer benötigt, der konstant trifft. Ramos und Lasogga besitzen diese Eigenschaft. Die weiteren Angreifer Sami Allagui und Sandro Wagner haben das bisher nicht beweisen können.

Ablöse kann die Kosten im Abstiegsfall nicht aufwiegen

Keine noch so hohe Ablöse für Lasogga könnte die Kosten eines Abstiegs aufwiegen. Die Rückkehr in die Bundesliga kostete Hertha in der Vorsaison 65,5 Millionen Euro (Einnahmen 57,7 Millionen Euro). Die Ausgaben-Kalkulation für die aktuelle Spielzeit in der ersten Liga beträgt 68,1 Millionen Euro, bei deutlich höheren Einnahmen.

Selbst wenn Lasogga das Angebot von Hertha ablehnen würde, wäre es unwahrscheinlich, dass er gehen darf. In dem Fall würden die Berliner warten, bis sie gleichwertigen Ersatz gefunden haben. Braunschweigs Domi Kumbela wäre bei einem Abstieg seines Klubs beispielsweise ablösefrei.

Finanziell steht Hertha durch Investor KKR und die mögliche Ablöse für Ramos auf jeden Fall nicht unter Druck, Lasogga verkaufen zu müssen.

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