Europa League

Trotz Überzahl: Schalke scheitert an Ajax

Schalke schlägt Ajax Amsterdam zwar 3:2 nach Verlängerung, scheidet allerdings wegen der Amsterdamer Auswärtstore im Viertelfinale aus.

Der Moment der Entscheidung: Nick Viergever (r.) trifft für Ajax Amsterdam, der Anfang vom Ende für die Schalker Halbfinal-Träume

Der Moment der Entscheidung: Nick Viergever (r.) trifft für Ajax Amsterdam, der Anfang vom Ende für die Schalker Halbfinal-Träume

Foto: Christof Koepsel / Bongarts/Getty Images

Gelsenkirchen.  Das kleine Fußball-Wunder war fast schon geschafft, doch nach einem echten Europapokal-Krimi ist der Traum von neuen Eurofightern auf Schalke endgültig beendet: Trotz eines 3:2 (2:0, 0:0) nach Verlängerung im hochspannenden Viertelfinal-Rückspiel der Europa League gegen Ajax Amsterdam verabschiedeten sich die Königsblauen am Donnerstag als letzter deutscher Verein aus dem Europacup. Damit ist die Bundesliga erstmals seit zwölf Jahren in keinem europäischen Halbfinale vertreten.

Die Schalker erlebten in ihrem 100. Spiel im kleinen Europacup wie so oft in dieser verrückten Saison ein emotionales Auf und Ab. Leon Goretzka (53. Minute) und Guido Burgstaller (56.) hatten das 2:0 aus dem Hinspiel nach einer enttäuschenden ersten Halbzeit vor 53.701 Zuschauern egalisiert. Daniel Caligiuri weckte mit dem 3:0 (101.) in der Arena endgültig Erinnerungen an den Uefa-Cup-Sieg der legendären Eurofighter 1997.

Doch Nick Viergever (111.) und der frühere deutsche U21-Nationalspieler Amin Younes (120.) schossen Ajax, das nach Gelb-Rot für Joël Veltman (80.) in Unterzahl spielte, ins Halbfinale. Das Team um den nicht eingesetzten Ex-Schalker Heiko Westermann steht erstmals seit 20 Jahren in der Vorschlussrunde eines Europacups.

Goretzka verzieht schon nach 40 Sekunden

Die Schalker wurden vor der Partie mit einem Motivations-Film mit Jubelszenen und Toren auf der Stadion-Leinwand eingestimmt. Und die Mannschaft begann mutig, angefeuert von den Fans versuchte sie, Ajax zu überrumpeln. Goretzkas Schuss strich nach 40 Sekunden knapp am Tor vorbei, nach 111 Sekunden traf Max Meyer nur den Pfosten.

Nach dem schwungvollen Start der Königsblauen konnten sich die Gäste besser sortieren, Schalke rannte nun etwas ungestüm an. Dem Revierklub fehlten die Genauigkeit und die Ideen im Spiel nach vorne. Ajax ließ sich von den Gastgebern keineswegs nur in die Defensive drängen, sondern suchte selbst den Weg nach vorne.

Die Schalker Abwehr um die nach Verletzungen zurückgekehrten Benedikt Höwedes und Sead Kolasinac hatte in der Anfangsphase aber kaum eine brenzlige Situation zu überstehen. Bei einem Fallrückzieher von Viergever nach einer Ecke war S04-Keeper Ralf Fährmann zur Stelle (24.).

Doppelschlag in knapp drei Minuten

Wenn der Zweite der Ehrendivisie gefährlich wurde, dann meist über links. Rechtsverteidiger Sascha Riether, der den gesperrten Thilo Kehrer ersetzte, hatte bei seinem ersten Einsatz seit Dezember 2016 immer wieder Probleme mit dem schnellen Younes. Schalke überließ Ajax mit zunehmender Spieldauer mehr und mehr die Initiative.

Mit der ersten gelungenen Offensivaktion in der zweiten Halbzeit gingen die Schalker dann aber in Führung. Goretzka traf nach schönem Zusammenspiel mit Burgstaller zum 1:0. Nur knapp drei Minuten später war es dann Burgstaller, der nach Flanke von Kolasinac auf 2:0 erhöhte. Das ersehnte Fußball-Wunder war für die Schalker nun greifbar nah.

Mit der Führung im Rücken drängten die Königsblauen auf den dritten Treffer, aber auch Ajax spielte weiter mutig nach vorne. Joker Klaas-Jan Huntelaar sollte gegen seinen Ex-Klub für noch mehr Schwung sorgen, doch keiner der beiden Mannschaften gelang in der regulären Spielzeit die Entscheidung.

In der Verlängerung nutzten die Schalker dann zunächst ihre Überzahl und träumten nach dem 3:0 durch Caligiuri vom Halbfinale, ehe Viergever und Younes Ajax eine Runde weiter schossen. "Wir waren die spielbestimmende Mannschaft, machen das 2:0 und dann – ich bin sprachlos. Es ist sehr enttäuschend, dass wir nach diesem Auftritt nicht das Halbfinale erreicht haben", sagte Caligiuri.

Manchester United mit Mühe ins Halbfinale

Top-Favorit Manchester United hat sich ins Halbfinale gezittert. Das Team von Trainer José Mourinho setzte sich im heimischen Old Trafford gegen den RSC Anderlecht nach dem 1:1 im Hinspiel mit 2:1 (1:1, 1:1) nach Verlängerung durch und darf trotz einer bislang durchwachsenen Saison weiter auf einen Titel hoffen.

Youngster Marcus Rashford (107.) erzielte den umjubelten Siegtreffer, Uniteds Superstar Zlatan Ibrahimovic hatte sich kurz zuvor am rechten Knie verletzt und musste ausgewechselt werden.

Vor Rashfords Sieftreffer hatte Anderlechts Kapitän Sofiane Hanni (32.) die Führung des Ex-Dortmunders Henrich Mchitarjan (10.) ausgeglichen. Von Ibrahimovic war bis auf zwei kläglich vergebene Chancen (71./82.) wenig zu sehen, kurz vor dem Schlusspfiff der regulären Spielzeit kam der Schwede nach einem Kopfballduell unglücklich auf und humpelte offensichtlich schwerer verletzt vom Platz.

Celta Vigo reicht ein Remis, Lyon gewinnt Elfmeter-Krimi

Ebenfalls im Halbfinale steht Celta Vigo. Dem Tabellenzehnten der spanischen Primera División reichte nach dem 3:2 im Hinspiel ein 1:1 (0:0) beim KRC Genk aus Belgien für den Einzug in die Runde der besten Vier. Pione Sisto (63.) traf für Celta, Leandro Trossard (67.) erzielte den Ausgleich, der Genk nicht mehr für die nächste Überraschung reichte.

Olympique Lyon behielt im Elfmeter-Drama bei Besiktas Istanbul mit 7:6 die Nerven, Maxime Gonalons verwandelte den entscheidenden Elfmeter. Nach 90 Minuten hatte es 1:2 (1:1) gestanden, ebenso nach Ende der Verlängerung. Talisca (27./58.) traf doppelt für Besiktas, Alexandre Lacazette (34.) für Lyon.

Die Europäische Fußball-Union Uefa hatte beide Teams nach den Krawallen des Hinspiels mit einer Bewährungsstrafe für die kommenden zwei Jahre belegt, es droht der Ausschluss für eine Saison im Europapokal. In Istanbul blieb es auf den Rängen ruhig.

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