Bundesliga

Wie Hertha BSC mit seinen Talenten knallhart verhandelt

Foto: Pollex / Bongarts/Getty Images

Manager Preetz geht bei der Vertragsgestaltung mit selbst ausgebildeten Talenten neue Wege: vorzeitig verlängern oder verkaufen. Verteidiger Nico Schulz ist der erste, der das zu spüren bekommt.

Die Ausdauer-Einheit spulte Nico Schulz (20) gelassen ab. Eine halbe Stunde lief das Talent von Hertha BSC mit seiner Gruppe rechts herum um den Trainingsplatz. Die nächsten 30 Minuten ging es links herum. Eine dieser Übungen, die Profis nicht sonderlich mögen, die aber jedes Mal zur Saisonvorbereitung gehören. Ebenso gelassen reagierte Schulz auf die Entwicklungen zu seiner eigenen Person.

Schulz, seit dem Jahr 2000 im Verein, sagte: "Ich habe hier einen Vertrag bis 2014. Ich gehe davon aus, dass ich in der kommenden Saison bei Hertha spiele." Auch auf die nächste Frage gab Schulz die politisch korrekte Antwort: "Für danach habe ich mich weder gegen Hertha noch für einen anderen Verein entschieden."

Will sagen: Was nach Juni 2014 passiert, sei offen.

Dejagah und die Boatengs: Das Problem, Talente zu binden

Doch der Arbeitgeber von Schulz zieht bei der vertraglichen Gestaltung von Eigengewächsen mittlerweile andere Saiten auf. Hertha BSC als Klub mit einer guten eigenen Ausbildung gerät seit Jahren wiederkehrend bei der immer gleichen Konstellation unter Druck: Wenn ein Talent entwickelt und an die Profimannschaft herangeführt ist – und die erste Vertragsverlängerung im Männerbereich ansteht.

Die Fans schmerzt heute noch die Erinnerung an eine einstige "Goldene Generation": Ashkan Dejagah wechselte ablösefrei zum VfL Wolfsburg, ein schwerer Fehler des damaligen Hertha-Managments. Die Brüder Kevin und Jerome Boateng konnten ebenfalls nicht in Berlin gehalten werden. Immerhin erzielte Hertha 7,9 Millionen Euro Ablöse für Kevin Boateng (wechselte 2007 nach Tottenham), für Jerome gab es gut drei Millionen Euro vom HSV. Bei Patrick Ebert standen die Berliner unter Druck, endlich ein Talent in den eigenen Reihen zu halten. Hertha erkaufte sich die Dienste von Ebert mit einem überdurchschnittlich hohen Gehalt. Auch aktuell läuft es verschieden.

Brooks verlängert, Morales wechselt

Innenverteidiger John Brooks (19), Überraschungsaufsteiger der Zweitliga-Saison, entschied sich dafür, seinen Kontrakt in Berlin vorzeitig bis 2017 zu verlängern. So wünscht sich das ein Verein. "Wir wollen mit unseren Eigengewächse gern mehrere Jahren gehen", sagte Hertha-Manager Michael Preetz. Sollte Brooks auch in der Bundesliga überzeugen, ist es nicht ausgeschlossen, dass er als gestandener Profi irgendwann mal verkauft wird.

Aber es gibt auch die Problemfälle. Alfredo Morales schlug das Angebot aus, mit Hertha in die Bundesliga zu gehen. Natürlich ging es ums Geld. Dem Vernehmen nach lag die Differenz zwischen der von Morales geforderten und der von Hertha gebotenen Summe bei 2500 Euro monatlich – bei einem sechsstelligen Jahresgehalt. Wenn Morales sich dann für die Perspektive bei Zweitligist FC Ingolstadt entscheidet, geht der Ausbildungsklub leer aus.

Ajax knallhart im Umgang mit Talenten

Schulz ist nun der erste Profi, der einen Strategiewechsel bei Hertha zu spüren bekommt. Ausbildungsvereine im internationalen Vergleich wie Ajax Amsterdam oder Bröndby Kopenhagen halten das seit Jahren so: Bei selbst ausgebildeten Spielern wirbt etwa Ajax ein Jahr vor Vertragsende darum, den Kontrakt zu verlängern. Stimmt ein Jung-Profi nicht zu, was dessen gutes Recht ist, wird das Talent verkauft.

Damit Ajax für die Ausbildungskosten zumindest eine Einnahme in Form einer Ablösesumme erzielt. Stimmt der Spieler einem Transfer nicht zu, wird ihm bedeutet, dass er in seinem letzen Vertragsjahr keine Einsatzchancen beim niederländischen Rekordmeister hat.

"Wir müssen uns schützen", begründet Hertha-Manager Preetz dieses Vorgehen. "Wir werden nicht tatenlos zuschauen, dass andere Vereine unsere Früchte ohne Gegenleistung ernten."

400.000 Euro Grundgehalt für Schulz

Hertha hat für Schulz bereits einiges investiert. Schon als 17-Jähriger – damals warb Bayer Leverkusen um den dynamischen Junioren-Nationalspieler – wurde sein Gehalt stattlich erhöht. Derzeit wird das Grundgehalt von Schulz auf rund 400.000 Euro taxiert. Jörg Neubauer, der Berater von Schulz, ist als ausgebuffter Verhandler in der Branche gekannt. Ob Deisler, Metzelder, Khedira oder Adler – Neubauer hat zahlreiche hoch dotierte Verträge für seine Klienten ausgehandelt. Zudem wissen die Spieler und ihre Agenten, dass die Bundesligisten durch den neuen TV-Vertrag wesentlich höhere Einnahmen aus dem Fernsehgeld erhalten.

Bei Hertha haben sich die Verantwortlichen jedoch vorgenommen, den neuen finanziellen Spielraum nicht nur in die Taschen der Profis weiterzuleiten. Hertha will Teile des Geldes nutzen, um die Verbindlichkeiten zurückzuführen. Der Manager hat also nicht nur den einen Vertrag mit Schulz im Blick, sondern das Gesamtbudget.

Schulz soll sich entscheiden: für oder gegen Hertha

Trotzdem plädiert Preetz dafür, marktübliche Gehälter zu zahlen. "Es ist als Verein kurzsichtig gedacht, einen Spieler mit einem geringen Gehalt auszustatten. Wenn wir Bundesliga-Leistungen erwarten, müssen wir auch Bundesliga-Gehälter zahlen." Das ändert aber nichts daran, dass Hertha erwartet, dass sich Schulz trotz Vertrages bis 2014 bereits in dieser Transferperiode entscheidet: für Berlin oder nicht.

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