11.08.13

Bundesliga

Hertha BSC pumpt sich jetzt voll mit Selbstvertrauen

Das 6:1-Spektakel gegen Eintracht Frankfurt beantwortet die Frage, ob der Aufsteiger gut genug ist für die erste Liga. Trainer Jos Luhukay: "Die Fans sollen stolz sein auf ihren Verein."

Von Uwe Bremer
Foto: Getty Images

Was für ein Auftakt: Hertha BSC meldet sich mit einem fulminanten 6:1-Sieg gegen Eintracht Frankfurt in der ersten Liga zurück.

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Fabian Lustenberger, Kapitän von Hertha BSC, strahlte. So selig wie an diesem Sonntagmorgen sei er lange nicht mehr aufgewacht. Trainer Jos Luhukay dagegen hatte kleine Augen und sagte, er sei kaum zur Ruhe gekommen. "Mir geht da immer so viel durch den Kopf, ich war um fünf Uhr wieder wach." Drei Stunden zuvor hielten sich zwei müde Hertha-Fans im blau-weißen Trikot vor einem Spätkauf an der Ecke Alt-Moabit/Krefelder Straße jeweils an einer Flasche Bier fest. Ein Nachtschwärmer kam vorbei: Das war doch ein toller Nachmittag, oder? Mit leiser Stimme antwortet ein Fan: "Es war wie Weihnachten und Ostern an einem Tag."

Höchster Startsieg eines Neulings

Die Beteiligten verarbeiteten das Ereignis ganz unterschiedlich. Aber alle waren sich einig: Der erste Bundesliga-Spieltag von Hertha BSC war ein Spektakel. Eine Sensation, nicht nur wegen des von niemandem erwartetem 6:1 (2:1) gegen Eintracht Frankfurt. Die Berliner schockten die Konkurrenz nicht nur mit dem höchsten Resultat, das in 50. Jahren Bundesliga-Historie je einem Aufsteiger gelungen war.

Hertha zauberte dazu Spielzüge auf den Rasen des Olympiastadions, dass sogar der gestrenge Trainer in seinem niederländischen Deutsch sagte: "Da schlägt mein inneres Herz."

Die Vorbereitung zahlt sich aus

Etwa bei der 60-Meter-Rallye zum Führungstreffer mit rasantem Direktspiel über die Stationen Alexander Baumjohann, Sami Allagui, Änis Ben-Hatira zu Adrian Ramos. "Da stecken sechs Wochen Arbeit in der Vorbereitung drin", so Luhukay. Bis zum Abwinken hatte der Trainer schnelles, präzises Kombinationsspiel üben lassen.

Die vier Neuen überzeugen

Die Kombination aus dem deutlichen Sieg und der ansehnlichen Spielweise gibt dem gesamten Verein einen Schub fürs Selbstbewusstsein. Nach der Ehrenrunde durch Liga zwei war der erste Erstliga-Auftritt einer, der das gegenseitige Vertrauen zwischen Team und Trainer stärkte. Das Debüt von Hajime Hosogui brachte Hertha nicht gesehene Dynamik und Aggressivität. Die Außenstürmer Ben-Hatira und und Allagui nutzten geschickt die Räume, die sie bekamen. Alle vier Zugänge überzeugten. Neben Hosogai gefiel besonders Baumjohann als Spielgestalter, er bereitete zwei Tore direkt vor.

Innenverteidiger Sebastian Langkamp, aus Augsburg gekommen, sagte: "Das war ein schöner Auftakt. Wir haben gut und schnell hinten raus und sehr effektiv nach vorn gespielt." Jos Luhukay wollte seine Neuen jedoch nicht besonders herausstellen. "Ich kenne die Mechanismen doch. Jetzt soll ich sie loben. Und in ein, zwei Wochen, wenn wir mal verlieren, wird gefragt, warum Trainer und Manager so schlecht eingekauft haben. Die ganze Mannschaft hat funktioniert."

Doppelpack von Allagui und Ramos

Dazu gehört, dass die gesamte Offensivabteilung Selbstvertrauen tankte: Ramos ebenso wie Allagui, beide trafen gegen die überrascht wirkende Frankfurter Defensive doppelt.

Mit Ex-Kapitän Peter Niemeyer, Peer Kluge und Ronny saßen drei Korsettstangen des erfolgreichen Aufstiegsjahres zunächst auf der Bank. Das ist hart für die Beteiligten. Kluge und Ronny wurden eingewechselt. Der Brasilianer, der seit Wochen seiner Form hinterher rennt, belohnte sich mit seinem Tor zum 6:1-Endstand. Es war der erste Bundesliga-Treffer des Publikumslieblings. Das gleiche gilt für John Brooks. Der Verteidiger durfte sich ebenso wie Nico Schulz über seinen ersten Bundesliga-Einsatz freuen. Ein Mosaikstein gesellt sich zum nächsten. Als Gesamtbild stärkt der Kantersieg den Teamgeist.

Siege stärken das Gemüt

Und beseitigt die Zweifel. Nach zwei Abstiegen in Folge hängt die Frage 'Ist Hertha diesmal erstligatauglich' wie eine große dunkle Wolke über dem gesamten Vorhaben. An der Skepsis änderte auch die vorangegangene Rekordsaison mit 76 Zweitliga-Punkten nichts. Die Antwort der Mannschaft zum Bundesliga-Auftakt war selbst von kühnen Optimisten nicht erwartet worden – so eindrucksvoll hat Hertha seit Jahren nicht mehr gewonnen. "Das war unglaublich wichtig für die mentale Stärke", sagt Luhukay. "Siege stärken das Gemüt."

Der Trainer betonte ausdrücklich, er werde jetzt nicht auf die Euphoriebremse treten. Er habe angekündigt, offensiv und attraktiv zu spielen.

Hinweis in der Teambesprechung

In der Teambesprechung habe er darauf hingewiesen, dass die Fans "bis zur letzten Minute das Gefühl haben müssen, dass wir uns voll einsetzen". Um so erfreuter registrierte er die Unterstützung der 54.000. "Ich möchte, dass die Fans stolz sind auf ihre Mannschaft."

Das einzige, worauf der Coach nicht eingehen wollte, waren Spekulationen über höhere Saison-Ziele. "Das ist ein schöner Moment", sagte Luhukay, "aber ich fange nicht an, von 'unschlagbar' zu reden. Wir träumen auch nicht davon, dass wir jetzt Bayern München oder Dortmund gefährden." Nein, seine Mannschaft werde sich nicht verrückt machen lassen. Egal, wie wenig Schlaf die Nacht bereit hält: Als Aufsteiger geht es um Klassenerhalt.



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